Wenn die grauen Nebeltage schwer auf dem Gemüt lasten, kann ein Gang durch den Garten oder ein Ausflug in den Wald die Stimmung etwas aufhellen. Grün statt Grau, heisst die Devise.
November ist die Zeit der Kuschelabenden zu zweit, der Fonduerunde unter Freunden, der gemütlichen Lesestunden auf dem Sofa. November ist auch die Zeit der ersten richtig kalten Nächte und des Raureifs am Morgen. Für Gartenfreunde ist November keine gute Zeit. Ausser man zählt Laubrechen zu den Gartenfreuden. Eines allerdings ist in diesem November 2011 anders als in anderen Jahren: Letzte Woche bin ich den ersten blühenden Primeln (Bild) begegnet – eine kleine, wenn auch vergängliche Vorfreude auf den Frühling.
Amselmenü
Für die im Garten lärmenden Amseln muss November etwas wie vorgezogene Weihnachten sein. Unermüdlich fliegen sie meine Kreuzdorn- und Prunussträucher an und picken fleissig alle die roten, orangen und dunkelblau bereiften Beeren weg. Dabei würden sich die Zweige gut ausnehmen in einer Vase, würden Farbtupfer setzen ins Novembergrau. Aber die Amseln sind einfach schneller als meine Gartenschere.
Aber es gibt ja auch andere Möglichkeiten, sich ein bisschen Gartenatmosphäre ins Haus zu holen. Moos, das im Wald von ganz hellgrün und samten bis zu dunkelgrün oder gesprenkelt mit hellen Sternen wächst, fasziniert mich immer wieder. Einige Moosstücke eng nebeneinander in einer flachen Schale arrangiert, dazu ein paar Efeuranken, gründlich angiessen und fertig ist die Wunderwaffe gegen den Novemberblues. Ich verteile jeweils noch einfache weisse Teelichter auf der Mooslandschaft. Und später, wenn meine Christrosen dann doch noch blühen, arrangiere ich einige der reinweissen Winterblüher ganz flach auf dem Moosteppich. Sieht zauberhaft aus. Und hält um einiges länger als jeder Adventskranz. Und nadelt auch nicht.
Schneiden ja oder nein
Langsam müssen jetzt die letzten empfindlichen Pflanzen ins Winterquartier umziehen. Die sperrigen Oleanderbüsche brauchen immer viel Platz. Deshalb ist die Verlockung, sie kräftig zurückzuschneiden, gross. Und eigentlich auch sinnvoll, denn so verkahlen die Pflanzen weniger. Einen Schönheitsfehler hat der Rückschnitt allerdings: Die Pflanzen treiben zwar im Frühling kräftig und schön grün wieder aus, aber der Blütenansatz bleibt im ersten Jahr aus. Da hilft nur ein Trick: Ein Teil der Büsche oder nur die stärksten und meist auch kahlsten Zweige eines Busches bekommen einen kräftigen Rückschnitt verpasst, die andern dürfen weiterwachsen. Sie werden dann im nächsten Jahr gestutzt, wenn die buschigen Neuaustriebe der jetzt etwas traurig und mickrig wirkenden Pflanzen wieder in voller Blüte stehen.
Die Giesskanne kommt jetzt übrigens eher selten zum Einsatz. Im Winter dürfen die im Wintergarten, Keller oder Treppenhaus stehenden Topfpflanzen ruhig etwas trocken stehen. Allzuviel Wasser ist ungesund, führt zu raschem Wachstum oder lässt die Wurzeln faulen. Für die meisten Freilandpflanzen beginnt jetzt die Fastenzeit, die dann endet, wenn sie laut kirchlichem Kalender für uns Menschen anfängt. Mit einem Unterschied: Wenn die Pflanzen im Frühling wieder so richtig schön gefüttert, sprich gedüngt werden, nehmen sie nicht einfach zu, sondern blühen im wahrsten Sinn des Wortes auf. Manchmal wünscht man sich, man wäre ein Oleander.
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