13.11.2013 - Eva Caflisch

Spektakel mit Neuer Musik

Die Tage für Neue Musik wollen Aufsehen erregen. Aus allen Nebelhörnern der Zürichseeschiffe am Bürkliplatz und anderen Posaunen und Trompeten prätschen Klänge zur Eröffnung des sonst eher intimen Festivals.

 

Bislang war es eher ein Fest der neuen Töne und Geräusche für eine verschworene Insider-Gemeinde, bestehend aus Machern und Hörern von Neuer Musik, mit oft schwer zugänglichen Klängen sowie mancher Sternstunde. Nun sucht die von den Komponisten Gérard Zinsstag und Thomas Kessler 1986 gegründete Konzertreihe für Neue Musik mit aller Kraft den Kontakt zum breiten Publikum auf der Strasse. Mit einem Knalleffekt beginnt es morgen Donnerstag um 17 Uhr am Bürkliplatz: Alvin Curran führt seine immer wieder neue Performance Maritime Rites mit den Nebelhörnern aller Schiffe der Expovina, zwei Brassbands auf dem See sowie der Londoner Poetic Punk Band Blurt und vom Komponisten beigesteuerte Samples grosser Ozeandampfer auf.

zürichsee

Zürichsee-Schiffahrtsgesellschaft: Winterstimmung

Festlich-lauter Abschluss der Expovina, spektakulärer Auftakt der Tage für Neue Musik 2013, welche vom jungen Komponisten und Cellisten Moritz Müllenbach kuratiert werden.

cellist und komponist moritz müllenbachMoritz Müllenbach, Intendant der Tage für Neue Musik 2013

Gleich danach geht es nicht in die Tonhalle, sondern in die Rote Fabrik, wo der Fokus Amerika, wie Müllenbach sein Projekt nennt, mit allen Facetten der Neuen Musik in der Neuen Welt seine Fortsetzung findet.

Pioniere und Abenteurer

Das Collegium Novum stellt Komponisten vor, die in den USA ihre Wahlheimat fanden, beispielsweise Stefan Wolpe oder den Gitarristen Arthur Kampela, der ursprünglich aus Brasilien stammt. Pioniergeist ist immer noch treibende Kraft in der multiethnischen Gesellschaft, wo sich einzelne um neue Freiheiten mühen und Grenzen des Machbaren überwinden. „Gerade in der Kultur tun sich – nebst alle den invasiven populären Strömungen – bis heute immer wieder Freigeister hervor, die solche neue Ansätze präsentieren, aufgrund derer sich auch in Europa manches umkrempelt,“ sagt Intendant Müllenbach. In der Musik ist an John Cage, Morton Feldman oder Steve Reich zu denken. Diese ganz Grossen bleiben aussen vor – sie sind auch ohne die Tage für Neue Musik in Europas Konzerthäusern präsent. In der Tonhalle dirigiert David Zinman dafür am Freitag abend die Vierte Sinfonie von Charles Yves, der als Pionier der Postmoderne bezeichnet werden könnte. Als Intermezzo wird noch die Musique pour les soupers du Roi Ubu von Bernd Alois Zimmermann mit Couplets von und mit alt Bundesrat Moritz Leuenberger aufgetischt.

Auch ein DJ macht Neue Musik 

Am Samstag sind die Tage für Neue Musik zu Gast im Theater Rigiblick ( junge amerikanische und schweizerische Komponisten, denen der Umgang mit elektronische Klängen längst eine Selbstverständlichkeit geworden ist, präsentiert vom Ensemble Arc-en-ciel) und spätabends im Kunstraum Walcheturm (Steamboat Switzerland Extended mit dem Stück Orange Slice von David Dramm sowie Elektronik von DJ Sniff). Im Filmpodium gibt es eine Sonntags-Matinee mit Filmen und Live-Musik und den Abschluss der Tage für neue Musik macht das Ensemble Phoenix Basel in der Tonhalle, wo es unter anderen zwei Werke der Preisträger aus dem Kompositionswettbewerb Wär ich ein Ton zum 250. Geburtstag des Dichters Jean Paul spielt.

collegium novum zürichVor dem Auftritt: das Collegium Novum, Zürich

Hilfreich für Menschen, die sich in der Neuen Musik nicht bewegen wie der Fisch im Wasser, sind jeweils die Konzertzeinführungen.

Details zum Programm zu Konzertorten und -zeiten gibt es hier:

http://www.stadt-zuerich.ch/content/kultur/de/index/veranstaltungen/tfnm/programm-2012.html

und auf facebook:

https://www.facebook.com/tfnmzh

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