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Referat von Dr. phil. Erika Welti, a. Rektorin, ehemalige Präsidentin der Zürcher Fachstelle für Alkohol- und andere Suchtprobleme anlässlich einer Vortragsreihe "Offenes Fenster", organisiert von der evangelischen methodistischen Kirche des Bezirks Chur. Eine Zusammenfassung:
"Mit zwei schwierigen Begriffen wollen wir uns heute auseinandersetzten, mit Sucht im Alter. Sucht und Alter, beide können unangenehme Gefühle in uns auslösen, so dass wir sie am liebsten aus unserem Wortschatz, mehr noch aus unserem Umfeld verdrängen möchten“, mit diesen Worten begann Frau Dr. Welti das Referat.
Gesund sein bezeichnen wir als hohes Gut, das wird klar, wenn wir hinhören, was sich Menschen zum Geburtstag wünschen: Bleibe gesund, das ist das Wichtigste. Und was tun wir Menschen nicht alles, um gesund und fit zu bleiben. Schlagen wir nur die Seiten mit den Inseraten in den Zeitschriften und Zeitungen auf: Wellness, Fitness, Yoga, Salben, Tinkturen und Pillen usw. usw. Ja, krank oder gar süchtig möchte niemand werden oder sein.
Weshalb sind denn so viele Menschen, mehr als alle Statistiken es anzugeben vermögen, süchtig? Was ist es denn, das den Menschen in ein Suchtverhalten treibt?
Wir stecken uns hohe, oft zu hohe Ziele, die wir erreichen wollen, nicht nur berufliche, auch materielle Erfolge sind uns sehr wichtig. Spüren wir, dass wir diese nicht oder nicht mehr erreichen können, ist es möglich, dass wir einen Ersatz dafür brauchen. Auch Enttäuschung, Langeweile, Schmerzen, Einsamkeit und die Suche nach dem Sinn des Lebens, können den Grund dafür sein.
Besonders schwierig ist es für Menschen, wenn sie erleben, dass ihre Kräfte abnehmen, ihre Möglichkeiten sich verändern. Es braucht Mut, sich dies selbst und auch den uns umgebenden Mitmenschen einzugestehen, es braucht Mut, dies nicht einfach zu überspielen, was anfangs vielleicht ganz gut gelingt. Es gilt, sich mit den neuen Gegebenheiten zurechtzufinden, zu erkennen, dass sich nicht nur weniger, sondern auch andere Möglichkeiten bieten. So haben wir mit der Pensionierung mehr Zeit zur Verfügung, freie Zeit, nach der wir uns während der Berufstätigkeit so sehr gesehnt haben. Doch wir realisieren auch, dass es schwerfallen kann, diese sinnvoll zu gestalten. Trotzdem es sich viele ältere Menschen finanziell leisten können zu reisen, essen und trinken, zu geniessen, kann daraus eine innere Leere entstehen, die wieder gefüllt werden muss. Was liegt näher, als sich etwas Gutes zu gönnen, etwas, das Leere und Schmerzen, Sinnlosigkeit und Einsamkeit überspielt, immer wieder, bis daraus eine Abhängigkeit wird?
Diese Gefahr besteht vor allem beim Konsum von Alkohol, Nikotin oder Medikamenten. Zahlen aus dem Jahr 2007 zeigen, dass in der Schweiz jede zehnte Person über 65 Jahren abhängig ist von Alkohol. Medikamenten und/oder Tabak. Sie konsumieren in riskanten Mengen und gehen damit grosse gesundheitliche Risiken ein.
Unter älteren Abhängigen gibt es neben denjenigen, die schon lange unter der Abhängigkeit leiden, auch viele, die erst im Alter abhängig geworden sind. Die gesundheitlichen Schäden sind unterschiedlich, stark abhängig vom allgemeinen Gesundheitszustand. Klar aber ist, dass die eigene Lebensqualität darunter leidet und die Gesundheitskosten zu Buche schlagen.
Vorbeugen ist besser als heilen, so haben es schon die vor uns lebenden Generationen gesagt. Der ältere Mensch hat eine lange Zeit hinter sich, in der er daran hat lernen können. Doch wir wissen, dass wir nie ausgelernt haben.
Zur Prävention gehören drei Pfeiler:
Zur Therapie gehören ebenfalls drei Pfeiler:
Was einfach tönt, ist im Leben oft schwierig durchzusetzen. Da ist es wichtig, dass wir in dieser Aufgabe nicht alleine gelassen sind.
Für eine Therapie, das wissen wir auch von anderen Krankheiten, brauchen wir fachliche Unterstützung. Es ist ein Geschenk, dass wir in unserem Land, überall Fachstellen haben, die sich mit Abhängigkeiten befassen und solche behandeln wie auch andere Krankheiten. Allerdings braucht es dazu nicht nur das Einverständnis, sondern auch den Willen der Betroffenen, das Vertrauen, dass geholfen werden kann.
Halten wir deshalb die Augen offen, damit wir die Abhängigkeiten bei uns und unseren Mitmenschen frühzeitig erkennen und verhindern können.
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