08.06.2018 - Hans Zürrer

Was für ein Auto solls denn sein?

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Wer die Wahl hat, hat die Qual. Was für ein Auto soll ich kaufen? Ist ein Elektroauto schon jetzt das Mass aller Dinge oder ein Dieselgefährt doch noch besser? Oder gar die Kombination von einem Elektro- und einem Benzinmotor, als Hybrid bekannt? Hans Zürrer ist auf Erkundungstour durch die Garagen gegangen.

 

Zweifellos steht fest: Die fossilen Brennstoffe belasten zunehmend die Umwelt, die Ressourcen sind am Schwinden, das Umweltbewusstsein steigt. Die globale Erderwärmung ist unter Kontrolle zu bringen. Und die gesetzlichen Vorschriften tragen dazu bei, dass die CO2-Belastung geringer wird. All das kurbelt die Entwicklung alternativer Antriebe und die Verwendung erneuerbarer Energien beinahe zwangsläufig an. 

Nur, wofür soll ich mich entscheiden? Wer sich beim Autokauf vom konventionellen Benzin- oder Dieselauto verabschieden möchte, kann schon heute unter einigen Alternativen auswählen.

Im Vormarsch sind Hybridfahrzeuge, die Kombination von Verbrennungs- mit Elektromotoren; sie sind im Trend. Gemäss den vorliegenden Statistiken bestätigte sich dieser Trend aufgrund der Inverkehrssetzungen von PWs im März 2018 im Vergleich zum Vorjahr.

Die gemachten Recherchen bestätigen: Der Gemischt-Antrieb «Strom/Benzin», bekannt als «Hybrid», ist heute eine optimale, umweltgerechte und technisch längst machbare sowie erfolgreiche Lösung. Um den Anteil des Verbrennungsmotors etwas geringer werden zu lassen, wurde der sog. «Plug-in-Hybrid» entwickelt, dessen Akkumulator sich über den Verbrennungsmotor wie über das Stromnetz aufladen lässt. Allerdings unter Einbusse der vollständigen Autonomie des Elektromotors und mit dem Handicap der Abhängigkeit von Steckdosen, sowohl zu Hause wie unterwegs! Bei der Planung längerer Reisen gilt es nicht nur die Ladestationen sicherzustellen, sondern auch die benötigte Ladezeit zu berücksichtigen. Reine Elektrofahrzeuge haben den Vorteil, dass keine CO2-Emissionen anfallen, aber den Nachteil noch bescheidener Reichweiten pro Ladung zu erreichen und der Abhängigkeit von Ladestationen und Ladezeiten. 

Hybridfahrzeuge im Vormarsch: Trend der Inverkehrssetzungen von PWs im März 2018 im Vergleich zum Vorjahr

Vom Hybridprinzip angetan, machte ich mich auf die Suche nach einem entsprechenden Motorfahrzeug im Bereich der Mittelklasse und mit einer Preisvorstellung von max. CHF 45’000. Meine Erkundigungen erfolgten bei Vertretungen von BMW, VW, Opel, Toyota, Peugeot und Ford.

Am ausgiebigsten war das Gespräch mit einem Toyota-Händler, der seit 45 Jahren Toyota-Modelle anbietet und vor 20 Jahren bei der Markteinführung des Hybridantriebes als Pionier dabei war. Der tech­nische Vorsprung und die langjährige Markterfahrung sind im Vergleich zu anderen Produkten erkennbar. Welches Modell nun ausgewählt werden soll, hängt von den individuellen Bedürfnissen ab und eine Probefahrt ist unerlässlich. Innerhalb der vorgegebenen Preislimite liegen alle Modelle, sogar inkl. besonders empfehlenswerter Extras wie Einparkhilfe, Abstandsregler usw.

Bei BMW gibt es innerhalb der Preisvorstellung natürlich keine Neuwagen, aber ansprechende Vorführwagen der Mittelklasse, durchwegs mit Verbrennungsmotoren, Benzin oder Diesel. Hybride Fahrzeuge sind weniger vertreten, hingegen gibt es ein reines Elektrofahrzeug mit den bekannten Eigenheiten und hohen Preisen. Mein Eindruck: BMW ist der König – der Kunde kommt danach!

Als langjähriger Golf-Fahrer ist ein Besuch bei einer namhaften VW-Niederlassung unausweichlich. Denn die Suche nach einem Elektro- oder Hybridfahrzeug über das Internet ist unbefriedigend, alles andere als erfolgversprechend. Doch immerhin: auto­scout24.ch bot 49 hybride Fahrzeuge ab MFK bis zu CHF 45’000.

Zwar gibt es einen Golf GTE als «Plug-in-Hybrid» zu einem Grundpreis von CHF 43’000. Er liegt preislich deutlich über den klassischen Golf-Modellen mit Benzinmotor und auch über den Hybridmodellen der Konkurrenz. Leider musste ich auch bei diesem Verkäufer feststellen, dass er wenig bis keine Ahnung von zukunftsorientierten Antriebstechniken hatte. Ähnlich wie bei BMW hat er nicht auf die E-Technik oder auf ein Hybridauto aufmerksam gemacht. Den gleichen Eindruck hinterliessen auch die Gespräche bei Opel und Peugeot. Es macht den Eindruck, dass die Hersteller die Entwicklung verschlafen und bei der Ausbildung ihrer Verkäufer Nachholbedarf haben. Oder aber, wie ich fast vermute: Sie wollen bewusst die Autos verkaufen, für deren Entwicklung sie in den letzten Jahren grosse Investitionen getätigt haben. 

Auch die Erkundigung bei Ford war enttäuschend! Da steht doch im jüngsten Bericht aus Köln vom April 2018: «Ford setzt bei den neusten Modellen der Mittelklasse (Ford Focus analog VW-Golf) ausschliesslich auf den hochgelobten Dreizylinder-Turbo, während von Hybrid- oder Elektroantrieb weiter keine Rede ist!»

Technische Gadgets im Vordergrund
Festzustellen ist aber auch, dass einige Neuheiten und Assistenzsysteme echte Verbesserungen mit sich bringen, sei es bei der Erhöhung der Sicherheit, wie auch beim Komfort. Warnsignale und selbsttätige Eingriffe sind besonders hilfreich beim Rückwärtsfahren oder beim Einparken. Seitliche und Frontsensoren warnen auch beim Fahren auf Autobahnen vor zu kurzen Abständen. Solch selbsttätige Hilfsmittel werden zunehmend als Standardausrüstung angeboten und sind besonders bei älteren Autofahrern willkommen. Höhere Sitze zum leichteren Ein- und Ausstieg sind bei den meisten Fabrikaten üblich geworden. Ebenfalls zum Standard gehört heute ein Bildschirm, welcher der Navigation sowie der Nutzung von Telefon und Radio dient. Dessen Bedienung kann etwas anspruchsvoll sein, auch wenn diverse Bedienelemente am Lenkrad untergebracht sind.

Fazit: Ein Hybrid-Fahrzeug bietet eine ausgereifte Technik und mittelfristig optimale umwelttechnische Möglichkeiten. Im Mittelklassebereich befinden sich alle Angebote innerhalb der Preisvorstellung von max. CHF 45’000.

Die Zukunft gehört in meiner Einschätzung der Brennstoffzelle, indem Wasserstoff und Sauerstoff Strom produzieren und statt Abgas Wasser entsteht. Damit wird nicht nur das Abgasproblem gelöst, sondern auch die Herkunft der Energie. Keine fossilen Brennstoffe, kein Strom aus Steckdosen. Gelingt es eines Tages sogar, die Wasserstoffgewinnung und -lagerung in den Griff zu bekommen und für jedes Fahrzeug autonom zu gestalten, werden sogar die Tankstellen überflüssig. Zukunft ahoi!

 

  
   T-Models von Henry Ford

Es sind ja erst rund 100 Jahre, seit die Menschheit Auto fährt. Henry Ford hat 1908 sein berühmtes T-Model auf den Markt gebracht. Auf die Frage, welche Farbe es denn haben dürfe, soll er geantwortet haben: «You can have it in any colour, as long as it is black!» Die ersten T-Models von Henry Ford kosteten anfänglich USD 850 und nach der Einführung der Fliessbandfertigung 1914 rund USD 370 (etwa EUR 7500 in heutiger Kaufkraft). Bis 1927 wurden 15 Mio. T-Models verkauft, die meisten übrigens in Schwarz!

 

Wie Toyota für sein Hybridauto wirbt

 

Ein Erfahrungsbericht

 

   
   Jürg Bachmann

Jürg Bachmann ist Mitherausgeber des Magazins «seniorin». Bei der Goldbach Group ist er Mediensprecher und zuständig fürs Marketing. Ausserdem ist er Präsident des Verbands Schweizer Privatradios (VSP).

 

Jürg Bachmann hat den Schritt gemacht: Er hat ein E-Auto gekauft, einen BMW 3i. Er hat sich im Haus einen Elektroanschluss, die eigene Tankstelle, montieren lassen. Und für «seniorin» erste Erfahrungen gesammelt.

Eines rate er mir ganz besonders, sagte der Verkäufer bei der Autoübergabe: «Seien Sie bei Velofahrern und Fussgängern besonders vorsichtig. Die hören Sie nämlich nicht, wenn Sie sich ihnen von hinten nähern.» Ein guter Tipp, den jeder beim Fahren mit offenem Fenster selber testen kann. Aber bei Weitem nicht das Einzige, was beim Beherrschen eines Elektroautos erstmal einzuüben ist. Zum Starten des Fahrzeugs braucht es keinen Schlüssel, Knopfdruck reicht. Wegfahren? Keinen Motor anstellen, keinen Gang einlegen, bloss Knopf auf D und schon rollt die Kiste. Der intuitive Griff zum Schalthebel führt ins Leere; der Wagen hat keinen und braucht keinen; wie das Jahrmarktauto kennt er nur Vorwärts/Rückwärts/Park. Das Auto gepflegt ausrollen lassen geht nicht; nimmt der Fahrer den Fuss vom … nein, nicht vom Gas, das passt hier nicht … vom Antriebspedal, beginnt der Wagen automatisch zu bremsen; gefragt ist ein sanfter Fuss. Dafür ist langsames Einparken ganz einfach, denn die Geschwindigkeit lässt sich auch bei 1, 2 oder 3 Stunden­kilometern perfekt einhalten.

Und es gibt Spassfaktoren für den Autofan: Kavalierstarts sind wieder möglich! Der BMW i3 besitzt eine Antriebskraft, die jener eines Flugzeugs gleicht, nicht der eines Sportwagens. Ich sage Ihnen, bei Grün lassen Sie jeden stehen. Und es kostet nichts, denn die Batterien des Autos laden sich beim Fahren und Bremsen gleich wieder auf. Lenkten nahende Tankstellen den Blick unverzüglich auf die Tankanzeige, brauchen nur andere den teuren Halt. Aufladen lässt sich die Karosse, fährt man nicht mehr als 200 Kilometer aufs Mal, mühelos zu Hause, sogar an der Haushaltsteckdose. Seltsam sehe er aus, sagen manche. In der Tat erinnert der BMW i3 irgendwie an ein Schuco-Auto aus der Jugend. Das macht ihn umso spassiger. Und lässt der Finish weder aussen noch innen einen Wunsch offen. Ein PC auf vier Rädern mit gepflegtem Salon und komfortabelster Navigation durch die unzähligen Informations- und Unterhaltungsangebote.

Lohnt sich also der Kauf eines Elektroautos? Für denjenigen, der Autos mag und schon viele Marken und Modelle ausprobiert hat, ganz gewiss. Ein Elektroauto vermittelt endlich wieder einmal ein neues Fahrgefühl. Und ist auch eine Ansage und der Wille, einen Beitrag zu leisten für weniger Benzin und Diesel auf den Strassen. Vernünftiger Umgang mit der Umwelt macht Spass.

Ganz günstig ist der kleine BMW nicht, das muss man eingestehen. Etwa CHF 50’000 kostet mein Modell. Dafür fallen im Kanton Zürich keine Verkehrs­abgaben an. Das schont die Kasse auch wieder.

Der neue E-BMW von Jürg Bachmann ist schon im Betrieb.

Gastautor: 
Hans Zürrer

Kommentare

Ja, wer nicht wöchentlich Strecken über 400-500km (je nach Marke weniger)  fahren muss, ist mit einem Elektroauto sehr gut bedient. Die ruhige Fahrweise und die Beschleunigung wird von allen gelobt. Wir möchten unseren Tesla, den wir seit 3 Jahren fahren, nicht mehr missen. Zwar etwas gross für die Berge, aber wir transportieren häufig Bilder, da brauchen wir Platz. Und wenn wir mal nach Italien, Oesterreich oder Deutschland fahren, stört es uns eigentlich nicht, nach 300-400km einen 1-stündigen Stopp an einem Tesla-Supercharger einzulegen, um mit vollgeladenem Auto und Magen wieder weiter zu ziehen. (Um Strom für 200km zu laden reichen 20 Minuten.) 

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