Luzerner-Treff (Zentralschweiz)
20.11.2018 - Helmut Prescher

Marc Chagall und die Posträuber

 

 

 

Marc Chagall und die Posträuber

                    

 

 

 

 

 

Unser Ausflug der Regionalgruppe Luzerner-Treff nach Zürich am 15. November 2018 sah die Besichtigung der Chagall Fenster im Fraumünster sowie den Besuch des Kriminalmuseums der Züricher Kantonspolizei vor. Die ausgewogene Gruppe (♀/♂ca. 50:50) war am HB Zürich mit 15 Personen vollzählig, und es ging weiter mit einem Spaziergang zum Paradeplatz, wo unser Organisator, Hansjörg Duttwiler, in einem gemütlichen Lokal Plätze für uns reserviert hatte. Es hat uns als Leute vom "Land" sehr gut gefallen, zur Abwechslung mal wieder etwas Großstadtluft zu schnuppern und die Auslagen der schönen Geschäfte zu bestaunen. Nach einem feinen Mittagessen marschierten wir zum Fraumünster.

 

Dort wurden wir sogleich mit sogenannten Audioguides ausgestattet, die an den entsprechenden Stellen über Kopfhörer Informationen zu den Objekten gaben. Eingeweiht wurden die Fenster 1970 im Beisein des Künstlers, der die Glasmalerei erst im Alter von 70 Jahren für sich entdeckte. Die Fenster stehen farblich in hohem Kontrast miteinander, den Mittelpunkt bildet das grüne Christusfenster in der Mitte, welches Geburt und Tod des Erlösers zeigt. Im gelben Zionsfenster erkennen wir den jungen König David mit dem auf die Erde herabsinkenden Jerusalem, in dem nachtblauen Jakobsfenster ringt Jakob mit einem Engel. In dem feuerroten Prophetenfenster ist die Himmelfahrt des Elias dargestellt, während schliesslich das in kühlem Blau gefertigte Gesetzesfenster Moses mit den Gebotstafeln abbildet. 1978 - acht Jahre nach Fertigstellung seiner Fenster - ergänzte der inzwischen 90-jährige Chagall diese durch die sogenannte Chagall Rosette, welche die Stationen der Genesis zeigt.

 

 

Die zünftigen Herstellungskosten der Gläser sowie das Honorar des Künstlers übernahm seinerzeit ein Züricher Ehepaar, das anonym bleiben wollte.

 

Wieder an der frischen Luft führte uns Hansjörg zum Polizeipräsidium der Kantonspolizei Zürich, wo man über das Treppenhaus im vierten Stock des Altbauanwesens das Kriminalmuseum findet. Nun waren wir alle froh, Platz nehmen zu können und den Erläuterungen unseres Guides zu folgen; zunächst einen Film anzuschauen, der die Arbeit der Polizei von der ersten Stunde bis zur Gegenwart schildert. In grauen Vorzeiten gab es so etwas wie eine Polizei noch nicht, und es wurden drakonische Strafen verhängt. 

Polizeiarbeit ist heute sehr vielschichtig, und die Beamten sind mit neuester Technik ausgerüstet. Dies wurde uns anhand eines Tankstellenräubers sowie einer Vermisstenmeldung veranschaulicht.

 

Anschliessend betraten wir den Parcour und der Guide berichtete über ausgesuchte Kriminalfälle. Um den Bogen zum Titel zu schlagen, beginne ich mit dem Postraub im Fraumünster 1997.  Am 1. September 1997 fahren sieben Männer mit einem als Telekom-Auto getarnten Wagen in den Innenhof der Fraumünsterpost und laden die dort für die Zentralbank bereitstehenden Geldkisten in kürzester Zeit ein. Die Postbeamten werden inzwischen mit Spielzeugpistolen in Schach gehalten. Mit einem Nachschlüssel öffnen sie die zweite Schleuse und türmen mit 53 Millionen Schweizer Franken. Bei aller akribischer Vorbereitung hatten sie sich jedoch beim Diebstahl des Fluchtfahrzeugs im Ladevermögen vertan, sodass sie 20 Millionen zurücklassen mussten. Anhand verschiedener Spuren wurden die Täter nach und nach gefasst, einige zeitnah, einer war sogar 15 Monate in Freiheit, bis er der Polizei in den USA ins Netz ging.

 

Vorbei an Schusswaffen aller Art, berichtete unser Guide vom Giftpilzmord einer Ehefrau, die mit ihrem Liebhaber auf grausame Weise ihren Ehemann tötete. Die beiden sammelten in der gesamten Schweiz Giftpilze und injizierten dem Ehemann über längere Zeit den Saft. Der Mann fühlte sich zwar schlecht, starb aber nicht. Da holte das Pärchen zum finalen Schlag aus, mischte eine hohe Dosis Beruhigungsmittel in das Abendessen und injizierte den Saft der Knollenblätterpilze in den Arm des Opfers. Der Mann starb zwei Tage später einen schrecklichen Tod durch Organversagen. Das Duo konnte durch polizeiliche Ermittlungsarbeit überführt werden und verbüsst jeweils eine lebenslange Haftstrafe.

 

Aufsehen erregte auch der sogenannte Katzenseemord. Es würde zu weit führen, die unterschiedlichsten Fälle im Detail aufzuführen, auf die unser Guide hingewiesen hat, vom Einbruch über Terroranschläge bis hin zum Drogenschmuggel, bei dem eine Bekämpfung nahezu aussichtslos ist. 

 

Hier war die Führung zu Ende, es war inzwischen 18:00 Uhr, und wir mussten zum  Zug. Ein weiterer kleiner Trip per pedes und wir konnten unsere Plätze in dem für uns reservierten Abteil einnehmen. Wir fuhren nach einem Supertag nach Hause.

 

An dieser Stelle herzlichen Dank an Hansjörg für die perfekte Organisation und den reibungslosen Ablauf unserer Veranstaltung.

 

Bericht: Helmut Prescher

 

Bilder: Werner Spohr

 

Bildergalerie Google Fotos

 

Gastautor: 
Helmut Prescher
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