Kommissar Matthäi geht nach Jordanien, um dort als Polizeiberater zu arbeiten. Da kommt plötzlich ein Anruf: Die Leiche eines kleinen Mädchens ist gefunden worden. Seine Kollegen haben den mutmasslichen Täter gefunden, doch der bringt sich nach seinem Geständnis um. Matthäi glaubt nicht an dessen Schuld, und hat den Eltern des Mädchens das Versprechen gegeben, den wahren Täter zu finden. Er lässt den Job in Jordanien sausen, wird vertragsbrüchig, verliert seine Stelle und ermittelt privat weiter, überzeugt von dem Gedanken, dass der Mörder noch frei herumläuft. Die Suche wird zur Obsession, die ihn psychisch in den Wahnsinn treibt und schliesslich dazu führt, ein kleines Mädchen als Köder zu benutzen, um den Schuldigen zu stellen. Er übernimmt eine Tankstelle, eine, die an der Strasse liegt, die der Mörder vermutlich nehmen muss. Er geht noch viel weiter und engagiert eine mehr oder weniger ehemalige Prostituierte, die ein Kind hat, das genauso so aussieht wie Lilly Moser. Dann legt er sich auf die Lauer…
Eine neue Dramatisierung
Friedrich Dürrenmatt schrieb „Das Versprechen“ 1958 als „Requiem auf den Kriminalroman“ und die Jungregisseurin Daniela Löffner hat für die Zürcher Aufführung eine neue Dramatisierung geschrieben, die das Geschehen ohne Zeitbezug temporeich umsetzt. Die Schauspieler stehen ununterbrochen auf der Bühne, schlüpfen in unterschiedliche Rollen und Kostüme und dekorieren die Spielfläche mit einfachen Requisiten neu. Da wird mit einem Gartenschlauch ein Bach erzeugt, an dem das Mädchen Annemarie dem Mörder als Köder ausgesetzt wird. Doch der kommt nicht, weil er in einem Autounfall umgekommen ist. Der Mörder wurde von einer unberechenbaren Kraft, dem Zufall gerichtet.
Hervorragende Besetzung: Anna-Lou Caprez-Gehrig, Julia Kreusch und Markus Scheumann. (Bilder: Toni Suter / T+T Fotografie)
Zu Beginn steht das Mädchen Lilly allein auf der Bühne, flicht geduldig seine Zöpfe, zerreisst den gelb-schwarzen Rock, beschmiert sich mit Blut und legt sich als Opfer ins Laub. Vom Hausierer von Gunten entdeckt, beginnt die Ermittlung der Polizei und damit die seelische Deformation des Kommissars Matthäi, der besessen ist von seiner Mission, den Täter zu finden. Das gleiche Mädchen dominiert den Schluss, als Lockvogel Annemarie, am Bach spielend und penetrant ein Liedchen singend, bis der hinter Gebüschen wartenden Polizei der Geduldsfaden reisst und sie schimpfend und gewalttätig über das Mädchen herfällt. In der Inszenierung von Daniela Löffner werden die Gerechtigkeit suchenden Ermittler selbst zu Schuldigen gemacht. Da verblasst Matthäis Schuld etwas, ein unschuldiges Mädchen für seine Fahndung „missbraucht“ zu haben.
Durchwegs hervorragendes Spiel
Beklemmend ist das Bühnenbild von Claudia Kalinski, eine mit Aluminiumfolien überzogene Bergwelt. Ein glitzerndes Alpenpanorama, das dem düsteren Geschehen auf der Bühne eine besondere Note (sowohl Spiegel als auch Bedrohung) verleiht. Zügig und nachvollziehbar entwickelt sich das Stück vor den Augen der Zuschauer, schockierend und unterhaltend zugleich. Gespielt wird durchwegs hervorragend: sehr anrührend, wenn Anna-Lou Caprez-Gehrig die beiden Mädchen Lilly und Annemarie spielt. Sie zeigt eine reife Leistung für ein zehnjähriges Kind, das in dieser ernsten Geschichte zwei naive Mädchen mimen muss. Markus Scheumann spielt den Kommissar Matthäi, der an seiner Wahnidee fast verzweifelt, scheinbar unspektakulär. Doch die unterschwellige Spannung eines Getriebenen ist jederzeit spürbar. Nicht minder überzeugen die übrigen Spieler: Jirka Zett als artikulatorisch behinderter Hausierer von Gunten und als psychopatischer Albert, der von seiner Frau (temperamentvoll gespielt von Isabelle Menke) wie ein Kind behandelt wird, Milian Zerzawy als brutal-repressiver Polizist Henzi, Nicolas Rosat als wankelmütiger Kommandant und Julia Kreusch als betroffene Mutter von Lilly, die dem Kommissar Matthäi das folgenschwere Versprechen abluchst. Das Premierenpublikum war sehr angetan von der eigenwilligen Inszenierung und bedankte sich mit kräftigem Applaus.
Weitere Spieldaten: 6., 10., 15., 16., 27. Febraur, 3., 6., 18., 30. März, jeweils 20 Uhr, 26. Februar und 18. März, jeweils 15 Uhr.
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