18.12.2018 - Adalbert Hofmann

Weniger Ferien, weniger Stress

Satirische Gedankensplitter: Es darf geschmunzelt werden!

Mehr Ferien? Sicher nicht! Fehlte ja noch, dass wir Schweizer uns die Freizeit per Gesetz aufzwingen lassen würden! Völlig logisch wurde vor ein paar Jahren die Schnapsidee, einen Mindestanspruch von sechs Wochen Urlaub in der Verfassung zu verankern, an der Urne haushoch bachab geschickt.

Das Ausland rieb sich damals verwundert die Augen. Diese Eidgenossen! Arbeitsam, bienenfleissig, die reinsten Worcaholics, verzichten sie freiwillig auf mehr Ferien. Nichts als Krampfen im Kopf - kein Wunder, dass die Hirtenknaben nachts auf Geldsäcken statt Matratzen schlafen.

Dem Stimmvolk wurde attestiert, es habe in wirtschaftlich schwierigen Zeiten die Eigeninteressen hinter das Gemeinwohl zurückgestellt, sich mann- und frauhaft wie einst Tell gegen finanzielle Mehrbelastungen der Wirtschaft und für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit ausgesprochen. «Ein Bekenntnis zur Sozialpartnerschaft!», jubilierten die Arbeitgeber.

Alles samt und sonders Quatsch, völliger Blödsinn! Wir Schweizer sagten Nein zur Ferieninitiative, weil wir allmählich genug haben vom Ferienstress, ihn nicht noch weiter ausbauen wollen. Wie bitte? Ferien seien Erholung, wirkten der zunehmenden Belastung am Arbeitsplatz entgegen? Dann haben Sie allerdings den Puck noch nicht gecheckt!

Überlegen Sie mal: Der letzte Arbeitstag vor dem Urlaub ist die reinste Hektik, das allerletzte Mail muss noch Sekunden vor Arbeitsschluss raus - drei, zwei, eins: Ferien!!! Die tägliche Hetze nach Hause, wo halb gepackte Koffer herumstehen, Kinder quengeln und die total am Ende ihrer Nervenkraft stehende Gattin soeben vom Abliefern des Hundes ins Ferienheim zurückgekehrt ist.

Und dann geht’s weiter. Ob nun die Fahrt mit dem Auto an die Adria auf dem Programm steht (mit stundenlangem Stau am Gotthard und vor der Grenze), eine Schneekettenmontage am Julier in bissiger Kälte, oder aber ein Flug in die Karibik ab hoffnungslos verstopftem Flughafen und mit zig Stunden Verspätung: der reinste Stress. Irgendwie doch noch am Ziel angelangt, versinkt die Familie nach gehabtem Frust über die nach dem Hinterhof ausgerichteten und allzu spartanischen Zimmer für 18 Stunden im Tiefschlaf. Dann aber heisst es auf Befehl: «Erholung!» Nicht ganz einfach, den inneren Motor von 100 auf gegen 0 runterzufahren. Der Blick ins Internet (ich muss doch wissen, was mein letztes Mail ausgelöst hat!) ist der verd… Entspannung auch nicht förderlich.

So geht es weiter, bis der Urlaub endlich abgelaufen ist. Nach der Rückreise mit all ihren «Besonderheiten» (siehe Hinreise) kommt Familie Schweizer total erschöpft nach Hause. Und am nächsten Tag wird am Arbeitsplatz «müde, aber glücklich», wie es einst in Schüleraufsätzen formuliert wurde, das aus den Ferien beantwortete Mail noch in guter, alter Briefform bestätigt.

«Weisch, muesch!», sagte neulich ein junger Mann als Begründung für seine Ferienpläne, und sein Nachbar nickte heftig mit dem Kopf. Ja, wenn man halt muss… Aber es ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass gelegentlich eine «Volksinitiative für weniger Ferien» lanciert werden könnte, von wegen weniger Stress…

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