28.07.2018 - Joseph Auchter

Ein Gaudi im Schloss Hallwyl

Eine bezaubernde Kulisse, Rossinis „Cenerentola“ in einer köstlichen Inszenierung mit viel Herzblut, dazu ein lauschiger Sommerabend: Mein Herz, was willst du mehr! 

 2003 feierte der Kanton Aargau sein 200-Jahrjubiläum mit Mozarts Singspiel „Die Entführung aus dem Serail“. Und der Verein Oper Schloss Hallwyl nahm dies 2005 zum Anlass, alle drei Jahre eine Oper oder ein Singspiel aus der Taufe zu heben, die allseits Vergnügen bereiten und den kulturellen Stolz der Region vergegenwärtigen soll. Dies ist der Präsidentin Esther Egger dank dem Schulterschluss mit namhaften Sponsoren und einer Heerschar von Beteiligten mehr als gelungen. 

Offenbar ist Rossinis schmissige Aschenputtel-Umsetzung aus dem Jahre 1817 sogar einem Publikums-Voting entsprungen. Das hochsommerliche Wetter ist den einen Leid, den andern pure Freude. Und so wurde die Premiere zu einem grandiosen Erfolg. Der Schlosshof mit seiner ausladenden Zuschauertribüne erweist sich auch akustisch als vorteilhaft, wozu das rückseits unter und hinter die Vorbühne platzierte Orchester der Argovia Philharmonic unter Chefdirigent Douglas Bostock eine wunderbar austarierte Balance bietet.

Schloss Hallwyl mit Chor und Solisten bei der Premiere von Rossinis "Cenerentola" 

Das Regieteam mit dem Wiener Johannes Pölzgutter, dem Bühnenbildner Manuel Kolip, der Kostümbildnerin Janina Ammon und dem Lichtdesigner David Hedinger trug wesentlich dazu bei, dass der musikalische Spass mit prallen Figuren voller Spielwitz und schillernd überdrehten Kostümen auch zur Augenweide wurde. Die Grenzen zwischen leichtfüssig perlender italienischer Opera Buffa und alpenländischem Klamauk sind fliessend. Umso mehr ergötzte allermeistens die filigrane Personenführung.

Richtige Braut und falscher Prinz zum Festmahl geladen / Fotos © Ingo Höhn

Natürlich ist als Aschenbrödel Angelina keine Bartoli zu erwarten, das wäre auch völlig vermessen. Doch das Ensemble weiss sehr wohl mit überaus präzisen Couplets und sauber gestalteten Arien aufzuwarten, selbst wenn die Koloraturen gesangstechnisch nicht immer belcantistisch ausgefeilt sein mögen. Doch wer noch die in alle Verästelungen vibrierende Ponnelle-Inszenierung aus dem Zürcher Opernhaus in Erinnerung hat, erkennt durchaus Parallelen, z.B. beim tölpelhaften Don Magnifico (von Noé Colin Arvizu ergötzlich verkörpert), bei der Tisbe von Anna Nero (da sitzt jede auch noch so exaltierte Geste), bei ihrer aufgetackelten Schwester Clorinda (Leonor Amaral: eine Teamplayerin von hirnrissiger Blödheit).

Einer gegen alle: Don Magnifico berserkert gegen Alidoro, Dandini, Don Ramiro, Angelina

Der Belcanto-Tenor John-Colyn Gyeantey weiss seine Tessitura-Höhe mit dem nötigen Aplomb und feinem Schmelz einzusetzen, und sein noch sehr junger Diener (und vertauschter Prinz) Alexandre Beuchat zeigt überdies auch komödiantisches Profil. Nicht zu vergessen ist der Philosoph und Rädelsführer Alidoro, von Yoshiaki Kimura als Charakterrolle trefflich eingefügt. Die Angelina ist mit der Polin Wioletta Hebrowska menschlich sehr anrührend besetzt. Dass sie in Sachen Virtuosität den einen oder anderen Wunsch offen lässt, spielt aber überhaupt keine Rolle. Denn was zählt, ist hier eine Ensembleleistung, bei welcher der Funke jederzeit überspringt. Das gilt auch für den von Markus Hein bravourös gestaltenden halbprofessionellen Männerchor. Das Kränzchen gebührt aber auch der Argovia Philharmonic und Douglas Bostock, welche mit anfeuerndem Drive die moussierende Komödie zum musikalischen Erlebnis machen. Der Oper Schloss Hallwyl ist eine erfolgreiche Spielzeit zu wünschen.          

Weitere Vorstellungen: Juli 28, 29, 31

August 2, 3, 4, 7, 8, 9, 10, 11, 15, 16, 17, 18, 21, 22, 23, 24, 25

 

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