17.02.2019 - Josef Ritler

Der Mensch im digitalen Zeitalter

Wie soll ein Chef die Mitarbeitenden in der digitalen Welt führen? Am 59. Maxon-Fabrikgespräch in Sachseln OW gaben drei Fachleute Tipps.

Die technologische Entwicklung verläuft exponentiell. Der Mensch dagegen ist ein analoges Wesen. Welche Rolle spielt er im digitalen Zeitalter noch? Wie soll und will er geführt werden? Welche Qualitäten muss eine künftige Führungskraft mitbringen? Wie können den Mitarbeitenden neue Perspektiven vermittelt werden? Diese Fragen wurden aus der Sicht des Verwaltungsrates, der Forschung und der Praxis im Maxon-Gebäude diskutiert. Maxon ist die Firma, die das Marsauto mit Motoren ausgerüstet hat.

Die Gesprächsteilnehmer. V.l. Joachim Zappe, Dr. Daniel C. Schmid, Moderator Martin Zenhäusern und Cornelia Ritz Bossicard

Wie es früher war und welche Veränderungen wir in den letzten 20 Jahren erlebt haben, wurde von den Gesprächsteilnehmer unterschiedlich erklärt. Der Forscher Daniel C. Schmid erinnerte an die Mondmission der Amerikaner. «Die ganze Technologie hätte heute auf einem iPhone Platz,» erklärte er und wies darauf hin, dass der Mensch immer alles ändern will, aber nicht weiss, was er braucht.

Was aus der Sicht des Verwaltungsrates geblieben ist, führte Cornelia Ritz Bossicard aus: «Der Mensch ist erfolgreich oder nicht erfolgreich.» Es gäbe überall unterschiedliche Führungsstile. Die Ansprüche an die Führungskräfte seien gestiegen. Die Führung richte sich an Menschen, die Ansprüche haben, das Konfliktpotential sei grösser geworden.

Qualitäten der Führungskraft

Welche Qualitäten eine Führungskraft heute mitbringen muss, umriss Joachim Zappe aus der Praxis. Sie müsse Teil der Veränderung sein. Man müsse zusammen mit der Belegschaft an der Wertschätzung arbeiten.

«Ich gehe jeden Tag in die Fabrik an irgendeinen Arbeitsplatz und kommuniziere mit den Menschen, die dort arbeiten. Das schafft ein sehr grosses Vertrauensverhältnis. Darum bin ich in der Lage Themen aufzunehmen und in meine Überlegungen einzubringen", verriet er den Zuhörern.

Daniel Schmid bemerkte, dass sich die jungen Führungskräfte über die Technologie führen lassen. Vertrauen sei aber nicht digitalisierbar.

Für Cornelia Ritz braucht es für Führungskräfte:  Kernkompetenz, Visionen, die Mitarbeiter mitnehmen können, und sie müssen Erfolg liefern. Man führe nicht nur eine Generation. Man habe mindesten drei bis fünf Generationen und fünf bis sieben Generationen als Kunden und die ticken alle irgendwie anders. Die müsse man irgendwie anders abholen, um gemeinsame Werte zu erreichen. Dieser Wandel brauche es, um die Leute mit auf die Reise nehmen zu können.

Vorbilder

Über Vorbilder meinen die Experten, dass es sie auch heute noch gibt. Für Daniel Schmid ist das der Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler. Früher sei man noch in der Pfadi gewesen, die Freiwilligenarbeit sei aber zurückgegangen. Es gäbe 20-jährige, die meinen, alles zu wissen, und es gibt 92-jährige, die noch jeden Tag lernen. Auch Cornelia Ritz findet, dass man lebenslang lernen müsse. 

Der Vergleich des Moderators Martin Zenhäusern, die Firmenführung  mit einer Fussballmannschaft oder einem Orchester zu vergleichen, fand Anklang. Cornelia Ritz sagte dazu: «Das Orchester und der Dirigent passt sehr gut zum Verwaltungsrat, der das Orchester verkörpert, und der Dirigent ist der Präsident. Alle spielen verschiedene Instrumente, allein funktioniert das nicht zu so gut. Nur als Team funktioniert das gute Zusammenspiel.»

Der Forscher Daniel C. Schmid wies auf Untersuchungen hin. Man habe bei 90 Millionen E-mails die Reaktionszeit der Empfänger gemessen, um herauszufinden, wer der wichtigste Absender sei. 
 «Wer innert zwei Minuten auf ein Mail reagiert, signalisiert, dass der Absender wichtig ist. Wer nicht in den erwarteten 24 Stunden reagiert, bei dem hat es nicht geklinkt. Für den ist der Absender nicht wichtig und er geht in einen analogen Modus ein. Das kann man messen. Man kann auch messen, wie ehrlich die Meinungen sind. Man weiss, wer wirklich engagiert  ist und wer dazu beiträgt, Entwicklungen zu unterstützen.»

Mit den Messungen wird auch die Zufriedenheit der Belegschaft und das Pendelverhalten eruiert. Spannend sei, diese beiden Welten zu vergleichen. 

Welche Qualitäten eine Führungskraft mitbringen sollte, umschreibt Joachim Zappe so: «Sie muss Teil der Veränderung sein. Sie muss  Sendungsbewusstsein und Offenheit, Wertschätzung und Respekt bei den vielen Nationalitäten in einem Betrieb haben. Sie muss die Menschen erreichen.»

Und er wies darauf hin, dass es heute noch jemanden braucht, der entscheidet. Wohl könne bei Sitzungen jeder moderieren, aber gewisse Dinge könne man nicht diskutieren. Bewährt habe sich Mitarbeiterumfragen.

Die Zukunft

Der Blick in die Zukunft findet Cornelia Ritz Bossicard mit dem technologischen Fortschritt äusserst spannend. Man müsse sich fragen, welche Unternehmenskultur nötig sei, um damit die digitale Transformation zusammen mit den Mitarbeitern zu bewältigen.

Für Daniel C. Schmid wird das Senden und Empfangen immer schneller. In der Informationsflut müsste man wieder einmal in Bibliotheken gehen und die Karteikarten auswerten. Um auf Dinge zu stossen, die man im Internet nicht findet. Man müsse die Information steuern können.

Joachim Zappe wies darauf hin, dass man früher im Betrieb die Informationen über das Schwarze Brett verbreitet habe. Heute wird die Belegschaft über Bildschirme informiert. Das sei in seinem Betrieb der erste Schritt in die Digitalisierung gewesen.

Die Teilnehmer des Podiums:

Cornelia Ritz Bossicard ist Gründerin und Managing Partnerin der2bridges AG und verfügt über langjährige berufliche Erfahrung im Silicon Valley. 

Dr. Daniel C. Schmid leitet die Academy an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich. Seine Forschungsschwerpunkte sind Führung und Organisationsentwicklung. 

Joachim Zappe ist Geschäftsführer bei der Motorsägen-Herstellerin STIHL mit 1000 Mitarbeitenden und hat Erfahrung von der Digitalisierung bis hin zur Industrie 4.0.

Martin Zenhäusern ist Autor und Inhaber der Kommunikations-Agentur Zenhäusern & Partner und hat das Gespräch moderiert.

Foto: Josef Ritler

 

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