08.02.2015 - Anton Schaller

Stark in Frauenhand

oder wie Angela Merkel den Frieden sichert.

Angela Merkel will reden und nicht kämpfen. Sie will verhandeln und keine Waffen liefern. Sie setzt sich den Kritikern aus den USA aus. Sie lässt sich von John McCain, dem republikanischen Scharfmacher, unbeeindruckt beschimpfen, dass sie „nichts verstehe“, schuld an den Kriegsopfern in der Ostukraine sei. Der Westen habe Waffen zu liefern, die ukrainische Armee sei auszurüsten, damit sie in der Ostukraine für Ruhe und Ordnung sorgen könnte, Putin sei in die Schranken zu weisen.

Das alles ficht sie nicht an. Sie setzt sich wie François Hollande in den Flieger, reist nach Kiew, trotzt dem ukrainischen Präsidenten wohl Zugeständnisse ab, kehrt nach Berlin zurück, stellt sich der Presse und dämpft alle Erwartungen, bevor sie wieder in die Regierungsmaschine steigt, sich und Hollande bei Putin im Kreml einlädt, dort am Samstag fünf Stunden dem widerwilligen Putin gegenübersitzt, mit ihm russisch und Klartext spricht. 

Sie fliegt nach München, redet vor 400 hochkarätigen Politikern an der Münchner Sicherheitskonferenz und dämpft wiederum alle Erwartungen, gibt nur bekannt, dass ein Friedensplan erarbeitet wird, der am Sonntag in einer Telefonkonferenz bereinigt werden wird. Am Montag fliegt sie in die USA zu Obama, der zögert, der dem Druck der amerikanischen Falken noch nicht nachgegeben hat, die mit riesigem Nachdruck Obama zwingen wollen, Waffen in die Ukraine zu senden. 

Sie wird zurückkehren, wiederum die Erwartungen dämpfen. Sie wird nicht locker lassen. Sie weiss, was Putin will, sie kennt ihn und den autoritären Charakter des Präsidenten im Kreml, der, einmal beleidigt, gar durch die Präsenz der Nato an der Grenze seines Landes bedrängt, nur schwer von seinem Weg, von seinen Ambitionen abzubringen ist. Eurasien ist das Stichwort dazu, der Traum eines erstarkten Russlands, auf Augenhöhe mit Obamas Amerika. Putin will territoriale Distanz zur Nato, eine ihm gewogene Ostukraine. Er will einen Korridor zur Krim, die er ja schon annektiert hat. 

Putins Feinde sitzen nicht in Europa, Putins Gegner ortet er in den USA, Und er freut sich sicher unverhohlen, dass US-Amerikaner, wie McCain, Merkel beleidigen, sie zu diskreditieren versuchen. 

Merkel wird standhalten, im Interesse Europas ist ihr dies auch zu wünschen. Denn die Gefahr ist noch lange nicht gebannt. Der Ukrainekonflikt könnte sich zu einem Flächenbrand ausweiten, vor allem dann, wenn die beiden Konfliktparteien weiterhin mit Waffen aufgerüstet werden. Die Bilder aus der Ostukraine sind derart bedrückend, dass so schnell als möglich die Waffen zum Schweigen zu bringen sind. Menschen mit ihrem ganzen Hab und Gut im Morast auf der Flucht vor den Granaten, die von dieser und von der andern Seite abgefeuert werden. Wer weiss schon von wem und wer zuerst. Schon allein der zerbombte Flughafen von Donezk zeigt die immensen Schäden, die sich die beiden Konfliktparteien gegenseitig zufügen. Wer soll dannzumal den Wiederaufbau bewerkstelligen, wer bezahlen, wenn nicht die Europäer? Und ganz zu schweigen von den unschuldigen Opfern unter der Zivilbevölkerung, von den Menschen, die irgendwie über die Runden kommen, die frieren, die täglich um ihr Überleben kämpfen und nicht wissen wohin.

Angela Merkel hat sicher verstanden, was dort abläuft und sie weiss, um was es geht, Nicht der Krieg ist die Lösung, sondern ein Einlenken auf beiden Seiten. In Verhandlungen.

Kommentare

<Nicht der Krieg ist die Lösung, sondern ein Einlenken auf beiden Seiten. In Verhandlungen.>

Bis jetzt hat allerdings nur die EU "eingelenkt". Immerhin wird verhandelt, was und worüber ist weniger klar. Zu befürchten ist, dass Putin weiterhin "die Gunst der Stunde" nutzt, "Freiwillige" über die Grenze schickt, ausgerüstet mit modernsten Waffensystemen und "Tatsachen schafft". Die EU hat sich etwas weit auf die Äste raus gewagt: Wirschaftsmacht vs. militärische Überlegenheit. Es ist das uralte Dilemma: Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt. Zu befürchten bleibt, dass sich leider die Frömmigkeit hüben und drüben in Grenzen hält...

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