19.09.2018 - Linus Baur

Frühzeitige Planung unumgänglich

Wohnen im Alter kennt viele Formen und hat viel mit Individualität zu tun. Die 14. Zürcher Alterskonferenz des ZRV im Volkshaus beleuchtete das Thema auf vielfältige Weise.

Heute gibt es verschiedene Wohnformen im Alter. Wichtig ist, jene Wohnform zu finden, die zu einem passt. Und wichtig ist, sich frühzeitig Gedanken über die jetzige und künftige Wohnsituation zu machen. Das ist das Fazit der 14. Zürcher Alterskonferenz im Zürcher Volkshaus, das dem Thema «Zukunft Wohnen» gewidmet war. Organisiert wurde der Anlass vom Zürcher Senioren- und Rentner-Verband ZRV. Gekommen waren gegen 300 Besucherinnen und Besucher.

Wohnbedürfnisse rechtzeitig ermitteln

Auf dem Programm standen verschiedene Kurzreferate. Das erste Referat war dem Thema «Bedürfnisgerechte Planung einer altersgerechten Wohnung» gewidmet. An zwei Fallbeispielen, einem 85jährigen Witwer und einer 78jährigen Witwe, illustrierte Ute Ziegler, Kunsthistorikerin und Innenarchitektin, die unterschiedlichen Bedürfnisse bei der Frage nach der geeigneten Wohnform im Alter. Im ersten Fall (Wohnen zu Hause) stand Inspiration, Chaos und Kreativität im Vordergrund, im zweiten Fall (Wohnen im Altersheim) Ordnung, Struktur und Sicherheit. Wichtig ist für die Referentin, dass rechtzeitig die eigenen Wohnbedürfnisse ermittelt werden, allenfalls unter Mithilfe einer Mediation. Daraus lassen sich individuell der Bedarf und die Anforderungen für die passende Wohnform im Alter ableiten.

Auf dem Podium (v.l.): Thomas Keller, Hans Egloff, Anton Schaller (Gesprächsleitung), Natalie Imboden.

Grossen Wert legte Ute Ziegler auf die frühzeitige Beschäftigung mit den möglichen Einschränkungen im Alter, die für das Wohnen im Alter entscheidend sind. Dabei erwähnte sie den von Forschern entwickelten Alterssimulationsanzug GERT, der die Möglichkeit bietet, typische Einschränkungen von älteren Menschen wie Gelenkversteifung, Eintrübung der Augenlinse, Schwerhörigkeit usw. auch für Jüngere erlebbar zu machen.

Keine Benachteiligung der älteren Generation

Thomas Keller, Leiter Marktgebiet Privatkunden und Private Banking bei der Zürcher Kantonalbank, sprach über die Finanzierung von Wohneigentum im Alter. Er widersprach Medienberichten, wonach ältere Hauseigentümer in Sachen Finanzierbarkeit des Wohneigentums benachteiligt würden. Eine Aufstockung der Hypothek sei bei der ZKB in aller Regel möglich, im Gespräch finde man immer eine Lösung, und plädierte wie seine Vorrednerin für eine frühzeitige Planung der geeigneten und finanzierbaren Wohnform im Alter. Zudem wies er auf die verschiedenen Möglichkeiten hin, das eigene Haus zu behalten, zu verkaufen, den Kindern zu übergeben oder einen Ersatzkauf zu tätigen.

Nationalrat Hans Egloff, Präsident des Schweizerischen Hauseigentümerverbandes HEV mit rund 330 000 Mitgliedern), warb ebenfalls für eine frühzeitige Auseinandersetzung (ab 50 Jahren) mit der passenden Wohnform im Alter. Eine Möglichkeit ist der Wechsel in ein Generationenhaus wie die Giesserei in Winterthur mit 150 Eigentumswohnungen. Auch der Umzug in eine Mietwohnung ist für Egloff eine echte Alternative. Sodann befasste er sich eingehend mit der zur Diskussion stehenden Abschaffung des Eigenmietwertes. In den letzten Jahren sind verschiedene Versuche gescheitert, den Eigenmietwert abzulösen. Der von der Ständeratskommission erarbeitete Vorschlag sei eine tragfähige Lösung, die vom HEV unterstützt werde, sagte Hans Egloff, auch wenn die Unterhaltskosten für den Hauptwohnsitz nun nicht mehr abzugsfähig seien.  

Kein «Einheitsbrei» zwischen Stadt und Land

Regierungsrat Markus Kägi erläuterte das Wohnen im Alter aus raumplanerischer Sicht. Der Kanton Zürich stehe angesichts der stark wachsenden Bevölkerungszahl und der steigenden Komfortwünsche vor grossen Herausforderungen, die unterschiedlichen Wohnungsansprüche und die dafür erforderliche Infrastruktur raumplanerisch sinnvoll und nutzbringend zu bewältigen und zu gestalten. Dabei dürfe kein «Einheitsbrei» zwischen Stadt und Land entstehen.

Gegen 300 Besucherinnen und Besucher lauschen den Ausführungen der Referenten. (Fotos: Hans Zürrer)

Mit Blick auf das Wohnen im Alter gilt es, den bestehenden und neu zu bauenden Wohnungsraum bedürfnisgerecht zu nutzen. Konkret: mehr kleinere, moderne Wohnungen für ältere Menschen schaffen, die Wohnmobilität unter der älteren Generation fördern, die Raumentwicklung den veränderten Verhältnissen nachhaltig anpassen, altersgerechte Wohngebiete mit Pflegemöglichkeit gestalten, die Durchmischung gewährleisten und die Nachbarschaftshilfe fördern. Auch Kägi warb für frühzeitige Information und Planung der passenden Wohnform im Alter.

Mehr bezahlbare Wohnungen erforderlich

«Wohnen ist ein Grundbedürfnis», betonte Natalie Imboden, Generalsekretärin des Schweizerischen Mieterinnen- und Mieterverbands MV, zum Schluss. Und: «Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum». Sie mahnte, dass zwei Drittel der Bevölkerung in Mietwohnungen leben, dass die Mietpreise in den Städten und Agglomerationen ungebremst in die Höhe schiessen und für viele junge und ältere Menschen unbezahlbar sind. Mit der Initiative «Mehr bezahlbare Wohnungen», die der Bundesrat übrigens ablehnt, wolle der MV den gemeinnützigen Wohnungsbau mit raumplanerischen Vorgaben, Bauland und Darlehen fördern. Die Politik müsse endlich handeln und den preisgünstigen Wohnungsbau fördern.

In der anschliessenden, von ZRV-Präsident Anton Schaller geleiteten Fragerunde wurde unter anderem an die Eigenverantwortung bei der Suche nach der geeigneten Wohnform im Alter appelliert. Strittig blieb die Frage, ob der Wohnungsmarkt richtig funktioniere und der Bund für bezahlbare Wohnungen mehr unternehmen müsse. Der anschliessende Apéro, umrahmt mit Liedern des Chors MusicaViva, bot die willkommene Gelegenheit, sich auszutauschen und das Gehörte zu vertiefen.

Abonnieren Sie unseren Newsletter seniornews: 
Nach Oben