Gesellschaft

Partnerschaft und Stress im Alter

Partnerschaft und Stress im Alter

Eine Studie über Wohlbefinden und Gefährdungen in einer Partnerschaft.

Die Universität Zürich sucht 360 Paare für die Erforschung von „Partnerschaft und Stress: Entwicklung im Zeitverlauf“, ein Projekt der Forschungsgruppe Sinergia PASEZ. Untersucht wird, wie Paarbeziehungen am besten funktionieren, wie sich solch enge Beziehungen entwickeln und welche Faktoren den Verlauf einer Partnerschaft beeinflussen. Zusätzlich erforscht wird der Einfluss der Elternbeziehung auf das Wohlbefinden der Kinder. Gesucht werden deutschsprachige Paare, die seit mindestens einem Jahr in einer festen Partnerschaft leben. Die Studienteilnehmer erhalten eine kleine Vergütung.

Informationen zum Projekt  auf  www.pasez.ch. Interessierte können sich melden unter der Telefonnummer 044 520 13 94 oder per E-Mail an pasez@psychologie.uzh.ch.

Dieser Aufruf hat Seniorweb veranlasst, Prof. Dr. Mike Martin, den Leiter des Kompetenzzentrums für Gerontopsychologie an der Universität Zürich, um weitere Auskünfte zu bitten.

Fragen an Prof. Dr. Mike Martin

Seniorweb: Was gab den Ausschlag, eine solche Studie durchzuführen?

Mike Martin: Es gibt viele Hinweise aus der Forschung, dass Paarbeziehungen langfristig vorteilhaft für die Gesundheit und das Wohlbefinden sein können. Wegen ihrer grossen  Bedeutung, die Beziehungen für Menschen haben, können aber auch Gefährdungen der Partnerschaft stark belastend sein. In der Studie gehen wir der Frage nach, wie es Paaren gelingt, ihre Beziehungsqualität langfristig zu erhalten und im besten Fall positiv zu entwickeln. Dabei nehmen wir an, dass es je nach Alter und Beziehungsdauer dazu ganz unterschiedliche Strategien braucht.

SW: Leben denn 65- bis 80-jährige Menschen, altersmässig ausserhalb des Arbeitsprozesses, noch im Stress?

MM: Stress kann immer dann entstehen, wenn wir uns in einer Situation befinden, von der wir nicht sicher sind, dass wir sie meistern können und die uns persönlich sehr wichtig ist. Genau dies kommt in Beziehungen regelmässig vor. Man muss nur daran denken, wie unsicher man sein kann, wenn sich die Partnerin oder der Partner nach der Pensionierung neu orientiert und sich dann ja möglicherweise verändert oder die Paarbeziehung sich verändert.

SW: Ältere Menschen dürften sich für die Aufrechterhaltung ihrer Zweierbeziehung auf traditionelle Werte berufen. Werden diese Werte in Frage gestellt?

MM: Wir vermuten, dass es sogenannte Kohortenunterschiede gibt, also dass Paare, die vor vielen Jahrzehnten zusammenkamen dies aus anderen Gründen getan haben als dies heute der Fall ist. Darüber hinaus unterscheiden sich die Gründe, mit jemandem zusammenzukommen von denen, mit jemandem zusammenzubleiben. Dennoch gibt es in jeder Kohorte und Altersgruppe offensichtlich Paare mit hoher Partnerschaftsqualität. Unsere Frage ist daher, wie die Paare das erreichen, also welche unterschiedlichen Wege es zu guter Beziehungsqualität gibt.

SW: Sollen sich nur Paare oder Partner melden, die sich sicher fühlen in ihrer Zweierbeziehung?

MM: Wir sind an ganz normalen Paaren interessiert, eine Einschränkung machen wir nicht.

SW: Warum laden Sie nur Paare ein? Wären die Ursachen für abgebrochene Beziehungen und das Leiden an ihren Folgen nicht eindeutiger an betroffenen Einzelpersonen ersichtlich?

MM: Im Projekt interessieren wir uns dafür, wie eine gute Beziehungsqualität, auch wenn es Belastungen innerhalb oder ausserhalb der Beziehung gibt, gelingen kann. Die Erkenntnisse können zur Förderung von Beziehungsqualität genutzt werden. Die Frage, wie man Trennungen oder deren Folgen gut bewältigen kann, steht dagegen weniger im Vordergrund.

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Beziehung fordert und bereichert

SW: Riskieren Menschen, die sich zu einer solch ausführlichen Befragung melden, eine Entstabilisierung ihrer eigenen Beziehung? Leisten Sie Hilfe, falls das zutreffen sollte?

MM: Nach unseren Erfahrungen profitieren Paare eher davon, wenn sie sich im Rahmen unserer Studien mit Fragen der Beziehung auseinandersetzen. Selbstverständlich stehen aber Fachpersonen bereit, wenn über die Studie hinaus ein Informations- oder Beratungsbedarf entsteht. Die Erhebung selbst wird nur von geschulten Fachpersonen durchgeführt.

SW: Paarlife wird im Projekt als Präventionsangebot zur Stärkung von Paarbeziehungen genannt. Was ist Paarlife? Wann und wie wird diese Organisation gegenüber den befragten Paaren ins Spiel gebracht?

MM: Paarlife ist ein Stress-Präventionsprogramm für Paare, das wissenschaftlich evaluiert ist und vom Leiter der Studie, Prof. Guy Bodenmann, entwickelt wurde. In der Paarlife-Ratgeberbroschüre sind die wichtigsten Inhalte dieses Programms zusammengefasst. Da wir aufgrund der Tatsache, dass es sich bei der PASEZ-Studie um eine Längsschnittstudie handelt, keine individuelle Rückmeldung zu den Studienergebnissen geben können, erhalten die teilnehmenden Paare einen solchen Ratgeber, der helfen kann, die in der Untersuchung aufgeworfenen Themen zu verorten.

SW: Welches Ziel soll mit der Studie erreicht werden?

MM: Wir möchten mit der Studie Grundlagen dafür schaffen, wie es Paaren in jeder Altersgruppe gelingen kann, ihre Partnerschaftsqualität zu erhalten oder zu fördern. Die Wege, die Paare dabei beschreiten, können dann in der Beratung von Paaren eingesetzt werden. Gerade ältere Paare sind uns daher besonders wichtig, denn dazu gibt es bisher praktisch weltweit keine gesicherten Grundlagen.

SW: Welchen Nutzen ziehen die befragten Paare aus der Teilnahme an der Studie?

MM: Die Erfahrung unserer bisherigen Studienteilnehmenden bestätigt, dass die Auseinandersetzung mit der eigenen Beziehung und der Kontakt zu Forschenden als herausfordernd und bereichernd erlebt wird, sozusagen als eine Lernerfahrung, von der beide Seiten profitieren. Paare erhalten Anregungen zu einer Vielfalt von paarbezogenen Themenbereichen, über die sie ansonsten nicht unbedingt sprechen würden, und sie erfahren mehr über sich selbst und die verschiedensten Facetten der eigenen Partnerschaft. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten daneben auch eine kleine Entschädigung.

Mehr über das Projekt

Kontakte über
E-Mail: pasez@psychologie.uzh.ch oder
Telefon 044 520 13 94