31.01.2019 - Linus Baur

Bildstarke Klangwelten

Poetisch, humorvoll, tiefsinnig: Komponist und Regisseur Ruedi Häusermann präsentiert mit «Henosode» seine zehnte Arbeit am Schauspielhaus Zürich.

Gespielt wird in einem Raum, der aussieht wie eine Werkstatt. An der rechten und hinteren Wand ist eine Galerie aufgebaut, die links in eine Treppe hinunter ins Erdgeschoss mündet. Von hier gehen vier Türen und ein Fenster ins Nirgendwo. Bestückt ist die Bühne mit Stühlen, einem Klavier und einem übereck platzierten Podest. In die Galerie ist ein Lift eingebaut (Bühnenbild: Bettina Meyer). In diesem kargen Raum musizieren die vier Musiker des Quartetts «Henosode» und spielen die drei Schauspieler Klaus Brömmelmeier, Matthias Neukirch und Herwig Ursin. Unterstützt von vier Mitspielerinnen betreiben die drei Schauspieler ungewöhnliche Experimente.

Elementare Kräfte im Fokus

«Salon des Gelingens» heisst das Stück im Untertitel. Im Fokus der drei Forschenden stehen die elementaren Kräfte Licht, Nebel, Feuer, Wind, Schall und ihre Wirkungen. Eine rätselhaft sinnliche Szene reiht sich an die nächste. Sie lassen sich kaum in Worte fassen. So wimmert und summt der Wind durch den Raum, zupft an den künstlichen Topfpflanzen und am Fenstervorhang, lässt die Streicher tremolieren und die Notenblätter herumfliegen, wird eingefangener Nebel zum Verschwinden gebracht, wandern Schattenbilder und mit Spiegeln erzeugte Lichtreflexe umher, springt der Handtuchspender beim Händewaschen an, kracht das Klavier auseinander. Dazwischen werden Texte von Karl Valentin, Robert Walser und Loriot verlesen. Von Zeit zu Zeit klingelt das Telefon, erkundigt sich eine Mutter nach dem Fortschritt der Experimente.

Angespornt durch die Musik (v.l.): Klaus Brömmelmeier, Sara Hubrich, Josa Gerhard, Benedikt Bindewald, Christoph Hampe.

Es sind assoziative Momente, die scheinbar willkürlich aneinandergereiht werden. Eine lineare Handlung ist nicht auszumachen. Es sind meist flüchtige, unspektakuläre, traumartige Sequenzen ohne inneren Zusammenhang, die vorgeführt werden. Klangwelten dominieren das Geschehen, animieren zu szenischen Erfindungen, die ohne erkenntlichen Wert sind. Ein zweckfreies Spiel wird geboten, das zum Sinnieren anregt. Und wie immer bei Häusermann gipfelt der Schluss in einer fulminanten Überraschung. Feststimmung kommt auf, eine Wohnstube mit Sofas installiert, die Akteure tragen lustige Hütchen, palavern durcheinander, Feuerzauber wird entfacht, der sich zur Feuersbrunst ausweitet. Flugs kommt der Feuerlöscher zum Einsatz und das Aus für den Salon des Gelingens. Ein turbulentes Ende mit vielen Gags und amüsanten Überraschungen.

Allerlei Kapriolen und grosse Spielfreude

Grossartig ist das Spiel aller Akteure, wie sie die zufälligen Nebensächlichkeiten meistern. Angespornt durch die Musik vollführen sie allerlei Kapriolen, flüstern und schreien in überdimensionierte Megafone, stapfen im Gleichschritt die Treppe auf und ab, üben das Geradeaushören, zaubern mit Spiegeln betörende Lichtbilder an die Wände, hantieren meist ungeschickt mit allerlei Gegenständen. Spür- und sichtbar ist die immense Spielfreude, mit der sie die scheinbar nutzlosen Forschungsarbeiten bewältigen. Im Zentrum stehen immer Häusermanns Klangwelten, meisterlich gespielt von den vier Musikern Sara Hubrich, Josa Gerhard, Benedikt Bindewald und Christoph Hampe, die mit ihrem ambitionierten Spiel eine Kettenreaktion von Erscheinungen, Bildern, Handlungen evozieren. Dabei kommt der Humor nie zu kurz. Eine gelungene Uraufführung in der Schiffbau-Box, die am Premierenabend begeisterten Zuspruch fand.

Feststimmung mit lustigen Hütchen zum Schluss. (Fotos: Matthias Horn)

Weitere Spieldaten: 4., 5., 7., 8., 10., 14., 17., 20., 26., 28. Februar, 1., 3., 8. März

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