Doch ein Blick in den Wertschriftendepotauszug zeigt ohne Wenn und Aber, dass dies nicht immer gelingt. Im Depot türmen sich Verlustpositionen an. Das muss und darf nicht sein.
Viele Anlegerinnen und Anleger überprüfen ihre Wertschriftenpositionen meistens etwas intensiver, wenn sie den Depotauszug per Ende Jahr erhalten. Man vergleicht den Totalwert der Anlagen mit demjenigen des Vorjahres und ist überrascht, dass heute weniger Geld vorhanden ist als vor einem Jahr. Selbstverständlich ist es sehr schwierig, in schlechten Börsenjahren, wie dies 2011 war, eine positive Rendite zu erwirtschaften.
Nicht nur ärgert man sich, dass das gesamte Anlagevermögen abgenommen hat. Man ist auch unzufrieden, dass man Titel im Depot hat, die seit längerer Zeit nicht vom Fleck kommen, sondern sich im Gegenteil sehr schlecht entwickelt haben.
Aber wahrscheinlich hätte der eine oder andere Verlust nicht sein müssen, wenn man einige wenige Grundregeln beachtet hätte. Wir zeigen Ihnen, wie Sie es in diesem Jahr besser machen können.
Was mit Verliereraktien tun?
In vielen Depots sind Positionen zu finden, die gegenüber dem Kaufpreis 50% und mehr verloren haben. Das darf nicht sein! Viele Anleger/innen lehnen es kategorisch ab, Verluste zu realisieren (sogenannte Verlustaversion). Ein Verkauf wird immer wieder aufgeschoben. Verständlich, denn es macht viel mehr Freude, einen (kleinen) Gewinn zu realisieren als einen Verlust. Man hält bedingungslos an den Verlierern fest und hofft auf bessere Zeiten.
Es kann jedoch sinnvoll sein, sich nach eingehender Analyse eines Wertpapiers von ihm zu trennen – auch mit Verlust. Der grosse Vorteil: Man muss sich dann nicht mehr damit beschäftigen und hat den Kopf frei für neue, besser rentierende Geldanlagen.
Tipp: Beurteilen Sie Verlierer in Ihrem Depot rational und stellen sich die Frage: "Würde ich diesen Titel heute kaufen, wenn ich ihn noch nicht hätte?". Die Antwort entscheidet, ob Sie verkaufen oder die Position behalten sollen.
Stoploss-Aufträge: Pro und Kontra
Stoploss bedeutet übersetzt sinngemäss Verluststopp oder Verlustbegrenzung. Bereits im Zeitpunkt des Kaufes eines Wertpapiers entscheidet man, welchen Verlust man maximal akzeptieren möchte. Fällt der Kurs nun wider Erwarten um z.B. 20%, so verkauft man mit Verlust.
Nun ist der Einsatz von Stoploss-Aufträgen in der Praxis nicht immer einfach. Vor allem Gegner dieser Strategie kritisieren, dass immer die Gefahr besteht, dass ein Titel fällt, man verkauft und der Kurs anschliessend wieder kräftig steigt. Da man die Titel jedoch verkauft habe, könne man vom Kursanstieg nicht mehr profitieren. Befürworter wie auch Gegner von Stoploss-Aufträgen können genügend Beispiele zu ihren Gunsten aufzeigen. Bei Verlusten von 50% und mehr gehen jedoch auch den Gegnern die Argumente aus.
Tipp: Prüfen Sie Ihr Depot auf Positionen, in denen ein Stoploss sinnvoll gewesen wäre. Wenn Sie keine finden können, haben Sie vieles richtig gemacht. Wenn nicht, dann sind Stoploss-Aufträge künftig sicherlich prüfenswert.
Sichere Obligationen?
Obligationen galten noch bis vor einiger Zeit als sichere Anlagen, die dem Wertschriftendepot eine gewisse Stabilität gaben. Als Folge der Finanz- und Schuldenkrise hat diese Aussage heute nur noch bedingt Gültigkeit. Auch das extrem tiefe Zinsniveau lässt Obligationen als wenig attraktiv erscheinen. Trotzdem gehören Obligationen nach wie vor zu den Grundpfeilern der Geldanlagen.
Viele Obligationen haben in den vergangenen zwölf Monaten ebenfalls massiv an Wert verloren. Betroffen sind Unternehmensanleihen wie auch Staatsanleihen. Auch diese Entwicklung zeigt Ihnen der Depotauszug ohne Wenn und Aber auf. Umso wichtiger ist es, eine genaue Überprüfung der Positionen im Wertschriftendepot vorzunehmen.
Tipp: Überprüfen Sie die Schuldnerqualität Ihrer Obligationen. Hilfreiche Informationen zum Vorgehen finden Sie in der SW Magazine Story vom 09.11.2011 "Trau, schau, wem? Den Staaten" (Link: http://www.seniorweb.ch/type/magazine-story/2011-11-02-trau-schau-wem-de...).
Hier finden Sie Hilfe
Es kann auch empfehlenswert sein, sich von Ihrer Bankberaterin oder Ihrem Bankberater oder einer unabhängigen Fachperson beraten zu lassen. Sie sind in der Lage, Ihr Depot ohne Emotionen und persönliche Präferenzen zu beurteilen, was bei vielen Privatpersonen nicht möglich ist.
Tipp: Geben Sie sich bei einem Beratungsgespräch jedoch nicht mit Floskeln, wie "Behalten Sie das Wertpapier, der Kurs wird schon wieder steigen" zufrieden. Fragen Sie nach, aus welchem Grund eine Position noch gehalten werden soll. Nur wenn Sie die Argumente überzeugen, nehmen Sie keine Änderungen vor.
Hanspeter Schreiber, lic. iur.
Geldexperte www.boerse-live.ch
|
|
Twittern |