Bild: Antoni Tàpies in der Fundació IDIBELL, Februar 2008
Quelle Flickr/Wikimedia - Urheber canalhub.fotos
Vor wenigen Tagen starb in Barcelona Antoni Tàpies. Tàpies hat auch in der Schweiz Spuren hinterlassen. Unvergessen sind die Kulturkämpfe, die er in den 70er Jahren mit seinem Kunstwerk im Stadttheater St. Gallen auslöste. Blutige Stoffe hängte er dem Premierenpublikum über den Kopf! Und dieses wollte das Schandmal im neuen Theater so rasch als möglich wieder weg haben. Der damalige Stadtpräsident sprach ein mutiges Machtwort und ihm ist es zu verdanken, dass Tàpies Kunstwerk hängen blieb. Heiterer ist die Geschichte um das Kunstwerk in der ursprünglichen Bibliothek der Uni St. Gallen. Tàpies schuf in seinen Kunstwerken immer gern Strukturen. Auch dort wollte er unbedingt ein Tuch ins Werk einbauen. Niemand hatte ein solches zur Hand und alle, Rektor, Architekt, Kunstpräsident, waren am Verzweifeln. Galerist Franz Larese, ein Praktiker, fuhr mit Tapies kurzerhand zur Epa am St. Galler Marktplatz und kaufte ihm eine billige Wolldecke. Tàpies war glücklich, färbte die Decke schwarz ein und das Tuch wurde zum bleibenden Wandschmuck.
Anfang der 80er Jahre war Tàpies oft in St. Gallen und arbeitete in der Lithoanstalt der damals international renommierten Erker-Presse. Als Journalist hatte ich die Möglichkeit, Künstlern beim Arbeiten zuzuschauen. Im Lauf eines Vormittags verwickelte ich sie jeweils in ein Gespräch. Später verfasste ich einen Text über die Begegnung. So traf ich auch Tàpies, der gerade an einer Lithoserie arbeitete. Er hatte gerade eine neues Verfahren ausgetüftelt, das er an diesem Tag zum ersten Mal austestete. Über den Lithostein legte er ein Nylontuch, das er vorher ordentlich zerknüllt hatte. Aus einer Spraydose spritze er dann von der Seite her schwarze Farbe über das Tuch. Die Struktur, die dadurch entstand, übertrug sich auf den Stein. Diese filigranen, diffusen Bilder, die ganz im Gegensatz standen, zu seinen sonst kraftvollen Farben und Formen, hat die ganze Lithoserie geprägt.
Jedenfalls erzählte Tàpies im Lauf des Vormittags zwischen vielen Pausen, in welchen er sich nicht von der Arbeit ablenken liess, von den Freiheitskämpfen in Spanien, an denen er beteiligt war: gegen das Franco-Regime und für die Rechte der Katalanen. Da ging es um Recht und Gerechtigkeit, um Leben und Tod. In Erinnerung geblieben ist mir ein Künstler, der fest aus einer gesellschaftlichen Position und Haltung heraus lebte. Er, sonst ein eher stiller Mensch, erzählte plötzlich packend und liess diese Erlebnisse zeitlebens prägend in seine Kunst einfliessen.
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Es ist schön, wenn sich ein Mitglied des Verwaltungsrates spontan mit einem kompetenten, engagierten und auf persönlichen Erfahrungen beruhenden Beitrag zum Tode des Künstlers Antoni Tàpies meldet - was zusätzlich für ein gutes Firmenklima bei Seniorweb spricht. Herzlichen Dank und bis bald!