10.05.2018 - Dieter Schupp

"Alphamann” Leonardo Bruni

Carla Bruni, die französische Ex-Präsidentengattin antwortete in einem ZEIT-Inteterview: „Ich liebe Alphamänner.“ Leonardo Bruni hätte gut zu ihr gepasst.

Carla Bruni hätte Leonardo Bruni gern an ihrer Seite gesehen. Er war ein italienischer Humanist, Politiker, Staatskanzler der Republik Florenz und wurde zumeist nach seiner Heimatstadt Aretino genannt. Er ist im Alter von 75 Jahren im Jahr 1444 gestorben.

Leonardo Bruni kam als Student nach Florenz und wurde dort ein hochbegabter Schüler eines griechischen Gelehrten. Bis dahin – behaupte ich - war Latein die Sprache der Gelehrten. Nur die Werke des griechischen Philosophen Aristoteles durfte man studieren, und nur sie durften auch ins Lateinische übersetzt werden. Wäre es dabei geblieben? Was dann...?

Leonardo Bruni, der die griechische Sprache beherrschte, und sein Lehrer Manuel Chrysoloras traten für die Wiederbelebung aller antiken Traditionen ein. Bruni war der erste, der den Studenten eine grössere Anzahl von Platons-Übersetzungen, die ihnen bisher verborgen blieben, übergeben konnte. Beispielsweise: Phaidon, Kriton, Gorgias, Apologie, Symposion, Staat, Timaios. Zu einem grossen Renommee kam er durch die Übersetzung der “Nikomachischen Ethik” und auch durch die wirtschaftlichen und politischen Schriften des Aristoteles.

So wurde nach und nach Leonado Bruni zum Hauptvertreter und Verwalter der Renaissance-Literatur. Als Schüler des Chrysoloras wurde Bruni in den Kreis der Humanisten “Salutati” in Ehren aufgenommen. Im Jahr 1405 bekam er ein Amt eines päpstlichen Sekretärs und diente in dieser Funktion vier Päpsten. Begleitete Johannes XXIII zum Konzil in Konstanz. Unterstützt von Cosimo de Medici und des Renaissancephilosophen Marsillo Ficino ist im Jahr 1464 in Florenz die Idee einer „Akademie“ aufgekommen mit dem Wunsch, sie zu verwirklichen.

Fortan nur „Antike“: Platon hatte im Jahr 387 vor Chri. eine Philosophenschule in Athen gegründet: Die AKADEMIE. Im Jahr 529 nach Chr. untersagte Kaiser Justian I. den Lehrbetrieb, verschärfte das Verbot, ordnete das Ende der Akademie an. Platons Werke durften nicht unterrichtet, nicht studiert werden 

Bedenken der Gegner: „Wiedererweckung des Alten, Wiederbelebungen des antiken Denkens sind nutzlos, gefährlich. Weil man in der Philosophie der Griechen den Zugang zur Natur über den Menschen stellt und weil im Zentrum ihrer Philosophie der Mensch steht und nicht mehr wie bisher: Unser Gott.

Die Antwort darauf gab der Alphamann Leonardo Bruni: „et recipienda et usum nostrum vertenda est." Übersetzt: „Ist sowohl aufzunehmen, als auch zum Nutzen der Gegenwart anzuwenden." Es ging ihm nicht um eine Art 'Wiederholung' nunmehr mit anderen Mitteln und Werkzeugen, sondern darum: die produktive Einholung der Antike ins Bewusstsein der Gegenwart zu versetzen.

Kritik an Leonardo Bruni: Er regte tatsächlich an, dass auch Frauen Bildung erwerben sollten, um bei der Wiederbelebung der Antike mitwirken zu können. An einen seiner Freunde adressierte er: “Ich führe keinen Krieg gegen den hochweisen Aristoteles, nur gegen die Narrheit des Aristoteles. Wären sie nur einfach unwissend, so wären sie zwar nicht zu loben, aber in diesen elenden Zeiten hinnehmbar. Doch jetzt, wo zu ihrer Unwissenheit so viel Arroganz hinzugekommen ist, dass sie sich weise nennen und dünken, er könnte Gleichmut ertragen?!“

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