08.03.2018 - Bernadette Reichlin

Bilderbogen durch 75 Jahre Malerei

Die neue Ausstellung im Kunsthaus Zürich zeigt Künstler, die sich trotz impressionistischen, kubistischen und abstrakten Strömungen ihren eigenen Malstil bewahrt haben.

Sammlungskonservator Philippe Büttner hat Werke von rund 20 Künstlern zusammengetragen, die sich nicht vom allgemeinen "Mainstream" der Zeit von 1890 bis 1965 mitreissen liessen – zumal dieser Ausdruck damals noch gar nicht geläufig war. Sie suchten sich ihren eigenen Weg.

Adolf Dietrich: Mädchen mit gestreifter Schürze, 1923. (Kunsthaus Zürich © 2018 ProLitteris)

"Magritte, Dietrich, Rousseau.Visionäre Sachlichkeit." heisst die neu eröffnete Ausstellung. Den Künstlern gemeinsam "ist eine sachlich-visionäre Haltung," wie es in der Medienmitteilung heisst. "Sie setzen nicht auf die Mitteilungskraft der Peinture, sondern wollen dem Auge weiterhin illusionistisch gemalte Bildräume anbieten".

Félix Vallotton: Hautes Alpes, glaciers et pics neigeux, 1919. (Kunsthaus Zürich, Gottfried Keller-Stiftung)

Dass gegenständlich nicht realistisch heisst, beweist der früheste in der Ausstellung vertretene Künstler, Arnold Böcklin. Seine Bilder sind "im Ansatz leicht greifbar und zugleich traumhaft-visionär. Félix Valloton malt Gletscher und Schneeberge auf einer schwebenden Grenze zwischen abstrakt und gegenständlich und wird gleichzeitig als "Entdecker" Henri Rousseaus gefeiert, der sich in akkuraten Bildern eine (Dschungel)-Welt von hypnotischer Fremdheit erschafft.

Salvador Dalí: Femme à tête de roses, 1925. (Kunsthaus Zürich, © 2018 ProLitteris)

Die Dadaisten und die Surrealisten sprengen die Grenzen der Malerei nicht mit Abstraktion, sondern mit ihren eigenen Traumwelten. Salvador Dali leuchtete mit altmeisterlicher Präzision in noch nie gesehene Ecken des Unbewussten, René Magritte verwendete eine vorgeblich ganz gegenständliche Malerei, um die Einheit von Form und Inhalt ab absurdum zu führen und so neu zu dynamisieren.

Élie Lascaux: L‘église devant la mer, 1927. (Kunsthaus Zürich, 2015)

Von der neuen Sachlichkeit über die Naive Malerei bis zum Surrealismus sind 56 Exponate zu sehen. Gut die Hälfte stammt aus der hauseigenen Sammlung und sind seit vielen Jahren nicht mehr gezeigt worden. Und sie zeigen auf, dass die Moderne viele Strömungen und interessante Nebenwege in sich vereint.

Die Ausstellung ist bis zum 8. Juli zu sehen. Eine begleitende Publikation stellt die Rezeption der gegenständlichen Kunst in den Kontext der Sammlungsgeschichte des Kunsthauses. Weitere Informationen unter www. kunsthaus.ch

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