18.11.2013 - Bernadette Reichlin

Gräser als Gartengestalter

Der Garten im November. Jetzt kehrt im Garten Ruhe ein. Und eine gewisse Eintönigkeit. Dafür zeichnen nun Gräser filigrane Bilderund erstarren im Frost zu bizarren Kompositionen.

Bis jetzt sind wir, von einigen Schneeflocken abgesehen, vom Winter weitgehend verschont geblieben. Trotzdem aber müssen nun alle wärmeliebenden Pflanzen gut versorgt oder geschützt werden. Mit der schützenden Decke um den Feigenbaum warte ich allerdings, bis wirklich tiefe Temperaturen angesagt sind. Erstens steht er noch voll im Laub und zweitens wird er so etwas abgehärtet und auf die kommende kalte Zeit eingestimmt.

Schmollende Südländer

Aber meine Südländer, die sind jetzt alle in den Wintergarten geräumt. Das ist jedes Jahr ein rechtes Stück Arbeit. Und Dankbarkeit ist gar keine zu erwarten. Die Oleander stehen steif und beleidigt hinter den Glasscheiben und weigern sich seit zwei Wochen, ihre Blätter nach der Helligkeit auszurichten.

Meine Dipladenia, die ich im Frühjahr geschenkt bekommen habe und die seither unermüdlich Blüte um Blüte produziert hat – gelbe, was immer noch eine Rarität ist, weil es gelbe Dipladenien erst seit 2011 gibt – schmollt offensichtlich und hat das Blühen eingestellt.

Die Zitronenbäume behalten ihre Laubblätter eingerollt, obwohl sie jetzt wieder gegossen werden. Draussen mussten sie einige Zeit Durst haben, damit die Töpfe für den Transport etwas leichter wurden. Sie werden ihr Winterquartier noch zu schätzen wissen, wenn die ersten Frostnächte draussen den Garten in eine Eislandschaft verwandeln.

Wunderbare Momente

Irgendwie freue ich mich darauf – und auf meine Gräser. Wenn alles blüht und grünt, geben sie optisch nicht so viel her, sind mehr so Lückenbüsser zwischen den Rosen und als Abschluss einer Rabatte. Aber an Frosttagen, wenn sich der Morgennebel in glitzernden Reif verwandelt hat, der jedes noch so kleine Blättchen überzieht, dann sind die Gräser die Diven im Garten.

Meine Pennisetum mit den borstigen Blütenständen wird dann zu einer filigranen Eisskulptur, die im Sonnenlcht glitzert. Für eine kurze Zeit nur, denn dann schmelzen die Eiskristalle und die feinen Lampenputzer-Blüten sind einfach wieder braun.

Vielleicht ist das im Leben so: Die wunderbaren Augenblicke, die, die einem den Atem rauben, die dauern nicht lange. Was dann bleibt, ist die Erinnerung – und die Hoffnung, dass sich das kleine Wunder wiederholt. Bei den Gräsern ist das gut möglich, am nächsten eiskalten Wintermorgen.

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