Bild: Wikimedia, Carl van Vechten
Alle Jahre wieder: Was wäre die Adventszeit ohne Gospelgesang? Weihnachten – eine Zeit des Jahres, die die Menschen immer wieder verzaubert. Warum nicht am Höhepunkt der Weihnachtszeit, dem Heiligen Abend, im Kreise der Familie, im festlich geschmückten Zuhause und bei warmem Kerzenschein das Fest der Liebe feiern? Warum nicht musikalisch begleitet von den schönsten Songs Mahalia Jackson, der grössten Gospelsängerin aller Zeiten? „Musik hat etwas, was so tief geht, dass Deine Seele die Botschaft mitbekommt. Egal welche Probleme Du hast, die Musik hilft Dir, sie anzugehen“, schrieb Mahalia Jackson in ihrer Autobiographie Movin`On Up, 1966, S. 184).
Während ihrer ganzen Karriere blieb sie als tief spirituelle Person immer überzeugt im Glauben an ihre religiöse Haltung und sang keine säkularen Blueslieder statt ihrer Gospels. Mahalia Jackson wurde durch ihre tief empfundenen religiösen Lieder zur „Gospel Queen“ Amerikas. Es gibt nicht einen Song von ihr, der Jesus Christus und das Himmelreich nicht in den höchsten Tönen besingt. 14 Titel, darunter einige rare Tracks: His Eye is on the Sparrow – Hands of God –Didn`t it rain –Trust in Jesus oder “I want to rest” gehören dazu und sind auf ihrer CD “Mahalia Jackson – Gospel Highlights” vereint. Ihre Single „Silent Night, Holy Night“ wurde in Norwegen ihre bestverkaufte Single. Trotz allem Erfolg und Ruhm ist sie ihrer Message stets treu geblieben: „Gospelmusik ist nichts anderes als das Verbreiten der Frohen Botschaft (Evangelium)“. Diese Gesinnung stellte sie ins Zentrum ihres Wirkens und machte sie zum Leitmotiv, ebenso wie die Gospelsängerinnen Clara Ward, Ethel Waters und Sister Rosetta Stone. Im Gegensatz zu ihnen, war Mahalia Jackson eine gewiefte Geschäftsfrau und wurde sehr reich. Weniger bekannt aber war die von ihr ins Leben gerufene Mahalia Jackson-Stipendium-Stiftung, die armen Studentinnen ein Studium ermöglichte.

Im vergangenen Oktober jährte sich der Geburtstag der „Königin des Gospels“ zum 100. Mal und wurde weltweit in kleinen und grossen Kirchen, Konzertsälen, Hallen und Festivals gefeiert. Aberhunderte Gospelgruppen auf allen Kontinenten entboten dazu und entbieten Mahalia Jackson gerade jetzt im Advent und zur Weihnachtszeit mit ihren Konzerten Tribut.
Ausverkaufte Tourneen durch Europa und Asien machten Mahalia Jackson in den 1950er-Jahren weltberühmt. Ihre Popularität wuchs beständig, sie trat in grossen Radio- und TV-Stationen auf. 1954 bekam sie ihre eigene Radioshow beim Sender CBS. Stets begleitet von ihrer exzellenten Pianistin Milred Falls mischte sie den Stil baptistischer Kirchenlieder mit dem von Bessie Smith und Ida Cox und machte Gospel zu einer der bekanntesten und beliebtesten Musikarten der USA.
Die grösseren Kirchen der schwarzen Bourgeoisie fanden ihren gefühlvollen Stil zuerst „würdelos“. 1945 wurde Jackson auch einem weissen Publikum bekannt als sie der beliebte Chicagoer Rundfunkkommentator Studs Terkel entdeckte und eine ihrer früheren Schallplattenaufnahmen immer wieder spielte. Bald wurde “Halie“ (Nickname) auch von Weissen geliebt und gefeiert (für die USA der fünfziger Jahre etwas Aussergewöhnliches), obwohl sie oft Diskriminierungen ausgesetzt war – auf ihr Haus wurde sogar einmal geschossen. Sie weigerte sich, weltliche Lieder zu singen oder in Nachtclubs aufzutreten. Mahalia Jackson besass zwar das Talent, eine der grössten Jazzsängerinnen zu werden, lehnte jedoch rein weltlichen Jazz oder Blues ab. Zweimal verheiratet und zweimal geschieden, wurde sie 1961 anlässlich einer Europatournee von Papst Johannes XXIII (1881 – 1963) in Sonderaudienz empfangen. Zuvor, bereits 1959 trat sie vor Präsident Dwight Eisenhower auf und 1963 sang sie auf Präsident John Kennedys Inaugurationsparty. Mahalia Jackson hatte nicht nur allein eine einzigartige Stimme; sie kämpfte – als Galionsfigur – auch voller Wärme und Energie in der schwarzen Bürgerrechtsbewegung mit und tritt mit und für den Friedensnobelpreisträger Dr. Martin Luther King auf. Auf seinen Wunsch sang sie im August 1963 ein altes Sklavenlied und stimmte so die Menschen seelisch auf die Ideale Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit ein, bevor er beim berühmten Marsch auf Washington seine Botschaft „I have a Dream“ verkündete und damit die Massen begeisterte.
Neben den vielen auch in Deutschland und England produzierten Musicals „Mahalia Jackson – Queen of Gospel“, hinterliess mir jenes, mit dem eine New Yorker Black-Gruppe 1999 in den Südstaaten tourte und welches ich im Jack Howard Theatre in Monroe im Staate Louisiana, gesehen hatte, einen tiefen Eindruck: Gesungen und gesprochen, zeigte dieses den Aufstieg Mahalia Jacksons von der Wäscherin, bis zu den Auftritten in den kleinen , ekstatischen Sanctified Churches (Sektenkirchen) sowie die langjährige Karriere mit Höhepunkten bis hin zum Konzert in der berühmten Carnegie Hall auf. Und unterstrich auch, dass New Orleans als die Wiege des Jazz (New-Orleans-Jazz) und des Rhythm`n` Blues gilt, wo Louis Armstrong wurde 1990 geboren wurde und ebenso Mahalia Jackson das Licht der Welt am 26. Oktober 1911 erblickte. Sie wurde als Enkelin eines Sklaven und in Armut als drittes von sechs Kindern in einer „shot-gun“-Dreizimmerwohnung geboren. Ihr Vater war Bauer, Barbier und Minister (Kirchenamt), ihre Mutter Charity Clark, Waschfrau und Dienstmädchen. Im zarten Alter von nur fünf Jahren starb ihre Mutter und Mahalia wurde weiter von ihrer Tante – wie ihre verstorbene Mutter es war – einer entschiedenen Christin, aufgezogen.
Mahalia Jackson starb nach mehreren Herzinfarkten am 27. Januar 1972 im Alter von 60 Jahren in Chicago, wo sie 45 Jahre lang gelebt hatte. 50`000 Trauergäste pilgerten an ihrem Mahagonysarg mit Glasplatte in der Greater Salem Baptist Church vorbei und mehr als 6`000 Menschen füllten die Kirche bis auf den allerletzten Sitzplatz, weitere standen den Wänden entlang. Gospelsängerin (mit Mahalia Jackson als Vorbild) und R`n`B-Diva Aretha Franklin, heute selber der grösste Star Amerikas, würdigte die Verstorbene mit dem Gospel “Precious Lord“. Drei Tage später wiederholte sich die Zeremonie in der grossen Halle des Rivergate Convention Centers; 24 Limousinen fuhren später durch den Providence Memorial Park in New Orleans, wo Mahalia Jackson schliesslich beigesetzt worden ist. Und heute noch, Jahrzehnte nach ihrem Tod, ist sie – mit dem dunklen Gold in ihrer Stimme – auf Schallplatten und CD-Samplern lebendig. Nie zuvor hat eine Sängerin christlicher Lieder ein Millionenpublikum erreicht.
Mahalia Jacksons Gospelsongs könnten doch – im Andenken an die begnadete Sängerin gerade in diesen Adventstagen – einen Platz in unseren Herzen und Ohren finden und zum besinnlichen Ausklang des alten Jahres und für die folgenden Tage und Wochen im neuen Jahr wunderbare Begleiter sein…
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