19.11.2018 - Linus Baur

Gut vernetzt bis ins hohe Alter

Kategorie: 
Die digitale Vernetzung macht vor der älteren Generation nicht halt. Der Journalist und Gerontologe Beat Bühlmann begrüsst die neuen Formen der Vernetzung im Alter. Gleichzeitig wirbt er für mehr persönliche Begegnungen. Linus Baur traf für seniorin Beat Bühlmann in Luzern.
 

Beat Bühlmann leitete von 2012 bis 2016 das Projekt «Altern in Luzern». Ziel dieses Projekts war es, die ­Luzerner Alterspolitik partizipativ, generationenübergreifend und quartiernah zu gestalten. Realisiert wurden zahlreiche Projekte und Veranstaltungen, so die Internetplattform www.luzern60plus.ch, der Marktplatz 60plus sowie verschiedene Quartierprojekte. Die Projekte werden heute durch die Fachstelle für Alters­fragen der Stadt Luzern weitergeführt.

Wie vernetzen sich heute ältere Menschen und gibt ­es neue Formen der Vernetzung im Alter?
Beat Bühlmann: Weitere neue Formen der Vernetzungen im Alter gibt es je nach Interesse und Rüstigkeit. Eine neue Form der Vernetzung, die ich spannend finde, ist das Netzwerk 80plus in Luzern. Dieses organisiert alle zwei Wochen einen Stammtisch für über 80-Jährige in einem Betagtenzentrum, an dem ausgewählte Themen vorgestellt und diskutiert werden. Jedes zweite Mal wird ein Gast eingeladen. Der von Innovage Netzwerk Zentralschweiz mitorganisierte Anlass findet ­regen Zuspruch. Eine weitere neue Form der Vernetzung ist das Netzwerk Alter der Stadt Luzern, in dem sich über 30 Institutionen der Stadt, die in der Alters­arbeit tätig sind, treffen und sich gegenseitig austauschen. Heute herrscht eher ein Überangebot an Netzwerkmöglichkeiten. Viele ältere Menschen bekunden Mühe, in diesem vielfältigen Angebot den Überblick zu behalten. Ich bin ein starker Verfechter von persön­lichen Begegnungen, welcher Art auch immer. In meiner Projektarbeit «Altern in Luzern» habe ich damit nur positive Erfahrungen gemacht.

Heisst das, dass die älteren Menschen heute gut ­vernetzt sind und gar kein Bedürfnis nach weiteren Vernetzungsmöglichkeiten vorhanden ist?
fBeat Bühlmann: Sorge bereitet mir eher, wie je nach Altersgruppe und Herkunft sich die älteren Menschen unterschiedlich vernetzt. Beispielsweise sind die hier heimischen Italiener, Spanier oder Portugiesen unter sich sehr gut vernetzt. Schwieriger ist es, die Sprachgruppen untereinander zu vernetzen. Ein Anfang ist gemacht, indem Hinweise zu kulturellen und gesellschaftlichen Veranstaltungen der einzelnen Sprachgruppen über Unitre gemeinsam herausgegeben werden. Schön wäre, wir könnten den Austausch auch zwischen uns Schweizern und den hier ansässigen Ausländern voranbringen. Sorge bereitet mir eher, wie sich die über 80-Jährigen über das eigene Quartier hinaus besser vernetzen können. Dazu ist es wichtig, dass diese Menschen die neuen Formen der Information, sprich Mail und Internet, nutzen können. Deshalb begrüsse ich entsprechende Angebote, wie sie beispielsweise das Lerncenter von Seniorweb anbietet. Heute ist es auch für die ältere Generation unerlässlich, dass sie über digitale Kenntnisse verfügt, um den Alltag besser meistern zu können.

Welche Rolle spielt die digitale Vernetzung im Alter und wie kann die öffentliche Hand die Vernetzung älterer Menschen unterstützen?
Beat Bühlmann: Heute ist es üblich, dass wir Einladungen und Mitteilungen per Mail verschicken und uns im Internet informieren, dass wir uns über WhatsApp im Familien- und Freundeskreis austauschen. Im Kommen sind Apps, mit denen wir uns über das Geschehen im Quartier informieren und Nachbarschaftshilfen unterschiedlichster Art anbieten und abrufen können. Das sind neue Formen der Vernetzung, die vor der älteren Generation nicht haltmachen werden und sehr nützlich sind. Wichtig ist, dass diese neuen Möglichkeiten der digitalen Vernetzung auch wahrgenommen und sinnvoll genutzt werden. Heute herrscht in der ­digitalen Welt ein Wildwuchs. Deshalb unterstütze ich Bestrebungen, dass an unseren Schulen die Medienkunde wieder eingeführt wird. Auch bin ich dafür, dass die öffentliche Hand mehr Hilfen anbietet und vorab private Initiativen wie beispielsweise die Schaffung einer digitalen Lernwerkstatt für die ältere Generation in der Gemeinde unterstützt. Andererseits müssen aber auch persönliche Kontakte ermöglicht werden: Der alljährlich stattfindende und rege besuchte Marktplatz 60plus in Luzern, eine Plattform ­für das zivilgesellschaftliche Engagement, ist ein gelungenes Beispiel für eine solche Unterstützung durch die öffentliche Hand.

 

Beat Bühlmann

Der Journalist und Gerontologe Beat Bühlmann (67) war während 25 Jahren Inlandredaktor beim «Tages-Anzeiger» in Zürich und leitete von 2012 bis 2016 das Projekt «Altern in Luzern». Heute ist er Lehrbeauftragter an der Hochschule Luzern und Ausschussmitglied des Forums Luzern60plus. Zudem gehört er der Redaktionsgruppe der Internetplattform Luzern60plus und der Arbeitsgruppe Mobilität an.

 

 

Gastautor: 
Linus Baur

Kommentare

Die Photo von Beat Buhlmann ist etwas verrutscht. Flavia Kleiner, deren Photo fehlt, wird sich über den Fehler ebensowenig freuen wie Beat Bühlmann.

Danke für den Hinweis. Der Fehler ist korrigiert. Jetzt stimmen Text und Bild überein.

Nach Oben