Kultur

Innerhalb von achtzehn Monaten sterben?

Innerhalb von achtzehn Monaten sterben?

„Willkommen in deinem Leben“ im THEATER MATTE Bern

 

Theater Matte Bern: Zweite Spielzeit, zweites Stück

Das Theater Matte Bern ist im Herbst 2010 eröffnet worden und blickt auf eine zu 95% ausgelastete, erfolgreiche erste Spielzeit zurück. Wie die künstlerische Leiterin und „Seele“ ihres Theaters, Livia Anne Richard schreibt, will man hier „dem Leben selber eine Plattform bieten ... mit Werken, in denen man erkennt, dass das Gegenteil meistens genau so wahr ist, wie dessen Gegenteil, und dass die Wahrheit irgendwo dazwischen liegt“.

Gutes Mundarttheater

Mundarttheater gibt es landab, landauf viele. Mundartbühnen, die dem „guten Guten Theater“ verpflichtet sind, muss man nicht gerade „mit der Kerze suchen“; sie haben dennoch eher Seltenheitswert. Das THEATER MATTE in Bern spielt vor allem mit erfahrenen, geschulten Laienspielern in gepflegtem Stadt-Berndeutsch „Stücke, die der Spezies Mensch genau aufs Maul schauen“ (Livia Anne Richard, die Autorin aller Berndeutsch-Fassungen der fünf Stücke dieser Spielzeit).
Das ist mit dieser Produktion denn auch  überzeugend gelungen; man lässt sich vom professionellen Spiel gefesselt mitreissen und sich von Wortwitz und manchen szenischen Glanzlichtern zum Lächeln und Lachen verführen.

Maud Koch als "Sie2, Theo Schmid als Peter und Fredi Stettler als „Er“
Foto: © Michael Meier, Thun

Im Kreuzfeuer von Liebe und Tod

Eigentlich eine einfache Sache – doch zeitlos aktuell! Die Konstellation ist diesmal so angelegt, dass Tod und Liebe gegen einander um das Leben kämpfen. Soll Peter, in den Sechzigern, der soeben von seiner unheilbaren Krankheit erfahren hat, vom Tod in Resignation, gar Selbstmord getrieben werden? Oder wird doch die Liebe ihn zu einem neuen Aufbruch in ein Leben mitreissen, wie er es bisher zu leben versäumt hat? Und was spricht das Leben selbst, verkörpert durch Nelly, die verwitwete Wirtin des abgelegenen leeren Berghotels, und durch Patrick, der Nelly vergeblich mit seiner unbeholfenen Liebe verfolgt?

Witzig-nachdenkliches Stück, engagiertes und ausdrucksvolles Spiel

Das Originalstück von Michael McKeever (*1962 in den USA) stellt dieses Spiel um Liebe und Tod auf witzige, leicht ironische Weise auf die Bühne. Die berndeutsche Fassung wird der Situation gerecht, überträgt den Ort der Handlung in bessere Nähe zur Mundart-Sprache. Livia Anne Richards Fassung des Stücks und dessen facettenreiche Umsetzung durch den Regisseur Oliver Stein sind für die exzellent geführten Darstellerinnen und Darsteller ein solider Boden für ihr ausdrucksvolles Spiel. Im Mittelpunkt stehen Nelly und Peter. Nelly, die aus ihrer verhärmten Witwen-Krankenpflegerin-Rolle glaubhaft zu erst zögerndem, dann überzeugtem Neubeginn von Liebe und Leben erwacht – eine vielseitige Person mit dezentem Schalk und Charme. Peter, vorerst verzweifelt in die Abgeschiedenheit geflohen, später eher noch zweifelnd, zuletzt sich wandelnd vom Zögernden zum Bekehrten; bekehrt von der Liebe zum Leben.

Theo Schmid als Peter und Annemarie Morgenegg als Nelly, Maud Koch als „Sie“ (hinten)
Foto: © Michael Meier, Thun

Nebst der penetranten unsichtbaren Figur des Kranken im Nebenzimmer gehört auch Beat Moser als erfolglos werbender Hausfreund auf die Seite des pragmatischen Lebens.

Um Peters Leben streiten sich zwei imaginäre Gestalten. „Er“, Fredi Stettler, verkörpert den Tod; „Sie“, Maud Koch, die Liebe. Sie kämpfen um den todkranken Menschen, wie von alten Zeiten her in der Literatur und im Mysterienspiel üblich. Die blinde Liebe, der sarkastische Tod... Differenzierte, bedrückende einerseits, andererseits berührende Gestalten dieses Theaterabends. Er erzählt mit Sarkasmus, Witz, Eindringlichkeit eine an sich uralte Geschichte, welcher man in dieser Form berührt wie vergnügt lauscht.

 

Theaterzettel

Willkommen in deinem Leben
Aus dem Amerikanischen von Michael McKeever

Berndeutsch von Livia Anne Richard

Inszenierung: Oliver Stein

mit Annemarie Morgenegg (Nelly), Maud Koch („Sie“), Theo Schmid (Peter), Beat Moser (Patrick), Fredi Stettler („Er“)

Bühnenbild: Fredi Stettler

Kostüme: Katrin Schilt

Fotos: © Michael Meier

Vorstellungsdaten

Premiere: Samstag, 29. Oktober 2011

Weitere Vorstellungen: 

Mi. 2. | Do. 3. | Fr. 4. | Sa. 5. | So. 6. | Mi. 9. | Do. 10. | Fr. 11. | Sa. 12. | So. 13.*) | Mi. 16. | Do. 17. | Fr. 18. | Sa. 19. | So. 20. | Mi. 23. | Do. 24. | Fr. 25. | Sa. 26. | So. 27. November 2011

Beginn: Jeweils um 20.00 Uhr (Sonntags bereits um 17.00 Uhr)

*) SPEZIAL:

Am Sonntag, 13. November 2011 findet nach der Vorstellung die Gesprächsrunde unter der Leitung von Roland Jeanneret mit den Schauspielenden und der Regie zum Thema des Stückes statt. Wenn Sie dabei sein wollen, so buchen Sie Ihre Tickets für die entsprechende Vorstellung.

 

www.theatermatte.ch