30.11.2018 - Erica Benz-Steffen

Nie mehr beige

Fotografien sind erfahrungsgemäss nicht immer schmeichelhaft. Trotzdem war ich schockiert, als ich mich kürzlich auf verschiedenen Gruppenfotos gesehen habe.

Haare beige (auf dem Foto), Gesichtsfarbe ebenfalls, Kleider hell, was auch als beige durchgehen konnte. Mein Fazit aus dieser Wahrnehmung: nie mehr beige.

Im Alter verändert sich so manches, das lässt sich weder wegreden noch übersehen. Das betrifft leider auch die Figur. Die Hüften sind runder, die Taille hat sich verabschiedet, und auch die Rückseite ist nicht mehr so straff. Zwar wollen einem die Ratgeber einreden, dass man mit ein bisschen cremen, gezielten Übungen und der richtigen Diät alles wieder in den Griff bekommt. Aber irgendwann muss (fast) jede Frau wählen zwischen Kasteien und Lebensgenuss.

Hat man sich mal damit abgefunden, dass sich die Kleidergrösse geändert hat und kurze Röcke und hautenge Hosen nur noch lächerlich wirken, beginnt das Problem. Wo finde ich etwas Passendes für mein Alter, das auch noch zahlbar ist. Die einschlägigen Ketten sind keine Option. Dort ist man mit 40+ bereits abgehängt, von älteren Jahrgängen ganz zu schweigen. Lautstärke und Wahl der Musik sind zudem eine echte Tortur.

Bleiben die konventionellen Modeläden, sofern sie noch überlebt haben und nicht im hochpreisigen Shop-in-shop-System aufgegangen sind. Was erwartet uns dort? Farben scheinen ab einem gewissen Alter tabu zu sein. Beigetöne in allen Schattierungen mit Namen getarnt wie camel, (habe noch nie so blasse Kamele gesehen) sand, creme, caramel, schlamm, nicht zuletzt haut-(bzw.fleisch-)farben, besonders beliebt für Wäsche.

Das gilt übrigens auch für Männermode: Beige Wanderjacken, beige Freizeithosen, beige Socken, die in beigen Sandalen stecken, werden widerstandslos getragen und prägen das Bild.

Warum sollen sich ältere Menschen unauffällig kleiden? Hat das damit zu tun, dass die Gesellschaft sie am liebsten unsichtbar machen würde? Im Strassenbild fällt man so ja kaum noch auf.

Einschlägige Frauenzeitschriften empfehlen Lila, weil es gut zu grauen und weissen Haaren passt oder den eingefärbten leichten Lilaton aufnimmt. Wer Akzente setzen möchte, auch das in Magazinen zu lesen, wählt Rot: besonders beliebt für Schuhe, dem Alter angemessen in bequemer Passform. Ich persönlich reagiere auf Knallrot allergisch und kann gut nachvollziehen, dass Stiere diese Farbe aufreizend finden.

Schon Rotkäppchen hat mir nicht gefallen, weil ich bereits als Kind grosse Sympathie für Wölfe gehegt habe.

Warum ist modische und zahlbare Kleidung für ältere Menschen kein Thema? Zara für Senioren wäre doch eine Idee für ein Startup und könnte generationenübergreifend aufgezogen werden. Ich hoffe, jemand greift die Idee auf. Ich wäre sofort dabei.

 

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Kommentare

Liebe Erica Benz
Da wäre ich auch sofort dabei und würde mich auch engagieren. "Madame" ist mir Zuwenig lässig - "Ula Pepkreen"'s -Zelte find ich nicht so toll und Marina Rinaldi ist mir zu teuer, wenn auch wirklich toll.
Vielleicht trinken wir einmal einen Kaffee zusammen und …… wer weiss was sich daraus ergibt.
Viele Grüsse und schon jetzt schöne Festtage
syhawe

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