03.02.2019 - Anton Schaller

Wir haben es in der Hand...

...die Gesundheitskosten ins Lot zu bringen!

Eines vorweg: Wir in der Schweiz sind äusserst privilegiert. Wir haben das wohl beste, das ausgewogenste, ein jederzeit verfügbares Gesundheitssystem. Wir haben die grösste Spitaldichte auf dieser Welt. Der Kanton Bern ist so dicht und mit so vielen, wenn auch mit kleineren Spitälern, vernetzt wie Schweden. Und wenn in der Vergangenheit ein kantonaler Regierungsrat als Gesundheitsdirektor zu forsch an die Schliessung von Spitälern herananging, sah er seine Wiederwahl gefährdet. Unsere Spitaldichte ist gewachsen, hat auf die regionalen Bedürfnisse Rücksicht genommen. Jeder wollte möglichst in seiner Umgebung hospitalisiert werden, die Familien wollten ihre Kinder im Kreisspital zur Welt bringen. Die Besucher sollten nicht zu weit herreisen müssen.

In der Zwischenzeit sind wir weit besser vernetzt, der öffentliche Verkehr ist derart optimiert worden, so dass die Distanzen weit schneller und weit bequemer überbrückt werden können. Selbst in unserer kleingliedrigen Schweiz werden wir nicht darum herumkommen, Spitäler um Spitäler zu schliessen, Gesundheits-Institutionen zu Spitalcentren zu fusionieren oder neu zu bilden, schlicht zu zentralisieren. Spitzenmedizin ist dort anzubieten, wo sie ganz opitmal geleistet, wo sie stetig weiterentwickelt werden kann. Wir werden uns beispielsweise auf vier Herzzentren beschränken müssen, auf Zürich, Basel, Bern, Genf/Lausanne. Später gar auf 3: Zürich, Bern, Basel. Nur: Das ist in unserer föderativ aufgebauten Schweiz schnell hingeschrieben, aber ungleich schwieriger umzusetzen. Doch der Druck wird immer grösser. Der Anstieg der Krankenkassenprämien ist nicht zu stoppen. Während die Wirtschaft jährlich lediglich um 1-2 Prozent wächst, steigen die Kosten im Gesundheitswesen um 4, gar um 5 Prozent.

Bundesrat Alain Berset will in der nächsten Zeit 38, von einer Expertengruppe vorgeschlagenen Massnahmen, nach um nach umsetzen. Im Zentrum steht immer ein Wort: Koordination. In der Tat: Zu oft erfolgen Prävention, ärztliche Konsultationen, Operationen, Rehabillitationen völlig unkoordiniert. Zu oft nehmen Patienten Dienstleistungen unkoordiniert in Anspruch. Zu sehr vermischen sich beispielsweise bei der Physio-Therapie körperliche Beschwerden mit psychischen Unzulänglichkeiten.

Was ist zu tun? Die Spitalpolitik liegt nach wie vor bei den Kantonen. Sie planen, realisieren und entwickeln ihre Spitallandschaft. Sie tragen auch 55 Prozent der in den Spitälern entstehenden Kosten. Kann man ihnen diese Kompetenzen aus den Händen nehmen? Mitnichten.  Die Gesundheitsdirektoren müssen sich schlicht zusammenraufen, haben eine nationale Spitalstrategie zu entwickeln und umzusetzen. Dabei haben sie die Städte und Gemeinden ins gleiche Boot aufzunehmen, um zu neuen Ufern aufbrechen zu können. Dazu müssen sie Abschied nehmen von Prestigedenken, von gewachsenen Strukturen, schlicht vom zwar vielgeschmähten, aber doch gepflegten Kantönligeist. Und es darf sich nicht in der Hinsicht weiterentwickeln, dass die Finanzdirektoren immer stärker die Gesundheitspolitik dominieren. Mit ihren Sparvorgaben, meistens getrieben von den Forderungen der SVP/FDP und Grünliberalen, die Steuern zu senken, engen sie den Spielraum radikal ein. Der Kanton Luzern hat es vorgemacht. Er hat die Einkommensgrenzen für die Prämienverbilligung massiv gesenkt, um die Steuern massiv reduzieren zu können. Nun hat das Bundesgericht gesprochen. Die Luzerner-Steuer-Senker müssen korrigieren, müssen den gesetzlichen Bestimmungen nachkommen.

Ambulant vor stationär ist zurzeit das Zauberwort. Bei einer näheren Betrachtung ist das schnell entzaubert. Mit dem Verschieben der Kosten von den Spitälern auf die Pflege zu Hause entlasten sich die Kantone und belasten die Krankenkassen und so die Prämienzahler. Es ist also ein Schwarzpeterspiel. Auch hier würde sich eine weit bessere Koordination zwischen Hausarzt, Spital, Spitex-Organisationen und Krankenkassen sehr vorteilhaft auswirken. Der Patient ist das Glied dazwischen. Wir als Betroffene müssen also lernen, vieles, so auch unserer Gesundheit, in die eigenen Hände zu nehmen, den Druck auf Koordinationsbemühungen nachhaltig verstärken.

Wir können von unserem hervorragenden Gesundheitswesen profitieren, wir können uns kundig machen, können selbststimmt das bewirken, was wir wollen: nicht nur gesund bleiben, sondern wir können auch einen Beitrag an die Kostenreduktion leisten, wenn wir uns einer sinnvollen Koordination unterziehen

Kommentare

Als Mitarbeiter einer Krankenversicherung kann ich den Inhalt dieses Artikels sehr unterstützen. Viele von uns wünschen sich ein möglichst langes selbstbestimmtes Leben. Nutzen wird unsere Chancen die eigene Gesundheit, ja sogar die Entwicklung der Gesundheitskosten selber an die Hand zu nehmen.

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