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Der Garten im Januar. Eisblumen und andere Winterblüher

Der Garten im Januar. Eisblumen und andere Winterblüher

Eben habe ich meine Christrosen fotografiert. Ja, natürlich sind sie, wollten sie ihrem Namen gerecht werden, etwas spät dran, aber faszinierend sind sie dennoch.

Es ist doch wirklich ein kleines Wunder: In Schnee und Eis sind die reinweissen Kelche der Christrose, geweckt von ein paar Sonnenstrahlen, aufgeblüht. Und jetzt sind sie konkurrenzlos die Stars im winterlichen Garten. Denn die Hamamelis oder Zaubernuss, die im Januar ihre aparten Blüten, die an feine, gekringelte Papierstreifen erinnern, entfalten müssten, haben bei mir im Garten ihr Pulver schon längst verschossen: Nach einigen kalten Tagen Ende Oktober spürten sie in der Novembersonne vorschnell den Frühling und blühten, so viel sie nur konnten. Und stehen nun mit dicken Blattknospen da und warten auf die Frühlingstagen.

Der phänologische Kalender

Wann die beginnen, das kann nicht verlässlich bestimmt werden. Wenns nach den Astronomen geht, hat die Winterzeit ja erst angefangen – am 22. Dezember, genau 6 Uhr 31. Die Meteorologen hingegen setzen den Winterbeginn auf den 1. Dezember an und den Frühling genau drei Monate später, also auf den 1. März. Aussagekräftiger wäre der phänologische Kalender, der die Jahreszeiten anhand von sogenannten "Zeigerpflanzen" bestimmt. Das Schneeglöckchen steht in dieser Tabelle für den Vorfrühling, wenn die Apfelbäume blühen beginnt der Vollfrühling. Weil die Referenzpflanzen natürlich nicht überall gleichzeitig aufblühen, lassen sich eigentliche "Jahreszeitenwanderungen" aufzeichnen, das heisst, vom Süden ausgehend wird es nach und nach in immer nördlich gelegeneren Gegenden Frühling, im Herbst verlaufen die Datengrenzen umgekehrt. Nur im Winter funktioniert der phänologische Kalender aus naheliegenden Gründen nicht – Eisblumen sind einfach keine verlässliche Zeigerpflanzen. 

Und doch. Wer jetzt zu Fuss in der Natur unterwegs ist, ahnt von weit her doch schon etwas wie einen Frühlingshauch. Die ersten Salweiden sollen bereits blühen und es gibt Gartenratgeber, die jetzt schon empfehlen, Kopfsalat, Kohlrabi oder Lauch auszusäen. Was nur zu einem Misserfolg führen kann, ausser man besitzt ein geheiztes Gewächshaus und für die Weiterkultivierung ein Frühbeet. Allen andern aber wird dringend abgeraten, zu früh zu säen. Natürlich gehen die Pflänzchen an einem warmen Ort ganz willig auf. Aber dann: Ins Freie können sie noch nicht, weil zu kalt und an der Wärme werden ihre Stengel lang und länger, dünn und dünner, bis sie einfach umfallen. Vergeilen heisst das in der Gärtnersprache und genau so sieht das aus. Retten lassen sich solche verfrühte Jungpflanzen nicht. Deshalb: Der Start in die gartensaison muss noch etwas warten. Jetzt erst mal die Eisblumen geniessen und hoffentlich auch die etwas verspäteten Christrosen. Und vielleicht haben Sie etwas geduldigere Hamamelis als ich, dann gibt es in Ihrem Garten ein weiteres winterliches Blütenwunder zu geniessen.

 

 

 

Kommentare

Bild des Benutzers Morgen

Die Christrose


Die Christrose ist für mich in dieser kalten Zeit Beweis, dass es Leben gibt trotz frostiger Widrigkeiten.
Schön ist unser Garten nicht. Die Hecke hat ihr Laub fallen lassen. Das Gras ist mehr braun als grün und der Apfelbaum, reckt seine kargen Zweige in die Luft. Trostlos ist es trotzdem nicht.
Direkt neben unserer Haustüre blüht sie - die Christrose! Sie blüht jedem unserer Besucher, der vor der Türe steht. Sie zeigt jedem  Besucher:

Ich blühe für dich, ob du mich siehst oder nicht. Sie trotzt mit ihrem leuchtenden Weiss den Braun- und Grautönen dieser Jahreszeit.
Die Christrose macht es wahr:

Ich lebe und Ihr sollt auch leben.
Ich trotze der Kälte und Ihr sollt auch trotzen, wenn Kälte sich breit macht
Ich blühe und auch Ihr sollt blühen, wenn niemand sonst zu blühen wagt

Botaniker nennen die Christrose „Helleborus“. Von diesem Wort leiteten die Römer ihr Wort für „verrückt“ ab. Und irgendwie ist es ja auch verrückt, dass es eine Blume gibt, die stärker ist als der Frost. Und irgendwie ist es ja auch tröstlich, dass es eine Blume gibt, die mich an das Wort von Christus erinnert. Und zwar jedes Mal, wenn ich vor unserer Haustüre stehe. Ob bepackt mit Einkaufstaschen oder ob mit klammen Fingern nach dem Hausschlüssel suchend, ich weiss:

Die Christrose blüht und wir dürfen dies auch!