Leben

Autobiografisches Spurenlegen

Autobiografisches Spurenlegen

Jedes Leben hinterlässt Spuren; diese hier klingen.

„Schläft ein Lied in allen Dingen…“

„…die da träumen fort und fort,
und die Welt fängt an zu singen,
triffst du nur das Zauberwort.“

Ganz hinten in meinem Kopf summen immer wieder diese Verse von Joseph von Eichendorff, während ich Erhard Mätzeners Spuren lese. Nein, ein Romantiker ist er nicht – aber er bekennt sich zu Gefühlen, die in seinem Leben eine Rolle spielen. Seinen Sinn für Realität, aber auch für die oft hinter aller Realität schlummernden Geheimnisse, belegt der Autor mit sachlichem, unaufdringlichen Ausdruck und Stil. Er benennt die Stationen seines vielseitigen Lebens mit klaren Worten und Bildern. Dabei weckt er stets das Lied, das alle seine Erfahrungen und Erlebnisse begleitet, und verknüpft es zu einem an Formen und Farben reichen Teppich.

Klang und Musik in allen Formen

Fromme Lieder stehen am Anfang des klingenden Lebenslaufs von Erhard Mätzener. Hinzu kommen Lieder im Volkston und geläufige Schlager vor allem der unmittelbaren Nachkriegszeit. Später fehlt Edith Piaf ebenso wenig wie Gershwins „Porgy and Bess“. Vom Klang des selbst gebauten Monochords über Messiaën, Mozart und die Marseillaise wieder zum meditativen Tonraum des geheimnisvollen Windgongs spannen sich die Flügel des Geistes, des Empfindens, Erlebens und Erfahrens; erklingt nicht nur eine Tonspur, sondern eine Lebensmelodie

Eine berührende Begegnung mit einem Lebenslauf, welcher dermassen von Klang und Musik erfüllt ist! Alle Flügel des Gesangs und der Musik breitet Erhard Mätzener aus. So vielseitige Tonspuren eines Lebens tragen schon für sich allein Sinn und Reichtum in sich. Doch keine Zeile des schmalen Bändchens schwebt im überhöhten, wirklichkeitsfremden Raum, alles ist faktisch erlebt und sachlich reflektiert.

Ist es Zufall oder ist es mit Vorbedacht geschehen? Das Erlebnis, das Erhard Mätzeners in seinen reifen Jahren wohl am meisten bewegt hat, ist von einem Text des wortgewaltigen Bertold Brecht begleitet. Klar, die Witwe Begbick in „Mann ist Mann“ singt auch. Aber es wirken vorab die Worte, auch im Zusammenhang, in welchem sie der Autor in seinem Text zitiert:

„Beharre nicht auf der Welle
Die sich an deinem Fuss bricht, solange er
Im Wasser steht, werden sich
Neue Wellen an ihm brechen.“

Es ist eine kleine Kostbarkeit von hohem Wert, Erhard Mätzeners Buch. Klänge und Musik verzaubern autobiografische Erfahrungen mit Poesie. Das stimmt ganz leise auch nachdenklich.

Der Autor

Erhard Mätzener, geboren 1942 in Meiringen und in Unterbach im Haslital aufgewachsen, ist einer jener Menschen, die an der Schwelle des siebzigsten Lebensjahrs auf eine ungemein vielseitige Biografie zurückblicken können. Verwaltungslehre, dann kurz in der Bezirksverwaltung tätig, begibt er sich nach Zürich, besucht eine Schauspielschule, holt die Matur nach und studiert Volkswirtschaft an der Uni Zürich. Die Eckseiten seines breit gefächerten Lebens sind der Börsenhändler auf der einen und der feinsinnige, wache und offene Künstler auf der anderen Seite. Nebst zahlreichen Reisen gehörte er 1963 zu den Gründern des „Zürcher Jungen Theaters“ (ab 1966 „Kleine Bühne am Bucheggplatz“).

Das Buch

Erhard Mätzener

Auf der Tonspur meines Lebens
ein autobiografisches Potpourri

182 Seiten, Fr. 24.80

Verlag Books on Demand GmbH
Norderstedt 2011

ISBN 978-3-842-327092