17.01.2018 - Barbara Schmid-Federer

Service public statt Fake News

Erinnern Sie sich an den James Bond Klassiker «Tomorrow never dies»?

James Bond kämpft in diesem Film gegen das Böse in Gestalt des britischen Medien-Moguls Elliot Carver. Carver versucht, den asiatischen Zeitungs- und Fernsehmarkt zu monopolisieren, und sich mithilfe seines Medien-Imperiums, zu dem die britische Tageszeitung «Tomorrow» und ihr deutsches Pendant «Der Morgen» gehören, die informatorische Weltherrschaft zu gewinnen. Carver hetzt mit bewussten Fake News England und China gegeneinander auf, wobei ein allfälliger Krieg durchaus in Kauf genommen wird.

Damit Carver seinen Machtansprüchen entsprechen kann, braucht er Geld und eine kriminelle Energie. Diese setzt er ein durch Fake News, gezielte Falschmeldungen, mit denen er verschiedene Regierungen manipuliert. Dass ein Mann Medien kauft, um Macht auszuüben, kennen wir nicht nur aus spannenden Agenten-Filmen, sondern auch aus dem realen Leben. Silvio Berlusconi konnte mit seinen eigenen Medien die Politik Italiens nachhaltig beeinflussen, ähnlich versucht dies in der Schweiz Christoph Blocher mit den von ihm beeinflussten und dominierten Medien.

Service public als Grundversicherung 

Die Schweiz ist ein politisch stabiles Land, in dem wir sicher und in Wohlstand leben dürfen. Einer der Grundpfeiler unserer Stabilität ist der Service public, die mediale Grundversorgung. Diese Grundversorgung garantiert uns eine ausgewogene Berichterstattung von hoher Qualität in allen Regionen des Landes - auch dort, wo es sich betriebswirtschaftlich nicht lohnt. Der gebührenfinanzierte Service public sorgt dafür, dass die Dienstleistungen in guter Qualität und zu angemessenen Preisen überall zur Verfügung stehen. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für die hohe Lebensqualität in der ganzen Schweiz und für das Gedeihen der Wirtschaft.

Wir tun daher gut daran, diese Errungenschaften - gerade in der kleinräumigen Schweiz mit ihrer direkten Demokratie - nicht aufs Spiel zu setzen, denn die direkte Demokratie verlangt politisch unabhängige, möglichst objektive Informationsinhalte zur Meinungsfindung, mehr noch als andere demokratische Staatsformen, in denen Bürgerinnen und Bürger nur alle paar Jahre an die Urne gerufen werden.  

Service public rentiert nicht, aber er lohnt sich

In der Schweiz wäre nach der Abschaffung der Empfangsgebühr kein Schweizer Radio oder Fernsehen in der Lage, mit den heutigen Informationsleistungen vergleichbare Angebote bereitzustellen. Die SRG investiert die Hälfte der Empfangsgebühren in ihre Informationsangebote in Radio, Fernsehen und in den Online-Bereich. Doch selbst die Informationsleistung ist nur zu gut 20 Prozent kommerziell finanzierbar. Ohne Gebührenunterstützung würden auch die andern Programme der SRG sowie der privaten Lokalradios in Berg- und Randregionen und der regionalen TV-Sender drastisch reduziert oder gänzlich eingestellt. Denn auch sie werden durch unsere Gebühren mit finanziert. Die Medienvielfalt, wie wir sie heute kennen, würde zum Spielball von nationalen Medienzaren und internationalen Medienhäusern. Beide Gruppen haben aus unterschiedlichen Gründen kein Interesse, dem Informationsbedürfnis einer direkten Demokratie zu dienen. Die einen verfolgen eine politische Agenda, die anderen machen nur, was hohe kommerzielle Gewinne verspricht.

Hier könnte auch ein James Bond nicht mehr helfen. Ein Nein zu No Billag ist ein Gebot der Stunde.

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Gastautor: 
Barbara Schmid-Federer

Kommentare

Dass Ihnen die SVP mit ihrem "nationalen Medienzar" nicht in den Kram passt, merkt man daran, dass sie schreiben "denn die direkte Demokratie verlangt politisch unabhängige, möglichst objektive Informationsinhalte zur Meinungsfindung ..." Und genau dies ist bei der SRG nicht der Fall. Die linkslastigen Propaganda-Sendungen Arena, Rundschau und Tagesschau sind nämlich der Hauptgrund der No-Billag-Initiative. Wäre das Schweizer Fernsehen wirklich neutral, hätte die Initiative keine Chance gehabt. Auch für Ihren SVP-Medienzar war dies der Hauptgrund, etwas gegen die politisch einseitige Beeinflussung der Fernsehzuschauer zu unternehmen. Jahrelange Hinweise auf diese Linkslastigkeit wurde von den SRG-Oberen nicht korrigiert und darum sind nun viele Schweizer und SRG-Konsumenten nicht mehr bereit, die Werbesendungen zu politisch linken Anliegen mitzufinanzieren.

@ Borki: Wenn man Linkslastigkeit sehen will, dann sieht man sie. Alles was einem in den Kram passt ist OK, der Rest wird als "links" bezeichnet. Ich schae die Arena nicht, weil sie mir – jedes Mal, wenn ich doch wieder reinschaue – viel zu rechtslastig ist. Der beste Beweis dafür ist die Häufigkeit, mit der Herr Blocher zum Zug kommt. So ist die Optik halt verschieden. – Selbst wenn Ihnen die SRG-Sendungen zu links und mir zu rechts sind: Die No-Billag-Variante schmeisst auch Sendungen wie "Netz Natur" über Bord, weil diese mit Werbung sicher nicht finanziert werden könnten!

Die Abstimmung bezieht sich ja nicht um Billag (hat den Vertrag zum Einziehen der Steuer nicht mehr erhalten!) oder SRG, sondern um die von CVP BR Leuthard schon x-mal versprochene Diskussion / Definition zum INHALT des "Service Public". Dass unsere Demokratie nur mit solchen Extremforderungen "Bern" wachbringt, ist zu bedauern, jedoch, so scheints, unumgänglich.

Dann wird das Volk noch mit der plötzlichen, unmotivierten, Ankündigung, "... dass die Steuer auf CHF 300.- in 5 Jahren reduziert werden kann...", geködert.  

Ob SRG am Tage danach, bei einer eventuellen Annahme, schliesst, betrachte ich als "fake news". "Bern" hat schon x-mal gezeigt, dass Abstimmungsresultate umdefiniert werden (Verwahrung, Zweitwohnung, etc.). 

Ein Ja führt also unweigerlich zu der versprochenen Definition und NICHT zur Schliessung, sondern eher zu einer Redimensionierung, resp. Neuorientierung der Medienlandschaft.

Sehr guter und weiser Kommentar von einer intelligenten Politikerin. Ich habe diesen Artikel meinem Sohn weitergeleitet.

Hier fällt der Apfel wohl nicht weit vom Stamm. Zumindest wird es ein Wunschdenken des Vaters sein ...

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