30.01.2019 - Eva Caflisch

Wunderwelt in Meeres Tiefe

«Der Garten des Oktopus: Das phantastische Leben der Makroalgen» ist eine Fotoausstellung in den Gewächshäusern des Botanischen Gartens der Universität Zürich

Was in den Weltmeeren heimisch ist, lässt sich auf grossformatigen Fotografien derzeit in tropischer Umgebung bestaunen: Die ausserordentlichen Makroalgen-Bilder des Fotodesigners Josh Westrich sind in den Tropenhäusern zu sehen.

Vor ungefähr 2,5 Milliarden Jahren begannen Blaualgen, sogenannte Cyanobakterien, Sauerstoff zu produzieren und reicherten damit die Atmosphäre an. Ohne diesen Entwicklungsschritt wäre das Leben, wie wir es heute kennen, gar nicht denkbar: Jedes zweite Sauerstoffatom, das wir einatmen, stammt aus der Photosynthese von Algen.

Das Bild der Kutzing Rotalge von Josh Westrich in tropisch-üppiger Umgebung. Foto: Alex Bernhard, UZH

Während Mikroalgen nur unter dem Mikroskop sichtbar sind, lassen sich Makroalgen auch mit blossem Auge betrachten. Sie werden in Grün-, Rot-, Blau- und Braunalgen unterteilt, von denen einige Arten bis 40 Meter lang werden können. Sämtliche Landpflanzen haben sich ursprünglich aus Grünalgen entwickelt, und sind darum – zumindest im weitesten Sinne – mit diesen verwandt.

Abstrakte Schönheit in der Natur

Vom 25. Januar an präsentiert der Fotodesigner Josh Westrich im Botanischen Garten seine Fotografien von Makroalgen und zwar in den Tropenhäusern, also einer für sie ungewöhnlichen Umgebung. Es handelt sich dabei um grossformatige Auszüge aus dem 2017 erschienenen Bildband des Künstlers mit dem passend nach einem Beatles-Song gewählten Titel Octopus’s Garden – the stunning life of macroalgae. In einer Broschüre zur Ausstellung sind sämtliche Exponate aufgeführt und kurz beschrieben.

Braunalge (Phaeophyceae). Bild: © by Josh Westrich

Die eigentümlichen Wuchsformen der fotografierten Algen lassen sich zwar schnell als pflanzlich identifizieren, bleiben aber zugleich fremd – wie aus einer anderen Welt. «Nach meiner langjährigen Auseinandersetzung mit dem Thema Farne, suchte ich nach einem noch abstrakteren Sujet und wurde bei den Makroalgen fündig», begründet Künstler Josh Westrich die Wahl seiner Motive. Mit seinem transportablen Studio besucht der leidenschaftliche Pflanzenfotograf immer wieder führende Pflanzenzüchter und deren Sammlungen in aller Welt.

Herbarien als Inspirationsquelle

Für seine Arbeit zum Thema Makroalgen sichtete Josh Westrich die Herbarien der Universität zu Köln, der Botanischen Staatssammlung München, der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Braunalge (Phaeophyceae). Bild: © by Josh Westrich

Diese Sammlungen konservierter Pflanzen sind für Botaniker bis heute ein wichtiges Werkzeug. Sie werden zur Dokumentation bei der Beschreibung neuer Arten ebenso genutzt wie zu wissenschaftlichen Zwecken, etwa um Informationen über die Verbreitung bestimmter Algenarten zu gewinnen oder genetische Analysen vorzunehmen.

Dass die Bilder nun im Botanischen Garten der Universität Zürich ausgestellt werden, ist für Gartenleiter Peter Enz ein Glücksfall: «Da die Schweiz bekanntlich nicht am Meer liegt, haben wir hierzulande sonst kaum Gelegenheit, diese faszinierenden Organismen in all ihren Details zu bewundern – noch dazu ohne nasse Füsse und klamme Finger zu bekommen.»

Publikation zur Ausstellung: Der Garten des Oktopus das phantastische Leben der Makroalgen. Fotografien von Josh Westrich. Edition Art & Nature für den Botanischen Garten der Universität Zürich, 2019.

bis 24. Februar 2019.
Botanischer Garten, täglich 9.30 bis 16.45 Uhr, Eintritt frei

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