03.09.2018 - Redaktion Seniorin

«Engagieren statt Jammern»

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Wie aus dem Nichts ist die Schweizerische Politik in Bewegung geraten. Die traditionellen Parteien werden von einer neuen Bewegung herausgefordert. Waren es früher der Landesring mit Gottlieb Duttweiler, die Republikaner mit James Schwarzenbach, ist es jetzt die Operation Libero mit Flavia Kleiner, welche erfolgreich die Politbühne betreten hat. Die Redaktion hat Flavia Kleiner gebeten, zum Schwerpunktthema dieser Ausgabe «Engagement» den Leitartikel ganz aus ihrer Sicht zu verfassen.
 
Liebe Leserinnen und Leser

Wissen Sie noch, wie Sie sich am 14. Februar 2014 gefühlt haben? Ich weiss es noch genau: Ich sass damals fassungslos auf dem Sofa, war konsterniert, wütend. Soeben wurde die Massen­einwanderungsinitiative angenommen, ein Bruch zu meinem liberalen Selbstverständnis der Schweiz. Ich befand mich in Schockstarre. «Jammere nicht Flavia, engagier dich», sagte ich zu mir – und traf damit für mich selbst eine folgenschwere Entscheidung. Ich begann mich zu engagieren. Was die Kon­sequenzen davon sein und wie sich mein Leben um­krempeln würde, davon hatte ich freilich noch keine Ahnung. 

Vielen Leuten in meinem Umfeld ging es gleich. Acht Monate später sass ich – das erste Mal überhaupt in meinem Leben – vor versammelter Journalisten-Schar und stellte gemeinsam mit einer Hand voll Freunden die Operation Libero vor. Heute ist aus dieser Schar von Freunden eine schweizweite Bewegung geworden, mit tausenden von Freiwilligen, einer Geschäftsstelle und Teams in mehreren Städten. Eine Bewegung, die sich bei Abstimmungen erfolgreich für das Chancenland Schweiz einsetzt. Unter anderem ­unser Engagement gegen die Durchsetzungsinitiative, für die Erleichterte Einbürgerung und gegen No Billag hat Operation Libero einer breiten Öffentlichkeit ­bekannt gemacht. Wir wollen eine offene, liberale ­Politik in der Schweiz. Wir wollen eine Schweiz der Chancen und kein Freilichtmuseum. Wir wollen das Chancenland des 21. Jahrhunderts bauen. Wir setzen die Idee der Freiheit und die Verantwortung des Individuums ins Zentrum. 

Diese Bewegung wäre ohne Engagement nicht möglich. Sie lebt vom Herzblut jeder und jedes einzelnen. Wir haben von Beginn an darauf gesetzt, dass man sich bei uns sehr einfach engagieren kann, vor allem auch online. Oft wird gesagt, die jungen Menschen enga­gieren sich weniger. Ich erlebe in meinem Umfeld das Gegenteil. Viele engagieren sich einfach anders: Statt auf der Strasse zu flyern, diskutieren einige beispielsweise lieber in den Sozialen Medien und ver­suchen dort, Fakten in die Abstimmungen zu bringen. 

Egal ob nun auf der Strasse oder im Internet: All diese Menschen bei der Operation Libero haben sich dazu entschieden, nicht mehr still sitzen zu wollen, sondern etwas zu tun, etwas zu verändern. Nicht zu jammern, sondern sich zu engagieren. Und sie sind damit nicht allein: Die Schweiz baut auf das Engagement seiner Einwohnerinnen und Einwohner. Ein Viertel ist in Vereinen organisiert, noch weitaus mehr engagieren sich in informelleren Strukturen und rund 70 Prozent spenden für gemeinnützige Zwecke. 

Die Wahrscheinlichkeit ist also gross, dass Sie, liebe Leserinnen und Leser, genau wissen von was ich hier schreibe, was es bedeutet, Freiwilligenarbeit zu ­leisten, Engagement zu leisten. Sie wissen, was es heisst, tausende von Stunden für eine Sache, aufzuwenden die Ihnen am Herzen liegt, für Menschen, die Ihnen etwas bedeuten, für Ideen, die Sie verwirklichen wollen. Sie wissen, was das einem selbst gibt. Und Sie wissen auch, wie mühsam und kräftezehrend das gleichzeitig sein kann. 

Es wäre ein leichtes, hier nur über die Sonnenseiten von Freiwilligenarbeit zu Schreiben. Doch wir alle wissen es besser: Sich für etwas zu engagieren bedeutet, mit dem Herzen und voller Überzeugung dabei zu sein. Und wenn einem etwas wichtig ist, leidet man eben auch mit. Engagement ist kein Job. Man kann es nicht einfach an der Schwelle des Büros abstreifen, ­bevor man in den Feierabend geht. So ist es auch bei der Bewegung Operation Libero, die mich manchmal abends nicht einschlafen lässt, von der ich aber wiederum beim nächsten Abendessen wieder voller Begeisterung erzähle. Es ist dieses Engagement, welches heute Zeit frisst, zukünftig aber Teil der Geschichten sein wird, die ich meinen allfälligen Enkelkindern mit Stolz ­erzählen werde.

Jede und jeder von Ihnen wird eine andere Geschichte zu erzählen haben. Jede und jeder ein anderes Datum, einen anderen «14. Februar», der Sie dazu bewogen hat, sich für eine Sache zu engagieren. Vor jedem dieser Engagements ziehe ich meinen Hut und sage «Merci»! Engagement ist keine Tätigkeit, es ist eine ­Lebenseinstellung. Die Schweiz baut darauf.

 

Flavia Kleiner

Flavia Kleiner (28) ist Co-Präsidentin und Mitbegründerin der politischen Bewegung Operation Libero. Ihre Arbeit konzentriert sich auf die Zukunft der ­Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, den gegenwärtigen Aufstieg des Rechtspopulismus und zivilgesellschaftliches Engagement.
Ihre Bewegung Operation Libero gewann in der Schweiz im Jahr 2016 an nationaler Bedeutung, als sie erfolgreich gegen die so genannte «Durchsetzungsinitiative» der Schweizer Volkspartei (SVP) kämpfte. Die Initiative, für die anfangs eine deutliche Annahme durch das Stimmvolk prognostiziert wurde, ist am Ende deutlich abgelehnt worden, ­wobei sich die Operation Libero mit ihrer Kampagne für die Grundprinzipien der Schweizer Demokratie und Rechtsstaatlichkeit einsetzte.
Sie hat einen Bachelor in Zeitgeschichte und Recht von der Universität Freiburg und verbrachte ein Austauschjahr an der Hebräischen Universität Jerusalem. Sie lebt in Zürich.

 

Gastautor: 
Redaktion Seniorin

Kommentare

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