20.12.2018 - Beat Probst

Gedanken zum Umweltbericht 2018

Da hatte ich vor kurzem die Ehre und Pflicht, im Gedenken an einen geschätzten, verstorbenen Freund zu einem Erinnerungslunch einzuladen.

Man muss wissen, dass mein Freund ein sehr kritischer Zeitgenosse war und alles andere als oberflächlich und dem Mainstream ergeben. Als er noch lebte, hatte ich mit ihm regelmässig intensive Diskussionen über Wirtschaft, Politik, Umwelt und vieles anderes mehr geführt.

Da waren wir enge Freunde des Verstorbenen also beisammen beim Erinnerungsessen. Wir diskutierten – wie mit dem verstorbenen Freund jeweils - auch aktuelle Themen aus Politik und Gesellschaft, unter anderem auch über unsere Ernährung. In diesem Zusammenhang berichtete ich über den eben erschienenen «Umweltbericht 2018» der Schweizerischen Eidgenossenschaft (Umweltbericht 2018) .

Endlich wird zugegeben, dass der grösste Anteil der Umweltschäden durch die Art, wie wir uns ernähren, respektive mit allem, was an der industriellen Landwirtschaft hängt, verursacht wird; deutlich vor Verkehr, Wohnen und anderen Ursachen. Ausserdem wird verdeutlicht, dass wir einen Grossteil der negativen Folgen unseres überbordenden Lebensstils (Stichworte Vielfliegerei, Wegwerfgesellschaft), gemessen als Footprint (Wikipedia Footprint), also wieviele Erden wir verbrauchen, ins Ausland transferieren. Also an andere weiterreichen, z.B. mittels Rohstoffbeschaffung, billige Arbeitskräfte für unsere Konsumgüter, etc.

Das ist zwar alles nicht überraschend für kritische Betrachter/innen, aber doch einigermassen neu in dieser Offenheit von hochoffizieller Stelle zu vernehmen, wenn auch noch sehr zaghaft formuliert.

Auch namhafte Nichtregierungsorganisationen(NGOs) wie z.B. WWF und Greenpeace glänzen bis heute nicht darin, mit Klarheit und Offenheit darüber zu informieren. Selbst von der Grünen Politik ist das selten bis nie deutlich vernehmbar.

Noch immer wird gegen Vegetarismus und Veganismus gewettert, obwohl bei umsichtiger, verantwortungsbewusster und unabhängiger Betrachtung klar ist, dass dies zahlreiche Probleme wie Umweltschäden, Gesundheitsprobleme (u.a. viele Krebsarten, Übergewicht bereits bei Kindern, Antibiotikaresistenzen), Gewalt und Grausamkeiten (u.a. Kinderhunger, Massentierquälerei in der Nutztierindustrie, Stellvertreterkriege) beseitigen und/oder entschärfen kann.

Unser Konsum ist schon längst keine persönliche Freiheit mehr, weil er massiv auf Kosten anderer stattfindet. Würden wir uns gleich verhalten, wenn es unmittelbar und heute schon uns und unsere Kinder treffen würde? Es ginge uns gesundheitlich und längerfristig auch wirtschaftlich besser. Die Umstellung dahin schaffen wir auch, bei Allokation der Investitionen in nachhaltige Projekte und Geschäfte, z.B Richtung pflanzenbasierter Agrarwirtschaft statt zerstörerischer Massentierproduktion und Pestizideinsätze (siehe Dokumentationen z.B. Dominion / Earthlings / Cowspiracy zum täglichen Höllenwahnsinn Massentier-Qual-Industrie).

Wieviele Klimagipfel, Berichte und Warnungen kompetenter, unabhängiger, besorgter Wissenschafter braucht es? Wann schaffen wir einen beherzten Schritt hin zu Vernunft und Respekt? Wenn nicht wir (wir verbrauchen im Schnitt drei Planeten), wer dann?

Ich würde liebend gerne erleben, wie wir Molière («Der Menschenfeind», Komödie, 1666) widerlegen, der sagte: „Wir Menschen gelten als vernünftige Wesen, wer das behauptet, ist nie Mensch gewesen!“

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