25.06.2013 - Dieter Schupp

Vorsicht: Studie!

(„Laut einer Studie“ ist so als Argument völlig wertlos)

Kürzlich las ich in einer Zeitung; „Fast jeden Tag weist uns irgendein Forscherteam mit einer Studie auf Wahrheiten hin, die entweder evident, verstiegen, verstörend oder in einer Weise so überflüssig sind, dass man eigentlich lieber wissen möchte, warum Wissenschaftler ihre Zeit und ihre Mittel dafür hergeben“. [SZ]

Hm? „Fast jeden Tag?“

Ich konnte es nicht glauben, machte fortan die Probe und fand heraus: Tatsächlich. Nicht nur „fast“, sondern tatsächlich an jedem Tag wurde eine neue Studie veröffentlicht, – nicht selten gleich zwei oder drei auf einer Zeitungsseite.

Hier einige Fundstücke

  • Beim Einkaufen neigen Menschen dazu, das Produkt aus der Mitte des Regals zu nehmen, berichtet ein Forscherteam im Journal of Consumer Research.
  • Bisher dachte man, Leben an Land gab es frühestens vor 480 Millionen Jahren in Form einfacher Pflanzen. Nun behauptet ein amerikanischer Wissenschaftler in Nature, einige Arten der rätselhaften Ediacara-Organismen hätten bereits schon vor mehr als 600 Millionen Jahren auf den Trockenen gesessen.
  • Eine wissenschaftliche Studie [University of Colorado] belegt: Je geringer der Bildungsgrad von Frauen ist, desto mehr Sex haben sie. Bildung beeinflusst also das Sexleben.

Nicht jede Studie hält was sie verspricht

  • Das Ergebnis von Forschern an der University of Oklahoma lautet: Bessere Hygiene und der Einsatz von Antibiotika haben die Darmflora des Menschen in den vergangenen 100 Jahren gründlicher verändert als in tausenden von Jahren zuvor
  • Eine Metaanalyse von 17 Studien zur Effektivität von auf Trinkkontrolle ausgerichteten Abstinenztherapien ergab: Entscheidend ist, dass man Betroffene überhaupt dazu bringt, etwas gegen den Suff zu unternehmen, weniger jedoch, auf welchem Weg sie dies tun.
  • Michael Osterholm und ein Team der University of Minnesota haben 12 000 wissenschaftliche Veröffentlichungen durchforstet und knapp hundert Experten befragt. Das Fazit ist ernüchternd: Grippeimpfungen bieten einen weitaus geringeren Schutz vor Influenzaviren, als allgemein berichtet und angenommen wird.        

Manche Wissenschaftler publizieren lieber als lehren

  • Eine Studie mit rund 8000 Patienten weist aus, dass die Arbeit der Familienmediziner nicht nur das psychische Wohlbefinden verbessert, sondern auch medizinischen Nutzen haben kann.
  • Studien aus den USA behaupten, dass es Berufe gebe, die glücklicher machen als andere. Laut dem Berufsbildungsunternehmen City&Guilds leben Friseure am glücklichsten.
  • Eine gross angelegte Studie der University Chicago hat ergeben, dass Facebook süchtig machen kann.

Gut zu wissen, wer die Studie finanziert, wem sie nützt und wer daran verdient

  • Sex wird im Alter besser. Je älter die befragten Frauen (Durchschnittsalter 67), desto zufriedener waren sie mit der Befriedigung durch den Orgasmus, so ein Teamkalifornischer Wissenschaftler.
  • Schwedische Wissenschaftler veröffentlichten eine Studie die besagt: Die Fähigkeit des Multitasking {mehrere Dinge gleichzeitig erledigen} liegt bei Frauen während des Eisprungs deutlich unter der Fähigkeit von Männern.
  • Ein Team um Beatrice Golomb gab das Ergebnis einer Studie in der Fachzeitschrift Archives of Internal Medicine bekannt. Danach verzehrten depressive Versuchsteilnehmer häufiger Schokolade als die anderen Probanden.

„Laut einer Studie“ ist so als Argument völlig wertlos

  • Gary Arendash von der University von South Florida fand heraus, dass Handystrahlen das Gedächtnis verbessern. (Zu diesem Ergebnis kam er nach einer Studie mit Mäusen).
  • Eine Studie von Wissenschaftlern der Universität Leeds ergab, dass schon eine Minderheit von 5 % ausreicht, um die Richtung festzulegen, die eine Menschenmenge einschlägt.
  • Besonders bedenklich ist laut einer Studie der Harvard Medical School (Boston) schon eine geringe Menge Milchprodukte, weil sie die Fruchtbarkeit der Männer gefährdet.

Was sich beim Studieren der vielen Studien ergeben hat

Nicht jede Studie ist seriös, denn nicht alle entsprechen den wissenschaftlich kontrollierten Voraussetzungen und Bedingungen.

Es besteht da und dort der Verdacht, dass man sich mit einer Studie, veröffentlicht in einer Fachzeitschrift, nur einen Namen machen will, - um der Karriere willen.

Es drängt sich zuweilen die Vermutung auf, dass manche Studie genau das bestätigt, was die Theorie stützt, was der Auftraggeber erwartet oder was man sowieso weiss.

Avinash Dixit von der Princeton University kam am Ende seiner wissenschaftlichen Arbeit zu dem freimütigen und unverblümten Ergebnis: „Diese Studie handelt von nichts.“

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