18.11.2018 - Anton Schaller

Drei Frauen und ein Mann

Und ein Bundesrat, der “kä Luscht“ hed …

Der Dezember kündigt sich jeweils im Bundeshaus ganz feierlich an. Bereits am ersten Tag der Wintersession, noch im November, fliesst der Weisswein, Standesweibel aus den Kantonen und dem Bund zieren mit ihren farbenfrohen Umhängen das Bild und hellen das eher düstere Licht in der Eingangshalle etwas auf. Selbst die Damen und Herren der Räte sind jeweils etwas vornehmer, eben feierlicher als sonst gekleidet, da und dort blitzt auf einem weissen Hemd gar eine Krawatte auf. Eben haben sich Nationalrat und Ständerat ihre neuen Spitzen gewählt, den höchsten und den zweithöchsten Schweizer, den Nationalratspräsidenten eben, der die Grosse Kammer für ein Jahr präsidiert und der dann am 5. Dezember die Bundesversammlung zu leiten hat, in der zwei neue Bundesräte oder eben Bundesrätinnen erkoren werden. Und sehr wahrscheinlich werden es zwei Frauen sein, die in den Bundesrat einziehen werden. Noch wird in den Medien spekuliert. Noch soll nicht alles seinen normalen Lauf nehmen. Was wohl unwiderruflich eintreten wird, die Wahl von Karin Keller-Sutter nämlich wird wider besseres Wissen infrage gestellt, um doch noch etwas Spannung aufkommen zu lassen. Ja, es könnte sein, dass nach der Wahl einer CVP-Frau die Männer in der Bundesversammlung plötzlich doch noch Lunte riechen und zu verhindern trachten, dass plötzlich drei Frauen im erlauchten Kreis der Landesregierung sitzen werden.

Nur: Werden die Wägsten gewählt, sind Viola Amherd und Heidi Zgraggen über alle Zweifel erhaben, ist es auch Karin Keller-Sutter. Mitnichten. Es sind drei Politikerinnen, die zur rechten Zeit in der richtigen Partei am richtigen Flügel, aus der richtigen Region und überhaupt an der richtigen Stelle stehen. Es sind drei Frauen, die genauso wie die Männer im Bundesrat, wie Alain Berset, Ueli Maurer, Guy Parmelin und Ignazio Cassis Magistratenehren erlangen und es schaffen können, weil sie aus ihrer Region heraustraten, am politischen Tageslicht erschienen, nun ins Scheinwerferlicht von Bundesbern treten und sich dem aussetzen, was auf sie zukommt: totale Medienpräsenz. Das wird nicht allen gleich gut gelingen. Viola Amherd blies schon vor ihrer Nomination ein steifer Wind aus dem eigenen Kanton entgegen. Heidi Zgraggen wird ihre fehlende Verankerung in Bundesbern zum Vorwurf gemacht. Und Karin Keller-Sutter wird mit ihrer Beflissenheit konfrontiert werden. Nicht ganz ausgemacht ist aber lediglich noch, ob es Viola Amherd oder eben doch Heidi Zrgaggen schaffen wird. Die Urnerin wäre die grössere Überraschung. Beinahe wie ein weiblicher Willi Ritschard kommt sie daher, aus einem Regierungsrat direkt in die oberste Landesregierung. Unverkrampft, purlimunter.

Eines ist aber ganz sicher: Am 5. Dezember wird wieder Weisswein fliessen und es wird auch Tränen geben. Und genauso sicher ist auch, dass Ueli Maurer zum zweiten Mal zum Bundespräsidenten gewählt wird. Auch wenn er keine Lust auf ein Fest in seiner Gemeinde Hinwil hat. Dafür ist in seinem ersten Departement, im VBS, ja schon genug Weisswein geflossen. Dafür kann er jetzt als Finanzminister sparen, auch wenn die Zürcher Steuerzahler die Fete hätten berappen müssen.

Kommentare

"Kä Luscht." Da kenne ich aus früheren Jahren eine Partei namens LdU, die am Politisieren plötzlich keine Lust mehr hatte. Oder waren es andere Gründe, Herr Schaller?
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