05.08.2014 - Adalbert Hofmann

Der geleaste Hund

Wer regelmässig mit einem fremden Hund spazieren geht, muss auf allerhand gefasst sein.

 «Vermietung von Investitionsgütern mit Anrechnung der Mietzahlungen bei späterem Kauf»: Sie wissen, wie sich das in einem Wort zusammengefasst anhört? Genau - «Leasing». Diese gemäss Duden «moderne Form der Wirtschaftsfinanzierung» wurde in jenem Zeitpunkt aktuell, als das Leben auf Pump salonfähig wurde und für einen teuren Renommierschlitten nicht mehr zuerst gespart (altmodisch!) werden musste. Das mühsame Geld-auf-die-Seite-Legen hätte ohnehin meistens bis zum St. Nimmerleinstag gedauert.

Das Geschäft mit den Autos war indessen bloss der Anfang. Mittlerweile hat Leasing fast alle Bereiche erobert: vom Gross-Breit-Hoch-Bildschirm-Fernseher zur Kaffeemaschine, von den digital gesteuerten Carving-Skis zum Thermo-Jogging-Dress, vom Stabmixer zur Polstergruppe (echt Ziegenleder). Und auch unser unmittelbares Zusammenleben blieb nicht verschont. Die Ehe wird ganz im Sinn des modernen und praktischen «Leasings» zunehmend von Lebensabschnittspartnerschaften abgelöst. Und für ein kurzes Beisammensein bevorzugen vor allem Männer gelegentlich auch das «Mieten»…

Vor einiger Zeit begegnete ich meinem alten Freund Jakob, der sein Leben lang nichts mit Tieren am Hut hatte; vor Hunden - auch den ganz Kleinen - hatte er eine Riesenangst, und überhaupt hielt er diese Tiere für schmutzig und stinkig. Und Jakob führte diesmal tatsächlich einen Pudel an der langen Leine! Auf meinen ungläubig fragenden Blick wurde er etwas verlegen. «Weisst du, nach meinem leichten Infarkt hat mir der Arzt viel Bewegung verordnet. Aber allein?» So sei er auf Idee mit Nachbars Hund gekommen. Jener Workaholic-Business-Heini von gegenüber sei wie seine ebenfalls hektische Angetraute praktisch immer auf Achse und darum dankbar dafür, dass er, der liebe Nachbar, den vereinsamten Hund regelmässig ausführe. Wobei mit ausführen das Hundesitting nicht erledigt sei. Auch in seinem Ehebett sei neuerdings ein Plätzchen für die lebendige Wärmeflasche frei, druckste mein Freund herum.

Ich kenne Jakob: Er hat garantiert nie damit gerechnet, dass sein Einsatz in irgendeiner Form entlohnt würde, denn der Hund ist ihm unterdessen ans Herz gewachsen; die Beschaffung der Verpflegung, der Kauf eines Wintermäntelchens und der Besuch im Hundesalon nimmt er selbstverständlich auf seine Kappe. Darum fiel er umso mehr aus allen Wolken, als ihm vor einigen Tagen eine Rechnung des Hundebesitzers ins Haus flatterte. Mit grossen Augen las er, dass «die Überlassung eines Hundes (Rasse: Pudel) zwecks Begleitung beim Spazieren» zu bezahlen sei, und zwar mit einer Summe - oh-la-la… Auf Jakobs schüchterne Intervention gab sich der Nachbar grosszügig: Falls er den Pudel ganz übernehme (das Vieh nerve ihn eigentlich schon lange) rechne er die bezahlten Leasing-Gebühren natürlich an den Kaufpreis an.

Und die Moral von der Geschicht‘? Es lohnt sich immer, auch das Kleingedruckte ganz genau zu lesen. Auch in Verträgen, die gar nicht existieren.

Kommentare

Ich hatte über viele Jahre Pflegehunde, aber auf die Idee mit dem Leasing ist nie einer der Hundehalter gekommen. Dabei habe ich die Hunde aus Spaß an der Freud übernommen, was nach der Denkweise obigen Hundehalters sehr wohl ein Grund für Leasing gewesen wäre. Du schreibst doch jetzt sicherlich, daß diese Geschichte nur eine ausgedachte ist ?

Hallo Kaninchen

Schön, von dir zu lesen! Nun, für unsereiner wäre dieses Drecksgeschäft bestimmt nichts. Ein Hund ist doch ein Lebewesen und keine Ware!!

 Einen lieben Gruss - dir ganz besonders und allen anderen -

 Liselotte.

Die Geschichte kann ich kaum glauben. Aber wenn sie stimmt, zeigt sie nur wieder einmal, wie viele verantwortungslose und unmögliche Hundehalter es gibt. Ich staune immer wieder darüber, dass es der Hund seit mindestens der Steinzeit beim Menschen ausgehalten hat.

Wie sagt man so schön:
Se non è vero è ben trovato !

 

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