02.03.2018 - Linus Baur

Im digitalen Wandel mithalten

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Die Studie «Zukunft digitale Schweiz» von Think Tank W.I.R.E und economiesuisse präsentiert eine Auslegeordnung zur Digitalisierung und zeigt auf, welche drängenden Fragen und Themen die Schweiz diskutieren muss, um im digitalen Wandel mithalten zu können.

 

Aus der Sicht des Mitautors der Studie, Stephan Sigrist, Gründer und Leiter des Think Tanks W.I.R.E, ist die Digitalisierung nicht einfach eine Welle aus technologischem Fortschritt, die uns überrollt, «sondern eine Entwicklung, die uns neue Möglichkeiten zur Gestaltung unseres privaten und beruflichen Lebens gibt». Im Vordergrund steht die Entwicklung von intelligenten und nachhaltigen Lösungen, bei denen die Gesellschaft genauso von Digitalisierung profitiert wie die Berufswelt.

13 Szenarien der Digitalisierung
Die Studie listet 13 Szenarien auf, die Möglichkeiten aufzeigen, wie sich die Schweiz, basierend auf ihren Stärken, in der digitalen Welt positionieren kann. Als Fundament dient die technologische Innovation rund um das Generieren, Speichern, Verarbeiten und Übertragen von Daten. Im Kern stehen vier Anwendungsfelder, die neue Gestaltungsräume eröffnen: Automatisieren, Virtualisieren, Vernetzen und Realisieren. Das bedingt unter anderem zahlreiche neue Berufsbilder, die wir uns heute noch gar nicht ausmalen können. Im Folgenden weisen wir auf einige Anwendungsfelder hin, die von der datenbasierten Infra­struktur profitieren können:

  • Im Bereich Mobilität nähern sich der öffentliche Verkehr und der Individualverkehr einander an und verschmelzen sogar. Dank automatisierter Fahrzeuge können problemlos und nachfrage­basiert auch Randregionen erschlossen werden. Von Wohnungstür zu Wohnungstür geht es nun per selbstfahrenden Gemeinschaftstaxis, von den re­gionalen Zentren bleiben die Züge die effizienteste Verbindung in die Städte. Damit können Randre­gionen und Randagglomerationen als Arbeits- und Wohnorte aufgewertet werden. 
  • Der Onlineeinkauf von Gebrauchsgegenständen wird zur Norm. Zentrale Logistikzentren und unterirdische Tunnelsysteme mit Verteilzentren im Quartier sorgen dafür, dass die Ware zügig geliefert wird. Die letzte Meile zur Haustür kann durch Menschen oder Kleinroboter erledigt werden. Dieses System entlastet vorab in Städten und Agglomerationen die bestehende Infrastruktur.
  • Dank höherer Leistungsfähigkeit der Mechatronik unterstützen intelligente Roboter Kleinbetriebe wie Bergbauern bei der Verrichtung von Arbeit unter schwierigsten Bedingungen. Sensoren und Wetterüberwachungssoftware helfen, in der Landwirtschaft den ganzen Anbau- und Ernteprozess zu optimieren. Dies eröffnet neben den Bergbauern auch weiteren bedrohten Gewerben Chancen für eine Wiederbelebung, vorausgesetzt, dass die neuen Chancen erkannt und die notwendigen Fähigkeiten erlernt werden.
  • Im Gesundheitsbereich erlauben virtuelle Kommunikationsmittel wie Telepräsenzroboter und in Zukunft Hologramme einen direkten Austausch zwischen Arzt und Patienten zu Hause. Zusätzlich unterstützen digitale Assistenzsysteme die Diagnose und Triage. Messdaten werden durch tragbare Sensoren oder in die Wohnungen eingebaute Messsysteme kontinuierlich erfasst. Der Austausch mit den Spezialisten erfolgt dann, wenn die Basis­systeme an Grenzen stossen. Voraussetzung sind Standards bei Patientendaten sowie neue Kompetenzen für Ärzte, die ihre Beratung gemeinsam mit den Patienten entwickeln. Einfache medizinische Produkte wie massgeschneiderte Schienen können auf der Basis online verfügbarer Baupläne mit einem 3D-Drucker eigenständig hergestellt werden.

Mehrwerte für alle Nutzer schaffen
Einige der aufgeführten Innovationen mögen utopisch und befremdlich klingen. Doch die Schweiz steht erst am Anfang ihrer Reise in die digitale Zukunft. Sie hat alle Voraussetzungen, um zur Digitalisierungsgewinnerin zu werden. Schon heute erleben wir, dass mit der Digitalisierung die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben verschwimmen und die lineare Karriere auf dem Rückzug ist. Teilzeitan­gestellte und Erwerbstätige mit mehreren Arbeitgebern gibt es je länger je mehr. 

Der digitale Wandel, der sich heute abzeichnet, erfolgt schneller und mit anderen Vorzeichen als früher. Neue Rahmenbedingungen und Leitplanken gilt es zu formen. «Dazu gehört auch, Innovation nicht allein als technische Kompetenz zu verstehen, sondern diese durch Mehrwerte für die einzelnen Nutzer und die ganze Gesellschaft zu gestalten», schreibt Stephan Sigrist.

Cover der Studie «Zukunft digitale Schweiz»

 

Gastautor: 
Linus Baur

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