20.11.2018 - Adalbert Hofmann

Swissness – made in China

Satirische Gedankensplitter: Es darf geschmunzelt werden!

Die Haut verlangt danach, die Schleimhäute ganz besonders, das Klavier in der Wohnstube sowieso. Die Rede ist von einigermassen feuchter Luft in der kalten Jahreszeit. Und wie schafft man das? Richtig: mit den entsprechenden Geräten, oder simpler ausgedrückt: durch einen Luftbefeuchter.

Weil meine altgediente Luftwaschmaschine gegen Ende Saison keuchend ihren Geist aufgegeben hatte, beschaffte ich mir frühzeitig im folgenden Spätsommer im sieben Kilometer entfernten Einkaufszentrum Ersatz. In Form eines nicht gerade billigen Vehikels, aber das war es mir wert; es sollte etwas Solides sein. Nicht nur trägt die Marke meiner Wahl ein «Swiss» im Namen, sondern auf der Kartonverpackung prangt vertrauenserweckend auch das Schweizerkreuz.

Als der Winter mit Schnee und Eis anmarschierte und der Hygrometer sank und sank, war der Moment gekommen, meine Errungenschaft sorgfältig auszupacken und in Betrieb zu setzen. Wobei es allerdings beim Versuch blieb, denn der Ein-Schalter reagierte nicht, sondern lahmte, ohne zu greifen, fröhlich vor sich hin. Der Grund war schnell klar: Das Plastikröhrchen des Drehschalters – Kostenpunkt vielleicht 97 Rappen – war gebrochen. Also machte ich mich auf ins sieben Kilometer entfernte Einkaufszentrum, um Ersatz zu beschaffen. Wobei eine innere Stimme geraten hatte, das ganze Gerät mitzunehmen.

Zu recht, denn der freundliche Verkäufer betrachtete den Schaden kurz und befand: «Ich muss den Luftwascher ins Werk schicken!» Ja, ob es denn nicht möglich wäre, ganz simpel einen neuen Drehschalter kommen zu lassen – den könnte ich problemlos selber einsetzen. Nein, er müsse die Maschine einsenden... Und so machte sich ein umfangreiches Paket auf seine Reise in die Westschweiz. Als eine Woche später der ersehnte Telefonanruf eintraf, die Reparatur könne abgeholt werden, fuhr ich zum drittenmal ins sieben Kilometer entfernte Ladengeschäft, nicht ohne mir auf dem Rückweg meine Autokosten von gut 25 Franken (für einen Schalter im Wert von etwa 97 Rappen) bewusst zu machen. Vom Zeitaufwand gar nicht zu reden. Aber Pensionierte haben ja genügend davon – meint man jedenfalls.

Aber immerhin: Der Motor des Luftbefeuchters begann problemlos leise zu schnurren, und der Installation des Filters und des gefüllten Wassertanks stand nichts mehr im Weg. Als ich allerdings das Gerät umdrehte und auf dem Boden die kleine Etikette sah, stutzte ich schon: «made in PRC» stand da zu lesen. PRC? Das nette Internet half schnell und erklärte, das bedeute «People's Republic of China»! Wohl eine nette Form von Vertuschungsmanöver seitens der Hersteller.

Mein Gerät mit «Swiss» im Namen und dem Schweizerkreuz auf der Verpackung war also in China produziert worden. Und als ich über diese Tatsache sinnierte, kam ich zur Einsicht, dass wohl nicht viel gefehlt hätte, und der Luftbefeuchter hätte ins ferne Land des Lächelns eingeschickt werden müssen. Zwecks Ersatz des Schalters im Wert von etwa 97 Rappen.

Glück gehabt!

Kommentare

Noch ein Beispiel für so eine Täuschung gefällig?

Auf der Website der Besteckfirma Sola (https://www.solapoint.ch/informationen/uber-uns-2) steht: "Besteck-Hersteller seit 1866 / Die Ursprünge der Sola Switzerland AG als Entwickler und Hersteller von Qualitätsbesteck gehen bis auf das Jahr 1866 zurück. Seit nunmehr fünf Generationen wird unser Besteck nach Schweizer Tradition und Know-how hergestellt, und bleibt so der Qualität, Professionalität und dem Geschäftsgedanken der Gründer unseres Unternehmens bis heute treu."

Dann gehen Sie mal in ein Geschäft, das Sola-Bestecke führt (Loeb, Globus, Manor, Pfister etc.), und sehen  Sie sich die Bestecksets an – alle "Made in China". Da wundere ich mich schon …

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