26.02.2019 - Adalbert Hofmann

Es lebe der Sport!

Satirische Gedankensplitter: Es darf geschmunzelt werden!

«Es lebe der Sport!» schrie der Sänger Rainhard Fendrich in einem seiner Lieder einst ins Mikrofon. Und das Publikum grölte in den Konzerten begeistert mit, «der is gesund und macht uns hort!»

Nun, niemand will ernsthaft bestreiten, dass der Sport - einst auf gut Deutsch «Leibesertüchtigung» genannt - grundsätzlich gesund ist. Wenn er vernünftig betrieben wird! Denn in seinem Gefolge sind eben auch die Blessuren, Verstauchungen, Brüche, Abnützungen an Skelett oder Gelenken, kann – wenn‘s ganz bös kommt - der Rollstuhl drohen. Da ist‘s vorbei mit «gesund».

Auch dass der Sport laut Fendrich «hart macht» lässt sich nicht wegdiskutieren und zeigt sich darin, dass in jüngerer Vergangenheit ganz neue «Sportarten» - eben harte - zu den etablierten hinzugekommen sind: nicht auf Tartan und Schnee, nicht auf Rasen und Eis, sondern daneben. So ein «Wettkampf» beginnt in der Regel mit Saufen-bis-das-Bier-ausläuft, und dann geht‘s richtig rund: Tribünen-Sitze-abmontieren, Gitter-niederreissen, Feuerwerkkörper-zünden, Anhänger-des-Gegners-verprügeln, Schiedsrichter-bespucken, Fahnen-verbrennen, 1000-Grad-heisse-Fackeln-ins-Publikum-werfen usw. Diese letzte Disziplin soll dem Vernehmen nach zusammen mit Pfefferspray-gegen-Sicherheitsleute-spritzen nächstens ins olympische Programm aufgenommen werden…

Vor dem Stadion kommt es als Höhepunkt zum Katz-und-Maus-Spiel-mit-der-Polizei, und nach dem Strasse-und-Tramgeleise-Blockieren folgt auf der Heimfahrt das Extrazug-demolieren. Wer dazu noch im Stand ist, frönt weiter dem Saufen-bis-das Bier-ausläuft. Und falls sie ihr Bett innert nützlicher Frist noch finden, werden sich diese Idio… - sorry: Fans in der Gewissheit zur Ruhe legen, einen sportlichen Tag hinter sich zu haben. (Auch wenn sie das Car-verschmieren-und-zerkratzen dummerweise diesmal ganz vergessen hatten.)

Die Folge: In ermüdender Regelmässigkeit hauen Politik, Sportverbände, Städte, Stadionbesitzer und die Bundesbahnen verbal auf den Tisch und verkünden lauthals, so könne es nicht mehr weiter gehen. An runden Tischen (die in Wahrheit vermutlich eckig sind) werden Ideen gewälzt, wie dieser Sorte «Fans» auf die Finger geklopft werden könnte. Es wird geredet und geredet und geredet. Wenn es dann allerdings ernst gilt, passiert - nichts. Aber wenn nichts passiert, passiert es eben immer wieder…

Dabei wäre alles eigentlich ganz einfach: Die Anwendung der «Sportart» Einsperren-und-fünf-Tage-hinter-Gittern-behalten würde Wunder wirken, denn in aller Regel sind Arbeitgeber oder Schulen nicht sehr schnitzig auf solche «Fans» in ihren Reihen. Übrigens: Fan bedeutet «begeisterter Anhänger», aber diese Spezies ist nicht Anhänger eines Klubs, sondern bestenfalls von sich selber.

Es wäre ganz übel, wenn eines unschönen Tages «Es lebe der Sport!» durch einen andern Kalauer abgelöst würde, wenn «Sport ist Mord!» in böser Realität enden würde.

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Gastautor: 
Adalbert Hofmann

Kommentare

:-) Wir könnten diese "Fans" direkt im Stadion aufeinander losgehen lassen - wozu noch das Spiel vorher? :-) Moderne Gladiatorenkämpfe, nur dass die Teilnehmer freiwillig dabei wären.... (Ende Satire)

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