20.07.2013 - Anton Schaller

Russland saniert Schweizer Firma

Überlebt Peter Saubers Traum dank Moskau?

Wer hätte das gedacht, wer hätte sich das vorstellen können? Noch vor 30 Jahren, gar 24 Jahren, bevor der Eiserne Vorhang fiel, wurden all denen, die sich in unserer helvetischen Geschlossenheit unwohl fühlten, „Moskau einfach“ beschieden. Sie sollten im Reich des Staatskapitalismus glücklich werden, wenn sie unser Staat, unsere Demokratie, nicht zufriedenstellte.

Dann fiel 1989 in Berlin die Mauer und der Eiserne Vorhang, der West von Ost trennte, wurde, welch Wunder, durch Gorbatschow gleichsam heruntergerissen. Der japanisch-amerikanische Schriftsteller und Ökonom Francis Fukuyama schrieb den Bestseller „Das Ende der Geschichte“.

Der Kapitalismus hatte endgültig über den Kommunismus gesiegt. Die ehemaligen Warschauer-Pakt-Staaten fanden und finden zunehmend Aufnahme in der Europäischen Union. Russland, das ehemalige Kernland der Sowjetunion, mauserte sich unter Schmerzen zur Demokratie, alles schien im grünen Bereich.

Und jetzt das? Putin, der unduldsame Herr im Kreml, restauriert sein Land, führt es präsidial in eine staatsgelenkte Demokratie zurück, nimmt Einfluss gar auf die Justiz, lässt Kritiker in fragwürdigen Prozessen vorführen. Das Land, wirtschaftlich nur stark dank seiner Ressourcen, wie Öl und Gas, schickt sich an, nach dem Westen zu greifen, mit Geld, und sei es nur, dass ein Sprössling eines entscheidenden Mannes im Riesenreich im Automobilsport nach den Sternen greifen kann. Millionen sollen nach dem zürcherischen Hinwil fliessen. Einem Schweizer Hightech-Unternehmen soll es das Überleben sichern. Oder präziser: Mit den Millionen soll Peter Saubers Traum, endlich in der Formel 1 nicht nur zu überleben, sondern auch zu reüssieren, in Erfüllung gehen.

Noch vor Kurzem machte der Bundesrat auf seiner Reise durchs Zürcher Oberland bei ihm, in seinem finanziell klammen Unternehmen, seine Aufwartung. Eveline Widmer-Schlumpf versuchte sich gar in das Cockpit eines Formel-1-Boliden zu zwängen, mit einigem Erfolg. Sicher ist aber eines: Geld liess sie nicht zurück. Das notwendige „Kleingeld“ fand Peter Sauber nun in Russland, im Reich des Bösen, wie es damals, vor 1989, hiess.

An der Bahnhofstrasse in Zürich war er nicht fündig geworden, obwohl gerade die UBS in den letzten Jahren den Automobilsport mit Millionen gesponsert hatte. So ändern sich die Gegebenheiten, so verschieben sich die wirtschaftlichen Einflussnahmen: eine Schweizer Firma am Gängelband russischer Wirtschaftskapitäne, gesteuert letztlich wohl direkt aus dem Kreml.

Die Herrschaften kommen nicht „Moskau-Zürich einfach“ in die Schweiz. Sie haben retour gelöst. Sie wollen wohl technischen Transfer für ihre zurückgebliebene Automobil-Industrie, sie wollen wohl Ansehen und mit dabei sei, wenn hunderte von Millionen am Bildschirm dabei sind, wenn der russische Sprössling am Steuer eines Sauber-Boliden dereinst auf den Rundkursen dieser Welt um die Wette kurvt. Im Hintergrund lässt die UBS auf grossen Transparenten grüssen, noch.

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