11.09.2018 - Adalbert Hofmann

Der Goldfisch im Garten Eden

Satirische Gedankensplitter: Es darf geschmunzelt werden!

Der Immobilienmarkt boomt unverdrossen, denn des Schweizers Wunsch ist unverändert: von der kleinen Mietwohnung in eine grössere, dann in die Eigentumswohnung oder ins kleine Häuschen, später in ein grosses Haus und schliesslich (eher unfreiwillig) – in die Alterssiedlung und ins Pflegeheim. Und weil das so ist, geben sich die Interessenten die Klinke in die Hand, wenn ein Objekt zum Verkauf steht.

Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer - das Quartier hat nur noch ein Gesprächsthema. Wobei in der Regel der Preis im Vordergrund steht. Und die «Expertenmeinungen» schwanken zwischen «Völlig überrissen, die spinnen ja!» und «Ein einmaliges Schnäppchen, da würde doch das Doppelte drin liegen!»

Um den Braten möglichst schmackhaft und  gluschtig zu machen, sparen Verkäufer und Makler nicht mit Ingredienzen, und bei den positiven Attributen werden alle Register gezogen: «Unverbaubare Lage mit Aussicht bis zum Matterhorn. Für Kinder das reinste Paradies. Sauna im Keller und Fitnessraum im Estrich. Schulhaus direkt gegenüber, bis Aldi drei, bis zum Autobahnanschluss fünf Minuten. In einem Quartier ohne den geringsten Nachbarschaftszoff» usw. Und für die illustrierenden Bilder werden beim Fotografieren sämtliche Verrenkungen vorgenommen, um auch den düstersten Raum und die vergammeltste Küche im strahlenden Licht erscheinen zu lassen. Der Interessent hat im Sommer ja keine Ahnung, dass der Schneepflug regelmässig die weisse Pracht vor den Hauseingang schaufelt, sich die steile Garagenzufahrt jeweils in eine Eisbahn verwandelt und die steinalte Ölheizung im ganzen Quartier und zum Himmel stinkt.

Mein alter Kumpel Jakob, der unlängst in eine andere Gemeinde gezügelt ist, erzählte mir indessen eine Geschichte, die den (Kanarien)-Vogel abschiesst. Die Liegenschaft gegenüber sei in einem Online-Portal zum Verkauf angeboten worden, «mit einem prächtigen vom Grünen Daumen liebevoll gehegt und gepflegt unterhaltenen Garten.» Also der reinste Garten Eden! Es habe ihm - Jakob - fast den Nuggi usetätscht, als er von seinem Balkon aus in den völlig verwilderten Umschwung geblickt habe; Nachbarn hätten ihm erzählt, der letzte Gärtner, der vor Jahren aufgeboten worden sei, habe sich in der Wildnis derart verirrt, dass er erst nach zwei Tagen wieder heraus gefunden habe…

Den Höhepunkt des Inserats bildete allerdings das Merkmal «Haustiere erlaubt». Der neue Besitzer darf also samt Goldfisch oder Wellensittich oder Büsi oder gar einem veritablen Puddel in sein eigenes Haus einziehen - ohne jemanden zu fragen! Nicht den Hausverkäufer, nicht die Nachbarn, nicht den Pfarrer, weder die Gemeindeverwaltung noch die Polizei.

Was, trotz allem zum Kopfschütteln anregenden Irrsinn, nicht selbstverständlich ist. In diesen verrückten Zeiten würde mich selbst eine nächstens lancierte Volksinitiative für ein «Gesetz über die Bewilligungspflicht zur Haltung von Haustieren aller Art (Spinnen ausgenommen) in den eigenen vier Wänden» nicht mehr verwundern. Warten wir’s mal ab!

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