Leben

Religion in der Lebenskrise

Religion in der Lebenskrise

Vortrag von Pfr. Rolf Bärtsch, Seelsorger KSGR und Klinik Waldhaus Chur
Zitat  von Carl Gustav Jung  (* 26. Juli 1875 in Kesswil; † 6. Juni 1961 in Küsnacht), meist kurz C. G. Jung, war ein Schweizer Psychiater und der Begründer der analytischen Psychologie. Unter all meinen Patienten jenseits der Lebensmitte, das heisst jenseits 35, ist nicht ein einziger, dessen endgültiges Problem nicht das der religiösen Einstellung wäre. Ja, jeder krankte in erster Linie daran, dass er das verloren hat, was lebendige Religionen ihren Gäubigen zu allen Zeiten gegeben haben und keiner ist wirklich geheilt, der seine religiöse Einstellung nicht wieder erreicht, was mit Konfession oder Zugehörigkeit zu einer Kirche natürlich nichts zu tun hat.

Religion, kann einerseits hilfreich, vertrauensschöpfend, Hoffnung und Verbundenheit sein.


In zahlreichen Studien hat sich herausgestellt, dass religiöse Menschen gesünder leben, ein intaktes soziales Umfeld pflegen, welches bis über ihren Tod hinaus geht

Genauso kann Religion jedoch auch Angst und Verwirrung auslösen und unter Umständen krank machen.

 

 

Für schwerkranke Menschen kann der Besuch eines Pfarrers gut tun, aber auch das Gefühl hervorrufen, dass es mit ihrem Leben zu Ende geht. Oft spüren Schwerkranke, dass sie ihr Leben nicht mehr im Griff haben, spüren wie sie ins bodenlose fallen und sehen dem Tod mit Schrecken entgegen. Oder, sie geben die Kontrolle ihres Lebens in Gottes Hand, in der Gewissheit, dass sie bei ihm weiterleben werden.

Gemäss einer weiteren Studie, steht für kranke Menschen an

1.Stelle der Wunsch, dass sie keine Schmerzen haben,

2. Stelle, dass sie von ihren Angehörigen begleitet werden,

3. Stelle die Religion und

4. Stelle die Frage nach dem Sinn.

Die Antwort auf die Frage nach dem Warum, das eine zutiefst religiöse Frage ist, beantwortet Pfr. Bärtsch damit, dass der Mensch dem, was ihm in seinem Leben begegnet, einen ganz persönlichen Sinn geben muss. Viktor Frankl, ein Psychiater, hat es so formuliert: Der Mensch hat nicht das Recht, dem Leben Fragen zu stellen, denn das Leben ist Geschenk. Sondern er hat die Aufgabe, auf eine Frage, die das Leben ihm stellt, eine Antwort, eine persönliche Antwort zu geben. Eine Frage, die das Leben stellt, kann beispielsweise eine Krankheit sein. Das Leben stellt diesem Menschen, den diese Krankheit trifft, die Frage: Was machst Du daraus. Dieser Mensch hat nun die Aufgabe, seine persönliche Antwort darauf zu geben. Und mit der Antwort, die er für sich findet, legt er gleichzeitig auch seinen persönlich verstandenen Sinn in diese Krankheit.

Religion unterstützt Veränderungsprozesse :

- Hoffnung und Engerie für das Leben

- Inhalte der Hoffnung ändern sich

- Vergebung.

Wenn Vergebung gelingt, ist dies ein wunderschöner Prozess

Religion unterstützt auch im Alter einen Veränderungsprozess. Früher war man der Meinung, dass Religion Menschen im Alter passiver werden liessen. Eine Studie hat jedoch das Gegenteil belegt: Religion hilft Menschen, gerade auch im Alter aktiver zu bleiben, ihr Leben selber zu bestimmen und ihre letzten Tage „mitzuorganisieren“. Religion zeigt dem Menschen eben, dass sein Leben Sinn hat, und dass er eine Aufgabe hat – bis zuletzt.

Obwohl die Neurotheologie einen anderen Standpunkt vertritt brauchen Menschen eine Religion.

Neurotheologie“ – „Gott“: nur  ein „Hirngespinst“?  Neue technische Verfahren ermöglichen es, neurophysiologische Prozesse so abzubilden, dass man genau beobachten kann, welche Regionen des Gehirns bei bestimmten seelisch-geistigen Prozessen aktiv oder welche Funktionen ausgeschaltet sind. In der Regel arbeitet das Gehirn so, dass es sich gemäss den Informationen, die aus dem Körper selbst oder aus der Außenwelt aufgenommen werden, als System immer neu organisiert und diese neuen Informationen mit den im Gehirn und Körper gespeicherten Informationen verknüpft und so auf die  gestellten Anforderungen antwortet.

Es gibt keine seelisch-geistigen Prozesse,  die sich nicht in neurophysiologischen Prozessen des Gehirns abbilden. Vor allem amerikanische Wissenschaftler wollen auf diese Weise die neurophysiologischen Bedingungen von „religiösem Erleben“ erforschen und beschreiben. Sie werden daher als „Neurotheologen“ bezeichnet    Prof. Dr. Ulrich Eibach, Bonn