Gesellschaft

Bevor das Licht ausgeht . . .

Bevor das Licht ausgeht . . .

Die Schweiz braucht Prävention von psychischen Krankheiten.
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Medienmitteilung der Werner Alfred Selo Stiftung

Die jüngsten Suizidfälle des Ricola-CEO A. Kohler und des Zuger Kantonsrates B. Lehmann rütteln auf. Der häufigste Grund für die jährlich über 1'400 Suizide in der Schweiz – das sind dreimal mehr als die Anzahl der Verkehrsopfer – sind verkannte oder unbehandelte Depressionen. Zwei Drittel der über 350'000 Betroffenen verschweigen ihre Krankheit aus Angst vor Stigmatisierung und bleiben unbehandelt.
Prävention tut dringend Not, die Schweiz darf nicht länger untätig zusehen! Mit der Aktion «Bevor das Licht ausgeht…» fordern die Werner Alfred Selo Stiftung, die Ärztegesellschaften für Psychiatrie und Psychotherapie und über 30 Organisationen den Ständerat auf, das Präventionsgesetz anzunehmen und damit die überfällige Grundlage für Programme zur Entstigmatisierung und Suizidvorbeugung zu schaffen. Die Aktion wird unterstützt von den Ständeräten Felix Gutzwiller und Joachim Eder sowie von Nationalrat Andy Tschümperlin.


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Ihre Krankheit: Depression. Eine Karte mit den Namen berühmter Betroffener ist die Grundlage der Aktion «Bevor das Licht ausgeht…». Sie will am Donnerstag, 8. Dezember – wenn das Präventionsgesetz im Ständerat zur Abstimmung kommt – das Bundesparlament für die zunehmende Depressions- und Suizidthematik sensibilisieren und die Ständerätinnen und Ständeräte zur Annahme
des Präventionsgesetzes auffordern.

Entstigmatisierung ist Bundesaufgabe – Politik gefordert
«Erst das Präventionsgesetz – das explizit auch der psychischen Gesundheit Rechnung trägt – ermöglicht ein nationales Programm gegen die Stigmatisierung psychisch kranker Menschen. Das ist der erste Schritt zur Suizidprävention », betont Marylou Selo, Präsidentin der Werner Alfred Selo Stiftung und Initiantin der Aktion. Unterstützt wird sie von den Ständeräten Felix Gutzwiller und Joachim Eder sowie von Nationalrat Andy Tschümperlin. «Bei den Diskussionen rund um das Präventionsgesetz müssen die psychischen Krankheiten gleich hohe Beachtung finden wie die körperlichen», so Gutzwiller. «Enttabuisierung, Prävention und richtige Behandlung haben auch eine grosse volkswirtschaftliche Bedeutung, insbesondere im Hinblick auf das Vermeiden von IV-Berentungen.»
Das Engagement für die Entstigmatisierung von Depressionen und psychischen Krankheiten teilen auch der Selbsthilfe-Verein Equilibrium, die Schweizerischen Gesellschaften für Psychiatrie und Psychotherapie und das Aktionsbündnis Psychische Gesundheit Schweiz, das über 30 Organisationen im Bereich Psychische Gesundheit umfasst.
«Es ist Zeit, Leben zu retten – wie lange will die Schweiz noch untätig zusehen?» fragt Dr. med. Hans Kurt, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Alt-Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (SGPP).

Verschwiegenes Leid – Aus dem Schatten der Scham heraustreten
Depression ist in der Schweiz nach wie vor ein Tabuthema, obwohl über fünf Prozent der Bevölkerung daran leiden und 20 Prozent mindestens einmal im Leben eine depressive Episode erleben. Die Krankheit ist mit Vorurteilen und Desinformation belastet. Wie eine repräsentative gfs-Umfrage1 der Werner Alfred Selo Stiftung aufdeckte, weiss die Schweizer Bevölkerung fast nichts über Ursachen, Symptome und Verläufe der verbreiteten Volkskrankheit. Dr. med. Hans Kurt betont: «Es braucht viel Sensibilisierung in der Schweiz, damit die Depression erkannt, rechtzeitig behandelt und so Schlimmeres verhindert werden kann.»

Dazu beizutragen erachtet er auch als ärztliche Pflicht: «Gerade wir Ärzte und Ärztinnen müssen das Stigma ernst nehmen, gegen die soziale Etikettierung psychischer Erkrankungen kämpfen und verstärkt darauf hinweisen, dass sich die Mehrzahl erfolgreich behandeln lässt.» Nicht behandelte
Depressionen sind der häufigste Grund für Suizid. Mit jährlich 1’400 Suiziden hat die Schweiz eine der höchsten Raten Europas. Zwei Drittel davon betrifft Männer und der Anteil Jugendlicher ist beträchtlich.

Über die Werner Alfred Selo Stiftung
Die 1994 gegründete Werner Alfred Selo Stiftung engagiert sich seit über 15 Jahren für die Erforschung und Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen in den Bereichen Kopfschmerz, Depression und affektive Störungen.
Ein besonderer Fokus liegt auf dem Zusammenhang zwischen Depression und Kopfschmerz (Komorbidität). Die Stiftung fördert Initiativen, die Betroffenen und ihrem Umfeld Hilfe zur Selbsthilfe bieten. Durch Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit leistet sie zudem einen wichtigen Beitrag zur Entstigmatisierung dieser weit verbreiteten Krankheitsbilder.
Die in Zug und New York City wohnhafte Diplomdolmetscherin Marylou Selo gründete die Stiftung in Gedenken an ihren Vater, den Schweizer Erz- und Metallhändler Werner Alfred Selo (1908 – 1993), der nach einem lebenslangen Leidensweg mit chronischer Migräne und Depression Suizid beging. Um anderen Betroffenen zu helfen, beschloss Marylou Selo – die selber an manisch-depressiven Störungen leidet – sich in der Schweiz für die Forschungsförderung auf dem Gebiet der Depression einzusetzen. Aus ihrem Anliegen, der Marginalisierung von psychisch Kranken entgegenzutreten und ihnen Gehör zu verschaffen, wurde ein Lebenswerk mit viel unentgeltlichem Engagement. www.selofoundation.ch

Die Aktion «Bevor das Licht ausgeht...» findet morgen, am 8. Dezember vor dem Bundeshaus statt, denn für diesen Tag ist die Abstimmung über das Präventionsgesetz im Ständerat amgesetzt.