Kultur

Wer ist Mani Matter? – Müssige Frage!

Wer ist Mani Matter? – Müssige Frage!

Die Ausstellung im Landesmuseum Zürich wird verlängert

 

 

Bild oben: Mani Matter unterwegs im Berner Matte-Quartier, 1970.
Foto: Rodo Wyss.

 

Bern, 1957

Mit meinem Freund Dieter Stoll – er ist heute auch kein Unbekannter – bin ich vor dem Zytglogge in Bern verabredet, um 22 Uhr, was zu jener Zeit noch nicht alltäglich war. Doch macht es mir nichts aus, weiss ich doch, dass der Besuch des jährlichen Unterhaltungsabends seiner Pfadfinderabteilung ein Muss für meinen Freund ist.

Die Begeisterung steht ihm ins Gesicht geschrieben, er kann nicht warten, bis er’s loswird: „Du, jetzt habe ich etwas Grossartiges erlebt! Da ist einer mit seiner Gitarre hin gestanden und hat uns Georges Brassens auf Berndeutsch vorgesungen!“. – Mani Matter.

Zürich, 2011

Ein Sicherheitsfunktionär des Schweizerischen Landesmuseums erzählt: „Mit viel haben wir gerechnet, nicht aber mit einem monatelangen so grossen Besucherandrang!“ Nicht nur aus feuerpolizeilichen Gründen, sondern auch, um Behinderungen beim Durchstreifen und Erleben der Ausstellung durch zu grosses Gedränge zu verhindern, kann aufs Mal höchstens ungefähr 50 Personen gleichzeitig Einlass gewährt werden.

Seit dem 27. Mai ist in drei grossen Räumen im zweiten Stock das ausgestellt, was zu einem legendären Menschen gehörte, der nicht nur als „Berner Troubadour“ eine Lokalgrösse war, sondern in der ganzen Schweiz bekannt und geliebt war; sein Wirkungsradius reichte auch über die Landesgrenzen hinaus.

Die Ausstellung sollte am 18. September schliessen; sie ist bis am 2. Oktober verlängert. Dann geht sie auf Reisen:

Im Forum Schweizer Geschichte Schwyz ist sie vom 31. März 2012 bis am 16. September 2012 zu Gast, danach vom Oktober 2012 bis Februar 2013 im Historischen Museum Bern.

Bild:

Zwischen 1965 und 1971 trat Mani Matter im Programm der Berner Troubadours auf. Von hinten links nach vorne: Fritz Widmer, Mani Matter, Jacob Stickelberger, Ruedi Krebs, Markus Traber und Bernhard Stirnemann.

Foto: privat, Ruedi Krebs.

Wer ist Mani Matter?

Die Familie Matter im Dezember 1967 in Cambridge. Joy und Mani Matter mit Sibyl (stehend), Meret (vorne links) und Ueli (vorne rechts).
Foto: privat, Joy Matter.

Die Ausstellung zeigt die Hauptstationen von Mani Matters Leben und Wirken: Kindheit und Jugend, Familie, der Jurist, der Poet, der philosophische Denker, der Politiker, der Reisende.

Fundament der Exponate und der Zusatzinformationen sind die bekanntesten Lieder von Mani Matter. Die meisten Stücke der reichhaltigen Schau von hohem dokumentarischem Wert stammen aus dem Besitz der Familienangehörigen und von Freunden.

Der iPad – ein unentbehrlicher Begleiter durch die Ausstellung

Es ist vermutlich das erste Mal, dass hier im Landesmuseum Zürich dem Besucher ein iPad von vermutlich ca. 13 Zoll Bilddiagonale mitgegeben wird. Darauf sind alle Lieder, die begleitenden Videos und Bilder, die Äusserungen der Ehefrau Joy Matter und vieler Freunde und Weggefährten abrufbar, können gehört und gesehen werden. Das ist unter anderem dort sehr hilfreich, wo in einer Vitrine die Kopfseite eines Dokuments sichtbar ist, der Besucher aber auf seinem technischen Begleiter alle Seiten nachlesen kann.

Immerhin ist – vor allem zur Vorbereitung auf die Ausstellung oder zum Weiterdenken und –schauen nach dem Besuch – auch die Publikation von Pascale Meyer, Wilfried Meichtry und Nina Kägi sehr illustrativ und hilfreich. Sie ist im Zytglogge-Verlag, Oberhofen am Thunersee, erschienen und trägt dort den Titel „Mani Matter (1936-1972), Liedermacher, Poet und Denker“ und wird auch im Museum als Katalog für Fr. 36.00 verkauft.

 

Mehr als Zahlen und Fakten

Doch alle Technik, die Zahlen und Fakten, das Organisatorische und Formale wären nicht von grosser Bedeutung. Die von Museumsdirektor Andreas Spillmann(Gesamtleitung), Wilfried Meichtry und Pascale Meyer konzipierte Schau, eingebettet in Signale des zeitgeschichtlichen Zusammenhangs, vermittelt mehr als nur das. In einer optimalen Verweilzeit von einer bis anderthalb Stunden erlebt eine sensible Besucherin, ein für vieles offener Besucher die Wärme im Leben und Wirken eines Menschen, doch auch den Reichtum, den er an seine Nächsten, an seinen Freundeskreis und an sein Publikum zu verströmen vermochte.

Gut, dass die Ausstellung nach einer zweiwöchigen Verlängerung in Zürich nächstes Jahr auf Reisen geht.

«Mani Matter. 1936-1972»
Wechselausstellung im Landesmuseum Zürich
27.05.2011 – 02.10.2011

Verlängert bis 2. Oktober 2011

31. März 2012 bis am 16. September 2012 im Forum Schweizer Geschichte Schwyz

Oktober 2012 bis Februar 2013 im Historischen Museum Bern.

http://www.manimatter.landesmuseum.ch/

http://www.zytglogge.ch/fs_team.html (Katalog)

 

Kommentare

Bild des Benutzers Fritz Vollenweider

Danke, Bärewärter...

...für die Korrektur.

Trotzdem war es damals genau so, wie geschrieben. In der Ausstellung, die man ja jetzt erst nächstes Jahr wieder wird sehen können, ist irgendwo erwähnt, dass auch Mani Matter mit "Brassens berndeutsch" angefangen hat. 

Auch Bernhard Stirnemann war einer meiner engeren Freunde aus dem Bernischen Lehrerseminar Hofwil. Ich habe ihn vor allem in seinem "Galerietheater DIE RAMPE" auch journalistisch begleitet.

Bild des Benutzers Bärewärter

Treffen auf MANI MATTER

Im ersten Abschnitt dieses Berichts wird vom Autor erwähnt: "Da hab' ich was Grossartiges erlebt - da sang einer mit einer Gittarre Chansons mit Texten von Georges Brassens..."

Mani Matter hat aber nie Lieder nach Georges Brassens gesungen, sondern Bernhard Stirnemann!

(Diese Beiden haben eigentlich völlig unabhängig voneinander mit "Bärner Chansons" angefangen - leider kommt diesbezüglich mein Cousin, allerdings kürzlich auch verstorben, zu kurz!)

Habe im September 2005 den "Bäre-Höck" gegründet