Rüeblistamm
19.04.2015 - Duri Danuser

Geld. Jenseits von Gut und Böse

 

 

Ausstellung Stapferhaus Lenzburg:

Das Thema Geld im Fokus!

Es war ein herrlich warmer Frühlingstag, nämlich der Dienstag, 14. April 2015, als eine gutgelaunte, über 20 Personen zählende Rüeblistammfamilie, wiederum in die schöne Schloss-Stadt Lenzburg pilgerte. Aber dieses Mal war nicht der Gefängnisalltag das Ziel (Ausstellung „Leben im Fünfstern“), sondern die vielen Ansichten und Glaubensbekenntnisse rund um das liebe Geld.

Wie üblich: zuerst etwas für den Gaumen.

Also, Einkehr zum gemeinsamen Mittagessen ins Café/Pizzeria „West“, wo alsbald für die hungrigen Rüeblistämmer tellergrosse Pizzas, Salatteller mit etwas gar überdimensionierten Pouletstreifen und knackige Fischknusperli mit Pom­mes aufgetischt wurden. Nach der obligaten Kaffeerunde dann aber zügiger Abmarsch ins das nahe gelegene Zeughausareal, das heisst dort wo das Stap­ferhaus Lenzburg jeweils ihre grossen Ausstellungen durchführt. Übrigens: Die Stiftung Stapferhaus hegt ambitiöse Neubaupläne für ein zeitgemässes Museum in Bahnhofnähe. Aber das viele Geld, welches dazu braucht, ist noch nicht ganz im trockenen.

Geld – jenseits von Gut und Böse

Das also der offizielle Titel der Ausstellung, welcher zum Ziel hat, viele Leute „gluschtig“ zu machen, sich während des Ausstellungsbesuches mit dem breiten und umfassenden Spektrum „Geld“ zu befassen und darüber nachzuden­ken. Als Einstieg in die schwergewichtige Thematik seien folgende Ausführun­gen zitiert:

Geld verleiht uns Flügel und legt uns in Fesseln. Es ist das Mass aller Dinge und doch nicht der Rede wert. Wir sparen es eisern und werfen es gleichwohl aus dem Fenster. Wir vergöttern und verfluchen es. Aus Geld kann alles werden. Wir haben es in der Hand.

Auf zur Debatte!

Die Ausstellung GELD lädt zu einer Debatte ein, die seit der Antike für heisse Köpfe sorgt – und heute brisanter geführt wird denn je: Was ist uns das Geld wert und welchen Preis zahlen wir dafür? Ist es gerecht verteilt (nach Meinung des Schreibenden ist es das nicht!), wieviel brauchen wir davon um glücklich zu sein? Ist es das Geld, das die Welt im Innersten zusammenhält? Die Besucherinnen und Besucher wandeln durch den Himmel auf Erden, schwimmen im Geld und geben ihr persönliches Credo ab. Am Ende stehen sie an der Kasse und bestimmen selbst, wieviel ihnen das Ausstellungerlebnis wert ist.

Mit Fachwissen, aber diskret durch die Ausstellung geführt

Der Besuch der Ausstellung „Geld“ war, wie bei den Rüeblistamm-Anlässen üblich, mit einer Führung verbunden. Diese Aufgabe wurde von einer jungen Dame namens Yannette (so geschrieben auf dem Namensschild) durchgeführt, welche uns kompetent und mit vielen Hintergrundinformationen versorgte. Yannette führte uns anschliessend durch die verschiedenen Ausstellungsstationen, wo sie aber in Sachen Informationen Diskretion walten liess, damit wir uns über die schwergewichtige Thematik unsere eigenen Gedanken machen konn­ten. Dieser „Freiraum“ wurde dann sicher auch rege genutzt. Nachfolgend nun die verschiedenen Ausstellungsstationen:

Jenseits

Eine Himmelstreppe führt in den Dachstock des Zeughauses. In einer utopischen Welt fliessen nicht Milch und Honig, sondern Geld.

Propheten (Aristoteles/Voltaire/Adam Smith/Thomas Aquin/Martin Luther/Cicero)

Ein Streit zwischen grossen Denkern über Gott, Geiz und Gier zeigt: Über den Stellenwert des Geldes wird seit Jahrtausenden gestritten. Meinung: Man musste gut aufpassen um dem Streitgespräch folgen zu können!

Bekenntnis

An einer Befragungsstation werden die Besucherinnen und Besucher zu ihrem persönlichen Umgang mit Geld befragt. Wie viel ist genug? Was macht glücklich? Hat alles seinen Preis?

Wertmassstab

Geld dient als universeller Wertmassstab. Mit Geld wird alles vergleichbar. Eine Flasche Wein mit einem Quadratmeter Kantonsstrasse. Alles hat seinen Preis. 15 Gegenstände regen an, über Beziehung von Preis und Wert nachzudenken.

Freiheit und Sicherheit

Wie viel verdient der Pizzakurier im Vergleich zur Bundesrätin? Wie haben sich die Haushaltausgaben im Laufe der Zeit verändert? Meterhohe Säulen im Raum regen an, über die Verteilung des Geldes nachzudenken.

Glaubenssache

Geld ist Glaubenssache: Jede Form von Geld existiert nur so lange, wie wir an ihren Wert glauben. Ein Ring von 10 Gegenständen aus verschiedenen Zeiten und von verschiedenen Orten zeigt diese exemplarisch. In der Mitte der kreisförmigen Installation gibt die Gestalterin der neuen Schweizer Banknoten, Ma­nuela Pfrunder, Einblick in ihre Arbeit. Hochinteressant!

Wohlstandsmass

Das Bruttoinlandprodukt ist die zentrale Kennzahl unserer Wirtschaft und der Kompass der Politik. Das Wirtschaftswachstum wird beinahe mit religiösem Ei­fer verfolgt. Die Wirtschaft wächst, solange wir an die Zukunft glauben. 

Offenbarung

Die letzte Besucherstation sorgte schon vor der Ausstellungs-Eröffnung für viel Gesprächsstoff und Spannung. Baden im Geld wurde vorausgesagt, aber sich allzu viel vorstellen wie das geht, konnte man sich noch nicht. Also, wie badet man denn wirklich im Geld? In einem abgedunkelten, grösseren Raum, sind vier Millionen (!) Fünfermünzen auf dem Boden zu einem richtigen Geldteppich verstreut. So etwas erlebt man nun wirklich nicht alle Tage! Jeweils 25 Besuche­rinnen und Besucher können sich hier (mit Plastikschutz an den Schuhen!) lie­gend, sitzend auf einem kleinen Stuhl, oder sonst wie „verlustieren“. Der Auf­enthalt in diesem, fast etwas sakral anmutenden Raum, ist auf 15 Minuten be­schränkt. Während dieser Zeit findet eine meditative Befragung statt, wie was bedeutet mir Geld? Freiheit oder Sicherheit?. Erfolg oder Macht? Lebendigkeit oder Unabhängigkeit? Was machen Sie mit Geld? Und was macht das Geld mit Ihnen?

Ja, gute und tiefschürfende Fragen, über welche man gar nicht allzu spontan Antworten geben kann. Zeit also, den Kopf mit den vielen Eindrücken und Gedanken etwas zu lüften.

 

Schlusspunkt in der Cafeteria

So gesehen war es sicher kein Nachteil, dass man sich dem Ende des Ausstellungsbesuches näherte. Individuell „pickte“ man sich noch diesen und jenen Ausstellungsgegenstand zu Gemüte, bevor sich die Rüeblistamm-Schar zum gemeinsamen Schlusstrunk in der Museums-Cafeteria traf.

Ein anspruchsvoller, aber sehr bereichernder Nachmittag fand so seinen erfreulichen Abschluss. Vielen Dank bei dieser Gelegenheit an Rita Staubli, welche diesen Anlass geplant und organisiert hat.

Organisation: Rita Staubli
Bericht: Duri Danuser
Fotos: Köbi Zimmermann

           

Kommentare

Das war wirklich wiederum ein äusserst interessanter Nachmittag, auf den ich mich schon lange gefreut hatte. Eigentlich sollte man die Ausstellung ein zweites Mal besuchen; vermutlich hätte man dann sogar noch mehr davon!

Vielen Dank jedoch Rita für die Organisation, Duri für den tollen Bericht und Köbi für seine aussagekräftigen Fotos!

Liselotte.

Das war ein sehr Lehrreicher Nachmittag: Jetzt weiss ich wie es wäre wenn man wirklich Reich wäre. :-)) Danke an die Organisatoren für diesen Nachmittag, und Danke für den interessanten Bericht.

Enrico

 

Auch ich danke Rita, Duri und Köbi ganz herzlich für Ihr Engagement betreffend diesem interessanten Nachmittag. Viele Eindrücke sind nachhaltig geblieben und geben immer wieder Diskussionsstoff. Die "Rüeblistämmler" erleben dank euch anregende und was nicht unerwähnt  bleiben soll, fröhliche Stunden.

Erika

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