23.06.2013 - Anton Schaller

Zaungäste oder aktive Mitdenker?

Unsere Rolle bei Bundesrat Bersets „Vorsorge 2020“

Eigentlich können wir uns getrost in den Alterslehnstuhl zurücklehnen, können aus Distanz beobachten, was in den nächsten sechs Jahren auf der politischen Bühne der Schweiz ablaufen wird. Können zusehen, wie Bundesrat Alain Berset mit seinem Projekt „Vorsorge 2010“ bis ins Jahr 2019 alle politischen Klippen zu umschiffen versucht, insbesondere wie er die SP, seine Partei, und die Gewerkschaften ins Boot zu holen versteht.

Unsere Altersvorsorge ist geregelt, der Umwandlungssatz bei der Beruflichen Vorsorge ist berechnet, die Rente fliesst kalkuliert jeden Monat auf unser Konto. Die Höhe der AHV ist ebenfalls festgelegt, wird immer wieder leicht der Teuerung angepasst. Ergänzungsleistungen können in Anspruch genommen werden, wenn es nicht reicht. Und die Hilflosenentschädigung aus der AHV finanziert mit, wenn wir zu einem Pflegefall werden sollten. Unabhängig von unseren finanziellen Verhältnissen können wir Hilflosenentschädigung im Maximum von knapp 1000 CHF im Monat in Anspruch nehmen.

So weit, so gut. Treffen wird uns doch beim politischen Projekt der „Vorsorge 2020“ lediglich die Erhöhung der Mehrwertsteuer um 2 Prozent, mit der Berset die Einnahmen erhöhen will, damit die Leistungen, auch die an uns, nicht gemindert werden müssen. Das werden wir verkraften, sind wir ja nicht mehr die Konsumenten, die sich noch alles anschaffen müssen. Und unser Konsumbedürfnis ist ja meistens nicht mehr so ausgeprägt.

Dennoch: Sollen wir nur zusehen? Mitnichten. Auch wir werden – und das zahlenmässig nicht zu gering – mitentscheiden bei den Urnengängen, die nach den parlamentarischen Beratungen in den Jahren 2017 bis 2019 auf uns zukommen werden.

Aber auch uns kann es nicht gleichgültig sein, was auf die jetzt 50- bis 55-Jährigen zukommt, was die dann als Erste auszubaden haben. Viele werden zweifellos die Gunst der Stunde nutzen und noch ins Trockene bringen, was noch geregelt werden kann: eine Frühpensionierung zu den noch geltenden Sätzen, freiwillige Einzahlungen ins BVG, um zu erhöhen, was noch zu erhöhen ist.

Die Erhöhung des Referenz-Rentenalters der Frauen von 64 auf 65 wird die Jahrgänge ab etwa 1961 treffen, die jetzt 52-Jährigen, die noch 13 Jahre Berufsarbeit vor sich haben.

Sie, die 50- bis 55-Jährigen und die nachfolgenden Generationen, sie sind also die unmittelbar Betroffenen, sie sind insbesondere aufgerufen, sich mit dem Projekt konkret zu befassen. Und wir können ihnen beratend zur Seite stehen. Können aus der Warte der Erfahrenen mithelfen.

Denn noch ist das Projekt Bersets nicht in allen Details bekannt, noch ist nicht bekannt, wie das flexible Rentenalter 62 bis 70 genau ausgestaltet werden soll: wie die Renten aus beiden Säulen berechnet werden, wie reduziert und wie erhöht wird, je nach Ausstieg aus dem Berufsleben. Bekannt ist lediglich, wie die bekannten Stellschrauben (Umwandlungssatz, Rentenalter, Witwenrenten, Kinderrenten) eingestellt werden sollen. Noch gibt es keine innovativen Ansätze, die zu neuen Ufern führen könnten. Die Vernehmlassung, die nach dem Erscheinen der Botschaft anlaufen wird, bietet die einmalige Chance, auch neue Ansätze einzubringen. Meistens orientieren sich die Vernehmlassungen lediglich an den Vorgaben des Bundesrates. Das ist zu wenig. In die Reform einbezogen sollte auch die dritte Säule werden und auch das Projekt „Gesundheit 2020“. Die Bezüge zur Krankenversicherung, insbesondere zur Pflegeversicherung sind allein schon durch die Hilflosenentschädigung aus der AHV gegeben.

Das Projekt „Vorsorge 2020“ kommt aus dem Hause Berset, das Projekt „Gesundheit 2020“ ja auch. Berset will dicke Bretter bohren, und er sagte schon mehrmals: „Ich bin noch jung, ich habe Zeit“. Wir alle haben Zeit. Nutzen wir sie in den nächsten sechs Jahren, nehmen wir sie bis 2020 in Anspruch und denken nach.

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