Innovage Zürich
01.11.2018 - Innovage Zürich

Austausch mit Gleichgesinnten

Seit über 8 Jahren ist Peter Gafner (76) für das Innovage Netzwerk Zürich tätig. In dieser Zeit hat er rund ein Dutzend Projekte bearbeitet.

 

In loser Folge stellen wir Beraterinnen und Berater des Innovage Netzwerk Zürich vor, befragen sie nach ihrer Motivation für das selbstbestimmte Engagement und nach ihren Erfahrungen. Den Anfang macht Peter Gafner, dipl. Bauingenieur ETH:
 

Was hat Dich bewogen, bei Innovage mitzumachen?

Ich hatte das Bedürfnis, nach meiner Pensionierung auch weiterhin geistig aktiv zu bleiben und neue Gebiete ausserhalb meines beruflichen Spektrums kennen zu lernen. Innovage bot mir die Gelegenheit, in einer freiwilligen Tätigkeit Erfahrungen mit gleichgesinnten Kollegen und Kolleginnen auszutauschen und mein Wissen im Rahmen konkreter Projekte zugunsten gemeinnütziger Organisationen einzusetzen.
 

Welche Lebens- und Berufserfahrung kannst Du bei Innovage einbringen?

Bei Innovage will ich in erster Linie meine Kompetenz im Projektmanagement und in konzeptionell-strategischen Fragen einbringen. In den bisherigen Projekten hat sich gezeigt, dass unsere Partner den fachlichen Bereich gut abdecken können, jedoch in organisatorischen und konzeptionellen Fragen teilweise überfordert sind und Unterstützung benötigen. Zudem kann ich von meiner langjährigen Berufserfahrung in der Entwicklungszusammenarbeit sowie als Vorstandsmitglied in einem gemeinnützigen Verein profitieren. Sie gestattet mir, die Probleme aus einer anderen Perspektive als derjenigen der Privatwirtschaft zu betrachten und meine Herangehensweise entsprechend anzupassen. Nicht zuletzt hilft mir meine berufliche Auslanderfahrung in Projekten, wo die interkulturelle Komponente eine Rolle spielt.

Peter Gafner an der Netzwerksitzung zusammen mit Urs Casparis (links).
 

Was überzeugt Dich an der Idee von Innovage?

An der Idee von Innovage überzeugt mich insbesondere die zukunftsweisende Umsetzung der Freiwilligenarbeit, indem der Erfahrungsschatz der älteren Generation im Rahmen konkreter Projekte an die heutige Zivilgesellschaft weitergegeben wird, welche zumeist von der jüngeren Generation geprägt wird.
 

Welche Projekte hast Du schon begleitet und welche Erfahrungen hast Du gemacht?

Ich habe in meiner achtjährigen Tätigkeit bei Innovage rund ein Dutzend Projekte bearbeitet. Bei einfacheren Fragestellungen agierte ich als Einzelberater, in komplexeren Projekten formierten wir uns als Zweier- und in einzelnen Fällen als Dreierteam. In fast allen Projekten stand die Weiterentwicklung der Partnerorganisation sowie deren Überleben infolge finanzieller Engpässe im Vordergrund. Dies hatte zur Folge, dass oft sämtliche Unternehmensbereiche wie Personal, Organisationsstruktur, Mittelbeschaffung, Finanzen und Marketing einer genaueren Analyse unterzogen werden mussten. Die meisten Projekte beschränkten sich auf die Analysephase, da die gemeinsam erarbeiteten Vorschläge entweder erst später oder ohne Mitwirkung von Innovage umgesetzt wurden. Dies ist leider bei Beratungsmandaten oft der Fall. Trotzdem sollten wir versuchen, stärker in die Umsetzung der Projekte einbezogen zu werden, da nur auf diese Weise der spätere Erfolg der vorgeschlagenen Massnahmen beurteilt werden kann.
 

Wie erlebst und beurteilst Du die Zusammenarbeit in der Projektarbeit?

Ich erlebte die Zusammenarbeit innerhalb des Innovage-Projektteams insgesamt als zielorientiert und bereichernd. Jeder konnte sein spezifisches Wissen und seine Kompetenzen zur Geltung bringen. Natürlich war es im Hinblick auf ein gemeinsames Auftreten gegenüber dem Partner manchmal notwendig, die zum Teil unterschiedlichen Meinungen vorgängig abzustimmen. Die Zusammenarbeit mit den jeweiligen Partnern verlief unterschiedlich. Einige Partner waren eher zurückhaltend im Einbringen ihrer Sichtweise und in der Formulierung eigener Lösungsvorschläge. Andere wiederum waren sehr engagiert und trugen wesentlich zum Erfolg der Projekte bei.
 

Welche Erkenntnisse ziehst Du aus Deinem selbstbestimmten Engagement bei Innovage?

Mein bisheriges Engagement bei Innovage verschaffte mir grosse Befriedigung, da es mir das Gefühl vermittelte, noch immer am Puls der Zeit und lernfähig zu sein. Ich wurde mit den unterschiedlichsten Fragestellungen konfrontiert, was mich dazu anspornte, mich in neue Bereiche einzuarbeiten. Meinem Naturell entsprechend war ich eher an der Projektarbeit als an der Vereinsarbeit interessiert, obwohl auch diese eine notwendige Voraussetzung für das reibungslose Funktionieren und die Weiterentwicklung unseres Netzwerkes ist. Manchmal hatte ich jedoch das Gefühl, dass sich im Verlauf der Jahre eine zunehmende „Bürokratie“ eingeschlichen hat. Diese sollte nicht überhandnehmen, damit das freiwillige Engagement nicht gelähmt wird. Der Austausch mit anderen Netzwerken war in den von mir bearbeiteten Projekten minimal. Es scheint, dass die Projektarbeit vorwiegend im Rahmen der eigenen Netzwerke abgewickelt wird.
 

Was möchtest Du Innovage für die Zukunft mit auf den Weg geben?

Ich hoffe, dass Innovage als Ganzes auch in Zukunft seine schlanken und föderalen Strukturen beibehält. Eine zu starke Zentralisierung mit entsprechenden bürokratischen Auswüchsen kann dem Vereinsleben nur abträglich sein. Die heutigen Strukturen müssen beweisen, dass sie auch in einer Zeit überlebensfähig sind, wenn sich die heutigen Sponsoren zurückziehen werden und Innovage auf eigene Beine gestellt sein wird.

 

Steckbrief

Vorname/Name: Peter Gafner

Alter: 76 Jahre

Bisheriger Beruf und/oder Haupttätigkeit: Dipl. Bauingenieur ETH

Mein wichtigstes Hobby: Geschichte und fremde Kulturen, Reisen abseits des Mainstreams

Gastautor: 
Innovage Zürich
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