16.01.2019 - Linus Baur

Rückkehr zu den Wurzeln

Das Schweizerische Literaturarchiv (SLA) in Bern erhält das Archiv des Begründers der Konkreten Poesie Eugen Gomringer.

Der schweizerisch-bolivianische Autor Eugen Gomringer kehrt gewissermassen zu seinen Wurzeln zurück. Der 94-jährige Dichter bringt sein gesamtes Archiv nach Bern, wo er in seiner Jugend studierte. Er bezeichnet Bern seit jeher als Ursprungsort seiner in den 1950er-Jahren begründeten konkreten Poesie.

Das Schweizerische Literaturarchiv (SLA), eine Sektion der Schweizerischen Nationalbibliothek (NB), betreut die Archive zahlreicher Schriftstellerinnen und Schriftsteller, darunter Friedrich Dürrenmatt, Blaise Cendrars und Anne-Marie Schwarzenbach. Das Archiv von Eugen Gomringer befindet sich zurzeit noch an dessen Wohnort Rehau in Bayern. Ein erster Teil wird in einigen Monaten in Bern eintreffen.

Am 23. Januar 2019 um 18.00 Uhr findet im Lesesaal der Nationalbibliothek in Bern dazu eine besondere Lesung statt. Eugen Gomringers Tochter, die international bekannte Dichterin, Lyrikerin und Essayistin Nora Gomringer, wird Gedichte ihres Vaters rezitieren. Musikalisch begleitet wird sie vom deutschen Jazzpercussionisten Günter Baby Sommer.

Eugen Gomringer wurde 1925 in Cachuela Esperanza als Sohn einer Bolivianerin und eines Schweizers geboren. Von 1944 bis 1952 studierte er Politologie, Ökonomie und Kunstgeschichte in Bern und Rom. In dieser Zeit gründete er zusammen mit Dieter Roth und Marcel Wyss die Zeitschrift Spirale. Mitte der 1950er-Jahre war er Sekretär des Schweizer Architekten, Malers und Designers Max Bill an der Hochschule für Gestaltung Ulm. Er präsidierte in den 1960er-Jahren den Schweizerischen Werkbund und ist seit 1971 Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. Eugen Gomringer lebt heute in Rehau in Deutschland. Mit seinem Sohn Stefan Gomringer gründete er das Institut für Konstruktive Kunst und Konkrete Poesie.

Ein ereignisreiches SLA-Jahr

2018 war ein ereignisreiches Jahr für das SLA. Neben den Beständen von Eugen Gomringer hat es die Archive des Zürcher Psychoanalytikers und Schriftstellers Jürg Acklin, von Donata Berra, einer Berner Autorin und Übersetzerin mit italienischer Herkunft, erworben. Aufgenommen wurden auch die Archive von Professor Bernhard Böschenstein und des Walliser Schriftstellers Pierre Imhasly, das literarische Archiv des Bündner Künstlers Gian Pedretti und die Bestände des jurassischen Dichters Pierre Voélin, sowie die beiden Institutionenarchive der Schiller-Stiftung und des Arche-Verlagsarchivs.

Das SLA wurde 1991 auf Anstoss von Friedrich Dürrenmatt gegründet und beherbergt zahlreiche literarische Nachlässe, Archive und Autorenbibliotheken des 20. und 21. Jahrhunderts.

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