Freizeit

Carving für Senioren

Carving für Senioren

Bei traumhaftem Wetter und Schnee belebten knapp dreissig angejahrte aber sportliche Skifahrerinnen und Skifahrer samt Instruktoren vier Tage lang die Hänge des Heinzenberg. Den Wanderpreis "Der schnellste Beveringrufti" gewann dank ausgefuchst ausgeklügelten Regeln Sylvia (Bild),eine Seniorskikurs-Besucherin der ersten Stunde.


 

Gruppenbild mit SkilehrernGruppenbild mit SkilehrernGewöhnlich herrscht Mitte Januar in den Skidestinationen der Alpen die grosse Flaute, die letzten Gäste sind nach dem Dreikönigstag abgereist, und die einheimischen Kinder und Jugendlichen müssen erst mal ins Schulzimmer, bevor es einen Skitag gibt. Einige Destinationen locken mit Zwischensaison-Angeboten, andere – wie Davos – haben ihren Kongress, um die Hotels zu füllen. Für die Instruktoren der Schneesportschulen heisst es jedoch meist Lohnausfall, denn fest angestellt sind nur die wenigsten. In einer kleinen Skiregion am Heinzenberg ist es freilich anders: Zum 17. Mal haben sich Skifahrer und Skifahrerinnen im Rentenalter oder kurz davor zum Kurs der Tschappiner Schneesportschule gemeldet, 28 an der Zahl, noch nie so viele wie diesmal.

Fast wie Velofahren

Fünf Tschappiner Skilehrer hatten zu tun, um den älteren Menschen, welche es auf der Piste optisch dank Helm und Brille, vorab dank des dynamischen Stils mit viel Jüngeren locker aufnehmen können, die nötigen Tricks beim Carving und Kurzschwingen Theorie vor der Fahrtbeizubringen. Anfängerinnen oder Stemmbogenfahrer gab es wie meist keine in dem Kurs, denn wer im Rentenalter noch auf die Ski steht, hat Erfahrung. Mit dem "Altersturnen", wie es ein Skilift-Angestellter nennt, kann die Schneesportschule das Januarloch stopfen – es gibt an vier Vormittagen Arbeit.Und es gibt was zu lernen für jene nicht mehr ganz jungen Einheimischen und Feriengäste, welche den weichen Pulverschnee und die leeren Pisten zum Saisonbeginn schätzen.Gern lassen sie sich in Gruppen aufteilen und von den Skilehrern (Bild oben: Daniel fordert Kantendruck) erklären, worauf es ankommt, wenn man einen eleganten Bogen mit den Carvingskiern in den Schnee zeichnen will. Nach vier Tagen sind deutliche Fortschritte zu verzeichnen, welche bis im März verfeinert und über den Sommer vergessen werden, damit sich die Kursteilnahme im kommenden Winter auch sportlich begründen lässt. Gesellschaftlich ist sie ohnehin rundum ein Spass, auf den man sich freut, so bald man die Ski aus dem Keller holt. „Ich war letztes Jahr zum ersten mal dabei und habe einige nette Leute kennengelernt,“ sagt eine Teilnehmerin, „daher komme ich auch nächstes Jahr wieder." Fast möchte man meinen, Skikurs macht süchtig, einmal dabei - immer dabei.

Statt Zwangsurlaub und Lohnausfall

Am Schlepplift lässt sich jeweils ein bisschen plaudern: über Erlebtes im vergangenen Jahr, über die Enkel oder die Neuheiten in der Gegend. Oder auch mal über schwere Zeiten für Skilehrerinnen vom internationalen Sportort nebenan: Eine junge Frau, auf dem Snowboard noch etwas unsicher, klagt über zwei Wochen Zwangsferien ohne Job und ohne Lohn, weil ihre Skischule die wenigen anfallenden Lektionen in der Zwischensaison den billigeren Kollegen ohne Diplom zugewiesen habe. „So habe ich mir meinen Job nicht vorgestellt,“ klagt sie - die gute Idee der Tschappiner bewundernd. Eine Umstellung sei es schon, meinte Skilehrer Daniel, wenn man statt eine Gruppe Kinder sechs bis acht Leute im Grossvater und Grossmutteralter zu unterweisen habe.Mit 86 Jahren... Immerhin ist der älteste, aber gar nicht der langsamste Teilnehmer 86jährig (Bild: Noldi im Schuss), die jüngste auch bereits im 60. Altersjahr.

Auch Freerides im Pulverschnee

Mangelnde Motivation sei jedoch nicht zu beklagen – alle bemühen sich, die theoretischen Hinweise gleich umzusetzen, der Spur des Instruktors so präzis wie möglich zu folgen oder beim üben im Tiefschnee möglichst nahe an jene Schlangenlinien heranzukommen, welche man in unberührten Hängen so bewundert – so lange bis man auch mal auf die Nase oder eben tief in den weichen Schnee stürzt.  Viel Pisten für WenigeAls Glückstag für den diesjährigen Seniorskikurs geht der Freitag der 13. in die Annalen ein. Erstens war besseres Wetter als die Wetterfrösche vorausgesagt hatten, zweitens ging die Kurswoche (Bild: Viel Raum zum üben) ohne den kleinsten Unfall zu ende und drittens bekamen die Seniorinnen und Senioren nach dem obligaten Abschlussrennen einen kurzen aber heftigen Nachmittag mit diversen Rangverkündigungen und mehr oder weniger seriösen Informationen geboten. Weil die Skilehrer nicht genau wussten, wie lange es den Kurs denn gebe, ging eine Teilnehmerin der frühen Jahre ihre Haushaltbücher durch und fand 1996 den ersten Eintrag für die Kosten. Präzis 700 Jahre länger gibt es eine Nennung für Tschappina zum ersten Mal: Laut historischem Lexikon der Schweiz wird die Walsersiedlung 1396 in einer Urkunde erwähnt , welche im Archiv der Thurn und Taxis in Regensburg liegt. Recherchiert hat das einer der ständigen Kursteilnehmer an den skischulfreien Nachmittagen. 

Es geht um die Differenz

Die Skiregion Tschappina am Heinzenberg gehört zu den kleinen, bescheidenen Gebieten. Nur Schlepplifte bis auf knapp 2200 Meter gibt es für die 25 Pistenkilometer. Dafür sind sie perfekt präpariert. Jeder Skiklasse ihr Abschlussrennen, bei den Seniorinnen und Senioren geht es freilich nicht um den ersten Podestplatz, rangliste studierendas überlassen sie den Buben und Mädchen vom hiesigen Skiclub Beverin. Dennoch wird wacker um die Torstangen eines Riesenslaloms (Bild: Skilehrer mit Rangliste) gekurvt: Hier wird der schnellste Beveringrufti ermittelt, wie der Wanderpreis nach dem Hausberg Piz Beverin heisst. Gefahren wurde um die Differenz zu einer schnelleren und einer langsameren Fahrt zweier Skilehrer. Aber auch die absolute Zeit wurde gemessen – einige wollten wissen, wo sie skifahrerisch stehen, auch wenn der Ehrgeiz höchstens gegen sich selber gerichtet ist. Schliesslich wurden die Differenzränge verkündet und alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit einer Medaille ausgezeichnet. Eine spezielle Rangliste gab es für die Holländer, am schnellsten war ein langjähriger Feriengast am Heinzenberg, nämlich der Jan (Bild) – Applaus und Gelächter denn er war auch der einzige Holländer im Kurs, immerhin Viertschnellster von allen.. 

Frauenpower macht Freude

Dann kam Spannung auf: Wer bekommt diesmal den Wanderpreis mit dem Bergkristall? Das Reglement ist komplex aber gerecht, auch wenn es jederzeit abgeändert werden könnte. Die Formel lautet: Altersjahre plus Teilnahmejahre mal zwei minus Rang beim Differenzrennen, ehemalige Preisträger werden so verjüngt, dass ihre Chancen nahe bei Null sind und bleiben. So ist der schnellste Beveringrufti (Bild unten:Siegerin im Zielhang) erstmals weiblich: Sylvia, welche bei der fast showgerechten Verleihung durch eine Art Hansi Hinterseer die Assistentin spielte und die Umschläge mit dem geheimen Namen mit Charme aus ihrem Jäckchen zog, staunte nicht schlecht, als der Showmaster ihr den Kristall verlieh.Die Siegesfahrt Kurz und gut: auch für Senioren kann ein Brush up, wenn man ihn nicht als Privatlektion bucht, sondern mit vielen anderen, zum Teil Bekannten von der Piste geniesst. Bei maximal acht Skifahrern je Gruppe besteht die Gewähr, dass der Skilehrer seine Aufmerksamkeit jedem und jeder zuwenden kann, ohne dass sich der Rest der Gruppe langweilt.

 

www.heinzenberg-wintersport.ch

www.schneesportschule-tschappina.ch


 

Kommentare

Bild des Benutzers Heidiklaus

Carving für Senioren

halli hallo  ...

da schliess ich mich voll und ganz  dem vorherigen Kommentator an. Wenn man daaaas gewusst hätte ... das wäre super gewesen.

Vielleicht wird man das nächste Jahr früher informiert  :-)

Grüessli Heidi

 

 

Bild des Benutzers jipégé

toll, aber ...!

... könntest Du dies nächstes Jahr VORankündigen, bitte - nicht nur hinterher berichten !

Dadurch hätten auch Seniorwebler des Rest's der Welt die Chance mitzumachen.

Jean-Pierre