17.07.2016 - Anton Schaller

Nach den Horror-Tagen

Werden es die Frauen richten?

Sie rücken immer stärker in den Fokus des Weltgeschehens: Angela Merkel und Theresa May, die neue britische Premierministerin. Und bald wird möglicherweise das Duo zu einem Trio ergänzt werden. Ein Trio, das durch Hillary Clinton, als US-Präsidentin, als die tatsächlich mächtigste Frau, als die mächtigste Person der Welt überhaupt, angeführt werden könnte. Alle drei zeichnet etwas aus, das die Welt so dringend braucht: soziale Verantwortung und insbesondere Nüchternheit.

Angela Merkel, die bisher mächtigste Frau der Welt, macht es seit 11 Jahren vor: Unaufgeregt, als Physikerin immer analysierend, ist sie beinahe alternativlos in Deutschland geworden. Nur einmal reagierte ihr Herz über ihren Verstand, als sie es nicht mit ansehen konnte, wie tausende Flüchtlinge die Autobahnen zu Fuss fluteten und von Ungarn gegen Deutschland strömten. Sie öffnete die Grenzen und hiess sie willkommen. „Deutschland, wir schaffen das.“ Selbst diese Aktion, die Deutschland vor eine riesige Bewährungsprobe stellte und dem Land mit der „Alternative für Deutschland“ AfD eine neue ernstzunehmende Partei bescherte, vermochte sie bisher schadlos zu überstehen. Auch wenn ihr aus München ein steifer Wind entgegen bläst, sie bleibt unbestritten die Nummer eins in unserem Nachbarland. Horst Seehofer hin oder her. 

In Grossbritannien hat ebenfalls eine kinderlose Pfarrerstochter das Heft in die Hand genommen. Theresa May fackelte nicht lange. Nüchtern stellte sie sich ihrer letzten Widersacherin, die sie als kinderlos zu diskreditieren versuchte. Nüchtern trug sie ihre erste und letzte Rede zur ihrer Kandidatur vor, schlug für eine Konservative erstaunlich sozialdemokratische Töne an, versprach die Ungleichheit im Land zu beseitigen, geisselte die hohen Managerlöhne, verspottete die politischen Allgemeinplätze Privilegierter, versprach neue Häuser, besser Schulen, eine neue Wirtschaftspolitik. Und als sie in den Regierungssitz eingezogen war, bestellte sie sofort ihr Kabinett, schasste als Absolventin einer Volksschule Männer, die Privatschulen und Eliteuniversitäten durchlaufen hatten.

Nicht genug: Nüchtern berief sie Exponenten der Brexit-Kampagne in ihre Regierung. Die sollen mit Brüssel zurande kommen, die sollen die Suppe auslöffeln, die sie sich selbst eingebrockt haben. Und Boris Johnson, der wohl wichtigste Brexit-Befürworter, darf nun als Aussenminister selbst zu den Staatsfrauen und -männern reisen, die er in seiner unflätigen Art bisher verspottet hat; er darf sich zuerst mal entschuldigen gehen. Theresa May als Erzieherin. Die Parallelen zu Angela Merkel sind unverkennbar. Auch sie hat es den Männern in der CDU/CSU gezeigt, wo es lang geht. 

In den USA wird nun ein wohl schmutziger Wahlkampf einsetzen, bevor das Welt-Frauen-Trio entsteht. Donald Trump, der 70-Jährige, wird in dieser Woche wohl zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner nominiert werden. Hillary Clinton wird durch eine Hölle der Verunglimpfungen gehen müssen. Wenn sie durchhält, wenn sie die sozialpolitischen Forderungen von Bernie Sanders, ihrem letzten Widersacher bei den Demokraten, tatsächlich aufgreift, sich der Politik von Merkel und May annähert, kann sie es schaffen, kann sie an die Spitze des Trios gelangen. 

Werden es diese Frauen richten, werden sie dem Horror des Terrors, wie wir ihn gerade in Nizza wieder hautnah erleben mussten, etwas entgegenstellen können? Werden sie die Kraft haben, dem IS, dem Islamischen Staat, Einhalt zu gebieten, ihn gar zu vernichten? Werden sie den türkischen Präsidenten Erdogan besänftigen, ihn von seiner ungebremsten Sucht nach alleiniger Macht, die er nach dem erfolglosen Putsch vom Wochenende gegen ihn, bereits voll zu Geltung brachte, abhalten können? Werden sie Männer, wie eben Erdogan, wie Putin, in das Lager der Demokraten zurückführen können? Wenn jemand das kann, dann sind es die Frauen: Merkel, May und Clinton.

Abonnieren Sie unseren Newsletter seniornews: 
Nach Oben