12.12.2017 - Judith Stamm

Neuigkeitencocktail

Täglich, stündlich, minütlich fliegen sie uns zu, die Nachrichten von überall her. Auf allen Kanälen und in Gesprächen. Wie nur schaffe ich „Ordnung im Fadezeinli“?

Wenn ich Tageszeitungen durchblättere, Radionachrichten höre, im Internet auf „News“ klicke, komme ich mir vor wie meine alte Freundin aus Kalifornien. Sie bewohnte ein Haus nahe am pazifischen Ozean und war Besitzerin einer Zahl überraschender Fundstücke. Alle seien durch die Jahre hindurch vom Meer angeschwemmt worden, erzählte sie jeweils.

Für mich sind auch Nachrichten manchmal wie solche Fundstücke, die erst richtig Profil gewinnen, wenn ich sie mir mehrere Male und in verschiedener Form zu Gemüte führen kann. Was war nun die Ausbeute der letzten Tage?

Um zuerst die „Glocken der Heimat“ zu läuten: Die Pilatus-Werke in Stans haben die Zulassung für ihr neuestes Flugzeug, Pilatus Jet PC 24, bekommen, gleichzeitig von der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) und der entsprechenden Behörde aus den USA (FAA). Darüber konnte ich mich mehrfach informieren. Bilder zeigten das neue Flugzeug, aber auch den stolzen Unternehmer Oscar Schwenk. Elfeinhalb Jahre wurde an dem Projekt gearbeitet. Der aktuelle Erfolg krönt den unternehmerischen Einsatz!

Etwas weniger fröhlich stimmte mich die Überschrift: „MS Diamant schrammt Felsen“. Auch darüber hatte ich mehrmals gelesen, von der kleinen Meldung bis zum Informativen Artikel mit Bild. Wie konnte das nur passieren? Ich gebe es zu, als ich am Tag darauf den stolzen Schwan, das Prestigeschiff des Vierwaldstättersees, von weitem in der Werft liegen sah, war ich traurig. Trotzdem las ich die Beschreibungen des Unfalls, der Kollision mit einem Felsen, mit Spannung. Und dass die Polizeitaucher noch in der Nacht die entstandenen Löcher abgedichtet und das Schiff transportfähig gemacht hatten, erfüllte mich mit Befriedigung. Genauso wie die mustergültige Arbeit der Feuerwehr, die das Wasser abpumpte. Es waren mehrere Feuerwehrkorps im Einsatz, aber die Zusammenarbeit habe sehr gut geklappt. Das ist ja das Unwahrscheinliche, das wir immer als Selbstverständlichkeit zur Kenntnis nehmen: Wenn etwas passiert, sind die Rettungskräfte rasch vor Ort und „es klappt“.

Ich habe auch Gespräche als Informationsquelle genannt. Mit drei Kolleginnen habe ich mich in diesen Tagen zum Spielen getroffen. Natürlich konzentrierten wir uns auf den Spielverlauf, es handelte sich um „Dog“. Aber jede steuerte noch ihren „dernier cri“ an Informationen bei. Und siehe da, natürlich landeten wir auch bei der „MeToo-Debatte“, die inzwischen auch auf die Schweiz übergeschwappt ist. Unsere Prognose: So schnell wird die Auseinandersetzung mit diesen Vorkommnissen nicht abflauen. Sie sind unakzeptabel. Sie geschehen immer wieder. Wie sind sie einzuordnen, wie gehen wir in Zukunft damit um?

Aber es wollten noch weitere Themen besprochen werden: die Fortsetzung der Brexit-Verhandlungen, die Verleihung des Friedensnobelpreises an ICAN, samt Nebengeräuschen, das „Neueste vom Präsidenten“, die Gefährdung der Maisernte in weiten Teilen Afrikas durch eine Raupe....

Und plötzlich stimmten wir alle ins Lob unserer Auslandkorrespondentinnen und Auslandkorrespondenten ein. Von ihnen fühlten wir uns gut informiert. Jede konnte zwei, drei, vier Namen beisteuern. Sie kamen uns vor wie gute Bekannte. Wir hatten nicht dieselben Favoriten. Aber einig waren wir uns darüber, dass sie ausgezeichnete Arbeit leisteten, in Zeitungsartikeln, in Fernsehbeiträgen, in Radiointerviews. Welche Leistung, ein solch umfassendes Korrespondentennetz, das sich über die ganze Welt spannt, aufzubauen und zu unterhalten!

Am Anfang habe ich gefragt, wie schaffe ich „Ordnung im Fadezeinli“ der Neuigkeiten? Mein Fazit ist, dass sich die Ordnung selbst schafft. Durch die Art, wie die Nachrichten im Gedächtnis hängen bleiben. Wie sich Wichtiges von weniger Wichtigem und Unwichtigem von selbst trennt. Das hängt mit dem Hintergrund der empfangenden Person zusammen, mit deren Interessen, Eignungen und Neigungen.

Und es kann geschehen, dass gemessen am Weltgeschehen Unwichtiges eben doch wichtig wird, weil unser Gemüt beteiligt ist. Wie etwa bei der Havarie des Motorschiffes Diamant. Schon zwei Mal habe ich ja dieses Jahr über dieses Schiff für Seniorweb geschrieben. Welche Anhänglichkeit. Unbelievable!

 

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