17.12.2018 - Eva Caflisch

Schmucksteine und Goldblumen im Grab des Buddha

Karma oder Nirvana sind Wörter aus dem "ABC des Buddhismus". Im Museum Rietberg kann man es lernen.

Statt des beliebten Saaltexts mit der Beschreibung der Objekte liegt in den Boxen am Eingang zur Ausstellung Nächster Halt Nirvana – Annäherungen an den Buddhismus eine Broschüre mit Begriffserklärungen zur Entstehung und Verbreitung des Buddhismus auf. Kleine und grössere Buddha-Figuren sind auch in unserem Alltag nicht zu übersehen, im chinesischen Restaurant, in der Nippes-Ecke, als Blumentopf oder Poster. Aber wer war denn dieser Buddha wirklich?

Shakyamuni geht ins Nirvana ein. Japan, Edo-Zeit, 18. Jahrhundert. © Museum Rietberg

Aus der Frühzeit ist wenig überliefert, aber er hatte vor zweieinhalbtausend Jahren in Nordindien gelebt und wurde dort auch begraben. Geboren und erzogen als der reiche Prinz Siddharta, floh er aus dem Palast seiner Eltern, nachdem er auf Ausflügen dem menschlichen Leiden, dem Alter, der Krankheit und dem Tod begegnet war und auf einem letzten Ausflug einen Mönch traf, der besitzlos und dennoch glücklich war. Er floh aus dem Palast und suchte in der Einsamkeit und der Askese die Erleuchtung. Aber erst nach harten Prüfungen erlangte er die höchste Erkenntnis und wurde zum Buddha, einem (zu höchster Weisheit) Erwachten. Er gab seine Erfahrungen als Lehrer weiter, bis er mit seinem Tod das höchste Ziel, das vollkommene Erlöschen erreichte und den Kreislauf der Wiedergeburten und damit des menschlichen Leidens verlassen konnte.

Revolutionärer Grundgedanke

Die Stationen dieser Vita sind an den Wänden eines Ausstellungsraums nachzulesen, als eine Art Comic Strip aus Japan. Die originale 14 Meter lange Bildrolle aus dem 18. Jahrhundert liegt teils aufgerollt mitten im Raum in einer Vitrine. Die Lehren des Buddha wurden zunächst jahrhundertelang mündlich überliefert, vermutlich wortgetreu. Bis heute sind die Kernaussagen über die Unbeständigkeit allen Seins oder den Ursprung des menschlichen Leidens gültig, während sich die Texte und Auslegungen im Lauf der Zeit und der Ausbreitung der Lehre veränderten und erweiterten.

Grüne Tara, Ming-Dynastie (1403-1424), feuervergoldete Messinglegierung, rechts: dieselbe Figur durchleuchtet © Paul-Scherrer-Institut) © Museum Rietberg

Schon zu Lebzeiten des Buddha hatten sich Gemeinschaften gebildet, welche dessen Lehre verbreiteten und nach festen Regeln lebten. Mönch oder Nonne konnten alle ungeachtet der Herkunft oder der Bildung werden, das war neu und revolutionär, wer seine Familie nicht verlassen wollte, wurde Laienanhänger. Durch die Berührung mit anderen Kulturen veränderte sich auch die Lehre des Buddha, aber – so kann das ausgelegt werden – er wollte ja möglichst viele Menschen mit seinen Unterweisungen erreichen.

Den Buddhismus gibt es nicht

Die Ausstellung, die mit rund 100 Kunstwerken, Statuen, Objekte, Malereien, Schriften die Geschichte und Verbreitung des Buddhismus von Indien bis Ostasien und später auch in andere Kontinente erzählt, will dazu beitragen, Verständnis für die Vielfalt dieser nicht dogmatischen Religion und ihrer Rituale zu vermitteln. Der Buddhismus kennt keinen Monotheismus und stellt die Eigenverantwortung des Einzelnen ins Zentrum, das zeichnet ihn aus. Heute schätzt man zwischen einer viertel und einer halben Milliarde Anhänger, aber da der Buddhismus keine Kirche ist und kein Oberhaupt kennt, gibt es keine Taufbücher oder Statistiken. In der Schweiz leben heute rund 40000 Buddhistinnen und Buddhisten.

Buddha Shakyamuni aus Pakistan während des Aufbaus. Foto: Rainer Wolfsberger, © Museum Rietberg

Herausragend in jedem Sinn ist die riesige Buddha-Statue aus dem Museum in Peshavar in Pakistan, die zum ersten Mal als Leihgabe «reiste». Die Schieferskulptur aus dem 2. /3. Jahrhundert stammt aus der Gandhara-Region, der Faltenwurf des Gewands verweist auf westliche Einflüsse, auf das antike Griechenland. Auch mit den eigenen Beständen kann das Museum überraschen: Hervorragende Kunstwerke der Sammlung können in neuem Licht gesehen werden, bedeutende Objekte aus der Sammlung des Berner Galeristen Toni Gerber sowie aus der Sammlung Coninx, die seit Anfang Jahr als Dauerleihgabe ins Museum kam, werden erstmals öffentlich gezeigt.

Die Grabstätte des Buddha in Nordindien

Absolut faszinierend ist die Sammlung kleiner Halbedelsteine, meist in Blumenform, die dem Buddha einst ins Grab gelegt worden waren. Vor hundertzwanzig Jahren wurde die Stupa auf dem Grundstück des britischen Kolonialbeamten William Claxton Peppé ausgegraben. Er fand eine Sandsteinkiste, welche mehrere Reliquiare enthielt, darunter ein kostbares aus Kristall mit einem Fisch als Griff, und ein zweites, welches laut der Inschrift Knochen des Buddha enthalte. Dabei lagen ausserordentlich viele kleine Blumen, Blätter und Vögel aus Edelsteinen und Gold, die schon damals sehr wertvoll gewesen sein mussten. Neueste Forschungen zu diesem Sensationsfund stammen von dem Indologen Harry Falk, der zwischen der Peppé-Familie und dem Museum vermittelte.

Schachtel mit Beigaben aus dem Stupa von Piprahwa Indien. Um 3. Jahrhundert v. Chr., Halbedelsteine © Peppé family

Die Reliquien, Knochen und Asche wurden an verschiedene Klöster in Südostasien verteilt, wo sie bis heute verehrt werden, die Artefakte gingen zur Hauptsache ins Museum von Kalkutta, ein Teil der Kassetten mit Edelsteinen durfte der Finder behalten. Sie wurden nun von den Enkeln für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. Wer sich für Archäologie interessiert, freut sich, hier nachvollziehen zu können, wie der Beamte Peppé seine Grabung dokumentierte – die Pläne und Fotos an der Aussenwand des kleinen stupaartigen Pavillons lassen sich im Detail studieren.

Für Kunstaffine und Kinder

Mit der Ausstellung Nächster Halt Nirvana legt das Museum grossen Wert auf die Vermittlung des Wesens und der Vielfalt des Buddhismus. So erklären und interpretieren Männer und Frauen von hier und heute, was für sie dieser oder jener zentrale Begriff der Lehre bedeuten.

Mönch, Japan, mittlere Edo-Zeit, 17. Jh. © Museum Rietberg

Es gibt Stationen, wo man Glückssymbole auf eine Karte prägen kann und zugleich mehr über diese Zeichen erfährt, die immer wieder auf den Kunstwerken aufscheinen. Ein Tisch mit Anleitungen und Papierquadraten lädt ein, Lotusblüten zu falten, und schliesslich durften Schülerinnen und Schüler ihre Forschungen und Recherchen über Buddha und den Buddhismus in Zürich präsentieren – ein ganzer Raum voller Videos, Kitsch und Kunst, Handyhüllen und Schwimmhilfen, Interviews, Selbstversuche mit Meditation und vieles mehr. Diese Ausstellung spricht Kinder und Erwachsene gleichermassen an, wobei die Schulklassen, die man einlädt, jeweils eine Stunde vor Museumseröffnung ihren Weg zu Buddha gehen werden. Ruhigere Zeiten fürs Eintauchen in diese umfassende Ausstellung zum Buddhismus sind gewährleistet.

Teaserbild: Buddha Shakyamuni (Detail) Westliches Tibet, 12./13. Jahrhundert, Messinglegierung © Museum Rietberg,

Bis 31.März 2019

Hier finden Sie weitere Informationen zur Ausstellung und den Veranstaltungen. Unter anderem stehen am Freitag Nachmittag Männer und Frauen mit Buddha-Wissen als Ansprechpersonen in der Ausstellung.

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